Die Entwicklung des Kindes: 1-6 Monate
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 10:27 Uhr
Seite 1 von 3 Viele Eltern haben erst am Ende der Neugeborenenzeit das Gefühl, ihr Kind sei wirklich »angekommen«. Der Vorhang hat sich langsam geöffnet, das Kind schwimmt nicht mehr in seiner Urwelt, hat diese langsamen Bewegungen verloren, es ist jetzt ganz bei Ihnen, und reagiert klar und unmittelbar. Und selbst wenn die Äußerungen des Kindes noch zaghaft sind: Sie merken, da ist schon jemand, eine Person mit einem eigenen Charakter, es ist kein unbeschriebenes Blatt, das zu Ihnen hergeflattert gekommen ist. Während sich die ersten drei Monate für die meisten Eltern wie ein Belastungstest anfühlen, sickert danach auf einmal Licht durch den Tunnel. Ihr Kind kann sich nun besser ausdrücken, es schreit weniger, nein, es ist nicht das Paradies, aber Sie haben vielleicht schon mal wieder acht Stunden durchgeschlafen, und was ist dagegen schon das Paradies? Vom Schreien
Kaum ist der erste Lebensmonat vorbei, beginnt die Charme-Offensive. Der Säugling nimmt jetzt nicht nur die Eindrücke aus seinem Nahbereich immer bewusster wahr, sondern greift nun auch viel zielstrebiger in sie ein. Mit seinem Lächeln, das jetzt auf Zuwendung in sein Gesicht tritt (»soziales Lächeln«), kann er Herzen schmelzen und Berge versetzen.
[HRP]Wenn Babys vor allem bei Nachbarn einen schlechten Ruf haben, dann deshalb, weil sie oft schreien. Aber: Säuglinge weinen nicht aus Trotz oder um »zu nerven«, denn dies setzt ein entwickeltes Ich voraus, das sie noch gar nicht haben. Wenn Säuglinge schreien, haben sie einen ganz unmittelbaren Grund: Unwohlsein, Schmerzen, Hunger, kurz, Unbehagen an sich oder der Welt (siehe unten). Sie wollen, dass die Dinge wieder ins Lot kommen und sind darin ihren Erwachsenen ziemlich ähnlich. Zum Zweiten: Säuglinge, darauf hat Barbara Sichtermann in ihrem Buch Leben mit einem Neugeborenen hingewiesen, »lernen« nicht wie Erwachsene. Sie leben im Hier und Jetzt, sie verbinden das Erlebte noch nicht mit dem Vorher oder Nachher wenn ein Säugling also schreit, dann fasst er nicht in eine Truhe voller Lebenserfahrungen und vergleicht »Aha, beim letzten Schreien habe ich nur Enttäuschung geerntet, ich lasse das also lieber bleiben«, sondern er empfindet sein Unbehagen, hier und jetzt und damit basta. Und er wartet darauf, getröstet zu werden. Und was dann kommt, das nimmt er auf und »kleidet seine Seele damit aus« (Barbara Sichtermann). Ist es Trost, so nimmt er ein Stück Trost in sich auf, ist es Enttäuschung, so nimmt er diese auf. Sieben Gründe warum Säuglinge schreienWas aber will das Kind durch das Weinen seinen Eltern sagen? Nun, es betätigt seine Stimmbänder aus:
Umgang mit dem weinenden BabyMeist lässt sich schnell feststellen, an was es dem Säugling fehlt, und er beruhigt sich, wenn Sie mit ihm sprechen, ihn hochnehmen, stillen oder füttern. Manchmal will er vielleicht auch seine volle Windel loswerden oder, vor allem im Sommer, aus einer überflüssigen Lage Kleider geschält werden. Oder er will einfach herumgetragen werden, entweder auf dem Arm oder im Tragegestell bzw. Tragetuch. Manche Babys beruhigen sich eher im »Fliegergriff« (Kind liegt in Bauchlage auf dem Unterarm, den Kopf in die Ellenbeuge gekuschelt), andere wollen fest am Körper gehalten werden. Die Umgebung sollte möglichst reizarm sein, d. h. das Licht abgedunkelt und auch Lärm und »ständiges Bespielen« vermieden werden. Das gilt insbesondere für sehr »wache«, neugierige Kinder, die sich in ihrem Erkundungsdrang oft übernehmen und dann abends nicht mehr abschalten können. Einige Beobachtungen sprechen dafür, dass schreiende Babys vor allem dann ruhig werden, wenn sie den »Urmotiven« des vorgeburtlichen Lebens ausgesetzt werden:
Vorsicht! Es gibt Kinder, bei denen »nichts hilft« oder die sehr häufig schreien (sog. Schreibabys). In solchen Fällen können die in größeren Städten bestehenden Schreiambulanzen weiterhelfen. Und bedenken Sie auch: Die besten Eltern können stundenlanges Schreien kaum ertragen. Wut auf das schreiende Kind ist dann die unvermeidliche Reaktion. Überlassen Sie Ihr Kind dann Ihrem Partner oder einem anderen Erwachsenen! Was Ihr Baby jetzt kann!Die Entfernung, in der ein Baby in den ersten Monaten am besten seine Mitmenschen wahrnimmt, ist ca. 40–60 cm und entspricht damit in etwa dem Abstand, aus dem es beim Stillen in das Gesicht seiner Mutter blickt. Die Händchen sind jetzt zwar im Schlaf noch geballt, während der Wach-Phasen sind sie aber immer öfter offen – das Baby macht sich bereit, um in die Welt »einzugreifen«!
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 17:03 Uhr )
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