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Pubertät

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 13:13 Uhr

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit ihren überschäumenden Emotionen und sexuellen Über- und Untertönen mit Furcht entgegen. Kein Wunder, dass sie dann oft auch schwierig verläuft.
Vergessen wird teilweise, dass die Pubertät auch eine positive, bewegende Zeit aufregender Entwürfe sein kann, die oft ein halbes Leben überdauern, in der Mitte des Erwachsenenlebens wieder ausgegraben werden und dann teilweise eine beachtliche Vitalität beweisen.
Vergessen wird auch, dass die Pubertät eine Zeit großartiger Gefühle sein kann, die in dieser Intensität nie wiederkommen werden.

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Geschlossene Gesellschaft, so scheint es, und doch: Vergessen wird leicht, dass wir Erwachsene jetzt nicht nur als Chauffeur gefragt sind, ­sondern auch als Gefährten.
[FOL]

Natürlich bietet der neue Erfahrungsraum des fast erwachsenen Menschen auch Raum für eine Menge von Problemen, etwa:

  • Drogenprobleme (ob legal aus dem Supermarkt oder illegal aus der dunklen Schulhofecke)
  • Essstörungen
  • Missbrauch der Medien
  • Probleme mit einem Übermaß an Stress, die viele Formen annehmen können
     

Auch wenn Eltern meist annehmen, ihre Erziehung sei daran schuld, so kommen diese Probleme bei so vielen unterschiedlichen Kindern aus unterschiedlichen Familien vor, dass Sie nicht alles gleich auf Ihre Kappe nehmen sollten. Überhaupt merken Sie jetzt vielleicht, dass Ihre Kinder wirklich nicht nach Ihrem Bild entstanden sind, sondern anders komponierte Veranlagungen und Einstellungen haben und vielleicht andere, als Sie sich wünschen. Probleme entstehen, wenn wir auf unserem Bild beharren und dadurch im Grunde den »Kern« des jungen Menschen ignorieren. Sie oder er will »etwas wert« sein, auch in Ihren Augen! Nur wenn er oder sie Wertschätzung spürt, kann Ihr Kind auch unabhängig werden von der beständigen Bestätigung durch die Umwelt. Wenn Sie kein Vertrauen haben in Ihr Kind, traut es auch sich selbst nichts zu.

Ihr Teenager lebt jetzt vor allem in der Grup­pe seiner Gleichaltrigen. Und dort sind nun einmal nicht die vernünftigen Ziele der ge­fes­tigten Erwachsenen angesagt (welcher Erwachsene würde im Morgengrauen aufstehen und Betonwände besprühen?), sondern da wird gesucht (angstvoll, tollkühn oder zuversichtlich, je nach Persönlichkeit), experimentiert und improvisiert. Und doch ist dieses Verhalten nicht ziellos, wie es Erwachsenen manchmal erscheint.

Denn im Grunde folgen Teenager jetzt den­selben Leitmotiven, nach denen auch wir Erwachsene – mit mehr oder weniger Erfolg – streben: Autonomie, Kompetenz und Bezogenheit. Und da sie ihre Grenzen noch nicht erfahren haben, verfolgen sie diese Ziele oft auf eine selbstverliebte, rührend überzeugte (d. h. unrealistische) und extreme Art.

Das Wachstum in Zahlen und Kurven

Ob das körperliche Wachstum normal verläuft, lässt sich vor allem an Größe, Gewicht, Kopfumfang und Body-Mass-Index (= BMI) ablesen. Dabei gilt es natürlich Alter und Geschlecht des Kindes zu berücksichtigen. Die folgenden Kurven (Perzentilkurven) tragen dem Rechnung.

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Drucken Sie zunächst eine der beiden Grafiken aus. Suchen Sie dann zunächst im unteren, horizontalen Blaubereich das Alter Ihres Kindes. Legen Sie bei der entsprechenden Altersmarke ein Lineal vertikal an (also nach oben). Tragen Sie jetzt auf dieser vom Lineal vorgegebenen Linie den jeweiligen Messwert (also z. B. das Körpergewicht) Ihres Kindes ein. Die entsprechende Skala finden Sie in dem Blaubereich am linken Rand. An den quer durch das Diagramm laufenden, unregelmäßigen »Kurven« können Sie jetzt ablesen, wo Ihr Kind im Vergleich zu seinen Altersgenossen steht.

Und zwar so: Liegt ein Kind mit seinem Körpergewicht auf der mit 90 % gekennzeichneten Kurve (man sagt auch: dem 90. Perzentile oder Hundertstelwert), so heißt dies, dass 90 % aller gleichaltrigen Kinder leichter oder gleich schwer und nur 10 % schwerer sind. Liegt es zwischen der mit 25 % und der dicken, mit 50 % bezeichneten Kurve, so sind etwa 35 % leichter und etwa 65 % der Altersgenossen schwerer.

Weiterführende Informationen

  • Wüschner, P.: Grenzerfahrung Pubertät. Eichborn, 2005. Ratgeber für Eltern, der an­hand zahlreicher Beispiele den richtigen Umgang mit Grenzen aufzeigt
  • www.mediengewalt.de; Internetportal zum Thema Medien und Gewalt, mit vielen empfehlenswerten Links und Tipps für Eltern
  • www.starke-eltern.de; Tipps zu Computerspielen unter der Rubrik »Ratgeber«
Aktualisiert ( Mittwoch, den 21. März 2012 um 14:14 Uhr )