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Die Entwicklung des Kindes: 1-6 Monate

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 10:27 Uhr
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Die Entwicklung des Kindes: 1-6 Monate
Vom Schlafen
Selbstständiges Einschlafen?
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Viele Eltern haben erst am Ende der Neugeborenenzeit das Gefühl, ihr Kind sei wirklich »angekommen«. Der Vorhang hat sich langsam geöffnet, das Kind schwimmt nicht mehr in seiner Urwelt, hat diese langsamen Bewegungen verloren, es ist jetzt ganz bei Ihnen, und reagiert klar und unmittelbar. Und selbst wenn die Äußerungen des Kindes noch zaghaft sind: Sie merken, da ist schon jemand, eine Person mit einem eigenen Charakter, es ist kein unbeschriebenes Blatt, das zu Ihnen hergeflattert gekommen ist.

Während sich die ersten drei Monate für die meisten Eltern wie ein Belastungstest anfühlen, sickert danach auf einmal Licht durch den Tunnel. Ihr Kind kann sich nun besser ausdrücken, es schreit weniger, nein, es ist nicht das Paradies, aber Sie haben vielleicht schon mal wieder acht Stunden durchgeschlafen, und was ist dagegen schon das Paradies?

Vom Schreien

Entwicklung des Säuglings
Entwicklung des Säuglings
Kaum ist der erste Lebensmonat vorbei, beginnt die Charme-Offensive. Der Säugling nimmt jetzt nicht nur die Eindrücke aus seinem Nahbereich immer bewusster wahr, sondern greift nun auch viel zielstrebiger in sie ein. Mit seinem Lächeln, das jetzt auf Zuwendung in sein Gesicht tritt (»soziales Lächeln«), kann er Herzen schmelzen und Berge versetzen.
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Wenn Babys vor allem bei Nachbarn einen schlechten Ruf haben, dann deshalb, weil sie oft schreien. Aber: Säuglinge weinen nicht aus Trotz oder um »zu nerven«, denn dies setzt ein entwickeltes Ich voraus, das sie noch gar nicht haben. Wenn Säuglinge schreien, haben sie einen ganz unmittelbaren Grund: Unwohlsein, Schmerzen, Hunger, kurz, Unbehagen an sich oder der Welt (siehe unten). Sie wollen, dass die Dinge wieder ins Lot kommen und sind darin ihren Erwachsenen ziemlich ähnlich.

Zum Zweiten: Säuglinge, darauf hat Barbara Sichtermann in ihrem Buch Leben mit einem Neugeborenen hingewiesen, »lernen« nicht wie Erwachsene. Sie leben im Hier und Jetzt, sie verbinden das Erlebte noch nicht mit dem Vorher oder Nachher wenn ein Säugling also schreit, dann fasst er nicht in eine Truhe voller Lebenserfahrungen und vergleicht »Aha, beim letzten Schreien habe ich nur Enttäuschung geerntet, ich lasse das also lieber bleiben«, sondern er empfindet sein Unbehagen, hier und jetzt und damit basta. Und er wartet darauf, getröstet zu werden. Und was dann kommt, das nimmt er auf und »kleidet seine Seele damit aus« (Barbara Sichtermann). Ist es Trost, so nimmt er ein Stück Trost in sich auf, ist es Enttäuschung, so nimmt er diese auf.
Schaden macht einen Säugling nicht klug, sondern nimmt ihm das Vertrauen in die Welt!

Sieben Gründe warum Säuglinge schreien

Was aber will das Kind durch das Weinen seinen Eltern sagen? Nun, es betätigt seine Stimmbänder aus:

  • Hunger. Meist drängend und rhythmisch, manchmal zornig, stets langgezogen. Hört das Baby beim Hochnehmen für mehr als nur einen »Ãœberraschungmoment« auf zu schreien, so ist es (noch) nicht hungrig
  • Schmerz, z. B. bei Blähungen, Dreimonatskoliken, Wundsein oder Zahnen. Kurzatmiger, laut, schrill, oft panisch, mit wechselndem Rhythmus und Tonlage
  • Langeweile. Eher »knarzelnd«, fragend
  • Müdigkeit. Rhythmisch, nicht drängend,sondern klagend, oft reibt sich das Kind dabei die Augen
  • Plötzlichem Erschrecken, z. B. durch einenKnall oder ungewohnte Geräusche. Aufziehend und »stotternd«, »ganz außer sich«, meist leicht zu »Ã¼bertrösten«
  • Überreizheit oder Krankheit. »Gereizt«, schwer tröstbar
  • Ungemütlicher Körperlage oder Umgebung. Kleine Babys, die sich noch nicht drehen können, weinen manchmal, weil sie mit ihrer Körperlage nicht einverstanden sind und Abwechslung brauchen. Auch gegen Kälte oder Überwärmung wird protestiert.

