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Das Kleinkind: das zweite und dritte Lebensjahr

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 12:27 Uhr
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Das Kleinkind: das zweite und dritte Lebensjahr
Das größte Kind der Welt
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Im zweiten und dritten Lebensjahr beginnt das Kind, seine Position in der Welt klar zu bestimmen:

  • Zum einen entwickelt es sein Ich, d. h. es lernt zu verstehen, wo es selbst aufhört und wo der andere (zunächst die Mutter bzw. die Eltern) beginnen. Zu dieser Positionsfindung gehört natürlicherweise auch das vehement gesprochene »Nein«. Trotz dieses »Negativismus« braucht das Kleinkind weiterhin seine Eltern als positiven Halt, ohne ihn wäre der Aufbruch in die sich öffnende Welt viel zu angsterregend!
  • Andererseits wendet sich das Kind jetzt schon anderen Menschen zu, es lernt mitzufühlen. Schon mit dem ersten Geburtstag können manche Kinder erkennen, dass ein anderer Mensch traurig ist, und weinen dann oder schauen ihre Eltern an. Mit 18 Monaten versuchen viele Kinder schon eine weinende Person zu trösten, zum Beispiel indem sie sie streicheln. Etwa mit zwei Jahren greifen sie dann auch aktiv ein und bieten etwa ihre Hilfe an.
  • Mit dem Aufbau seines Ichs vollzieht das Kleinkind einen weiteren Schritt der Ablösung (siehe Kasten unten), der auch uns Eltern einiges abverlangt: Wir müssen lernen, unser Kind immer wieder loszulassen, es in eine neue Rolle ziehen zu lassen, durch die auch wir unsere bisherige Stellung ein Stück weit verlieren. Waren wir im Babyalter noch »das Haus« des Kindes, so braucht es uns jetzt auch als Brücke zur Welt.

Ablösephasen

»Die« Ablösephase des Kindes gibt es nicht. Vielmehr lösen sich unsere Kinder in immer neuen Anläufen von uns:

  • Im zweiten Lebenshalbjahr löst sich der Säugling immer mehr vom Rockzipfel seiner Mutter, wendet sich der Welt zu, die es nun zu erforschen gilt. Wie angstbesetzt diese Vorstufe des Loslösens noch ist, zeigt das Fremdeln – eine Phase, in der sich das Kind seiner Zugehörigkeit zu seiner Bezugsperson oft ziemlich plötzlich bewusst wird.
  • Mit dem Laufenlernen und dem Aufbau seines Ichs im Kleinkindalter strebt es mit neuem Elan (aber auch mit neuen Ängsten) in die Welt hinaus – und gleichzeitig wieder zu den Eltern zurück. Diese Ambivalenz kann für alle Beteiligten sehr anstrengend sein.
  • Erst in der Pubertät sind die Schritte ganz real und zielgerichtet – auch wenn sie nicht immer wohl überlegt sind.



Aktualisiert ( Freitag, den 03. Juli 2009 um 13:54 Uhr )