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Säuglings-Infektionen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 15. Juni 2009 um 09:10 Uhr
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Säuglings-Infektionen
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Gerade Kinder, die im Herbst oder den ersten Wintermonaten geboren sind, bringen die Säuglingszeit oft ohne nennenswerte Infektionen hinter sich: Den ersten Winter überstehen sie dank des Nestschutzes infektfrei, und sind sie Letzterem dann mit 6–9 Monaten entwachsen, so hat die »Erkältungssaison« noch nicht begonnen.

Doch auch wenn sie eine Erkältung bekommen: Glücklicherweise verlaufen obere Luftwegsinfekte auch bei Säuglingen meist mild. Als Komplikation kann allerdings schon einmal eine Mittelohrentzündung oder ein Pseudokrupp entstehen. Dafür bleiben Säuglinge von anderen Komplikationen der Erkältungskrankheit verschont, vor allem den ab dem Schulalter gefürchteten Nebenhöhlenentzündungen. Das liegt daran, dass bei Säuglingen bis auf die kleinen Keil- und Siebbeinhöhlen hinter der Nase noch keine Nebenhöhlen angelegt sind. Auch die normale (nicht-obstruktive) Bronchitis kommt im Säuglingsalter praktisch nicht vor. Dafür machen Säuglingen in den Wintermonaten manchmal zwei andere Krankheiten mit ähnlichem Namen zu schaffen: die obstruktive Bronchitis und die Bronchiolitis.

Bronchiolitis

Bei der Bronchiolitis handelt es sich um eine von bestimmten Viren (vor allem Respiratory-syncytial-Viren, kurz RSV) verursachte Infektion der Luftwege. Diese Viren befallen besonders die ganz kleinen Bronchien, die Bronchiolen. Betrachtet man die sich immer weiter aufzweigenden Bronchien wie einen Baum, dann wären bei der Bronchiolitis also vor allem die feinen Ästchen nahe der Baumspitze betroffen. Da die Bronchiolen beim Säugling noch sehr klein und eng sind, neigen sie dazu, durch den wegen der Infektion produzierten Schleim zu verstopfen – Atemnot, Husten und ein pfeifendes Atemgeräusch sind die Folge.

Zunächst aber beginnt die Infektion wie eine normale Erkältung: Die Säuglinge müssen viel niesen, klares Sekret läuft ihnen aus der Nase, das sich manchmal später auch weiß oder gelb verfärbt. Die Augenlider sind oft gerötet, was die Augen wie »rosa umrandet« erscheinen lässt, manchmal ist auch die Bindehaut etwas rot. So weit könnte noch alles als eine normale »Erkältung« gelten.

Dann aber fangen viele der betroffenen Säuglinge an, schlecht zu trinken und schwerer zu atmen – an dem noch weichen Brustkorb der Säuglinge ist dies an den Einziehungen zu erkennen: Die Haut zwischen den Rippen, an den Schlüsselbeinen und am unteren Rand des Brustkorbs sinkt mit jeder Atmung ein. Auch atmen die Säuglinge jetzt schneller und manchmal machen sie bei jedem Atemzug ein »anstoßendes«, leicht grunzendes Geräusch. Zudem sind sie insgesamt reizbarer, hektischer oder spucken öfter. Manchmal können Eltern ein feines Pfeifen bei der Ausatmung hören. Fieber kann, muss aber nicht auftreten. Sehr junge Säuglinge und ehemalige Frühgeborene neigen auch zu Atempausen und laufen dann immer wieder blau an.



Aktualisiert ( Montag, den 06. Juli 2009 um 11:09 Uhr )