Umgang mit dem weinenden Baby

Meist lässt sich schnell feststellen, an was es dem Säugling fehlt, und er beruhigt sich, wenn Sie mit ihm sprechen, ihn hochnehmen, stillen oder füttern. Manchmal will er vielleicht auch seine volle Windel loswerden oder, vor allem im Sommer, aus einer überflüssigen Lage Kleider geschält werden. Oder er will einfach herumgetragen werden, entweder auf dem Arm oder im Tragegestell bzw. Tragetuch. Manche Babys beruhigen sich eher im »Fliegergriff« (Kind liegt in Bauchlage auf dem Unterarm, den Kopf in die Ellenbeuge gekuschelt), andere wollen fest am Körper gehalten werden.

Die Umgebung sollte möglichst reizarm sein, d. h. das Licht abgedunkelt und auch Lärm und »ständiges Bespielen« vermieden werden. Das gilt insbesondere für sehr »wache«, neugierige Kinder, die sich in ihrem Erkundungsdrang oft übernehmen und dann abends nicht mehr abschalten können.

Einige Beobachtungen sprechen dafür, dass schreiende Babys vor allem dann ruhig werden, wenn sie den »Urmotiven« des vorgeburtlichen Lebens ausgesetzt werden:

  • Rhythmen. Viele Babys beruhigen sich, wenn man ihnen mit der Hand leicht auf das Rückgrat klopft. So hat eine Studie ergeben, dass insbesondere Frequenzen von etwa 80–140 pro Minute beruhigend wirken – was in etwa dem Frequenzbereich des mütterlichen Herzschlags während des letzten Drittels der Schwangerschaft entspricht. Interessanterweise schwingen auch traditionelle Wiegen etwa in einer Frequenz von 80 pro Minute.
  • Halt. Schreiende Kinder mögen es oft, »eng umschlossen« zu sein. Viele Naturvölker, etwa manche Indianderstämme Nordamerikas, wickeln (oder schnüren) ihre Babys eng in Tücher, um sie ruhig und zufrieden zu halten. Eine bis heute bei unruhigen oder schreienden Babys mit Erfolg angewendete Methode ist das stramme Einpacken des Babys in eine Babydecke (Kind »quer« auf die Decke legen, unteren Zipfel zwischen die Beine schlagen und Oberkörper einwickeln).
  • Massage. Viele Babys beruhigen sich durch eine sanfte, »körperumfassende« Massage, bei der gerade bei Kindern mit Dreimonatskoliken auch etwas Fenchelöl oder Ringelblumenöl verwendet werden kann.

Vorsicht! Es gibt Kinder, bei denen »nichts hilft« oder die sehr häufig schreien (sog. Schreibabys). In solchen Fällen können die in größeren Städten bestehenden Schreiambulanzen weiterhelfen. Und bedenken Sie auch: Die besten Eltern können stundenlanges Schreien kaum ertragen. Wut auf das schreiende Kind ist dann die unvermeidliche Reaktion. Überlassen Sie Ihr Kind dann Ihrem Partner oder einem anderen Erwachsenen!

Was Ihr Baby jetzt kann!

Die Entfernung, in der ein Baby in den ersten Monaten am besten seine Mitmenschen wahrnimmt, ist ca. 40–60 cm und entspricht damit in etwa dem Abstand, aus dem es beim Stillen in das Gesicht seiner Mutter blickt. Die Händchen sind jetzt zwar im Schlaf noch geballt, während der Wach-Phasen sind sie aber immer öfter offen – das Baby macht sich bereit, um in die Welt »einzugreifen«!
Und das mit einem ziemlichen Tempo. Mit etwa drei Monaten haben viele Eltern das Gefühl, dass irgendjemand einen Zeitraffer eingeschaltet hat: Wenn Sie jetzt nur mal kurz zur Seite schauen, hat sich Ihr Baby schon verändert! Innerhalb von nur wenigen Monaten wird aus dem oft ernsten, liegenden Kind ein strahlender Säugling, der Ihnen sitzend seine ersten Zähnchen entgegenblitzen lässt.



Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 17:03 Uhr )