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Nabelprobleme

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 15. Juni 2009 um 09:18 Uhr
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Am Nabel des Säuglings sind schon viele Moden vorübergezogen, und wie so manche Mode in der Medizin wurden sie alle medizinisch bestens begründet – ohne aber jemals wissenschaftlich getestet worden zu sein. Noch vor wenigen Jahren wurde zur täglichen Desinfektion mit Alkohol geraten, der Nabel mit einem antiseptischen Puder behandelt oder mit Nabelbinden weggepackt.
Heute zeigen Vergleichsstudien, dass all diese Maßnahmen nicht besser sind als die simpelste aller Strategien: gar nichts zu tun. Die tägliche Behandlung mit Alkohol nämlich verzögert die Wundheilung, Puderstäube werden vom Baby leicht eingeatmet und können dann die Lunge schädigen und Nabelbinden schaffen eine abgeschlossene Kammer, in der Bakterien besser gedeihen als an der Luft. Was dagegen anzuraten ist, ist häufiger Hautkontakt – es hat sich gezeigt, dass die natürliche Hautflora der Mutter dann auch den Nabel des Babys besiedelt und dort eventuelle schädliche Bakterien in Schach hält.

Einmaleins der Nabelpflege

Solange der Nabelstumpf noch nicht abgefallen ist, wird er einfach in einen trockenen Mulltupfer eingeschlagen und unter das Hemdchen gelegt. Die Klemme kann abgenommen werden, wenn der Stumpf trocken ist. Schlagen Sie die Windel vorne so um, dass der Rand nicht am Nabelstumpf reibt. Wenn Sie wollen, dürfen Sie Ihr Baby baden, tupfen Sie den Nabel danach einfach ab. Die eingetrocknete Nabelschnur fällt meist zwischen dem fünften und neunten Tag ab, gelegentlich aber auch erst nach drei Wochen. Manchmal sehen Sie dann etwas Blut am Windelrand, das ist normal. Versuchen Sie nie, den Stumpf selbst »abzuziehen«, auch wenn er noch so wackelig auf dem Nabel sitzt.

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Wenn bei einem älteren Kind dagegen der Nabel einmal etwas nässt und gerötet ist, so sind oft scheuernde Kleider – hier der Hosenbund – schuld.
[HRP]

Nässen oder Rötung

Nach dem Abfallen ist der Nabelgrund oft noch eine Weile feucht und »schmierig« und es bilden sich braune, gelbe oder grüne Krus­ten. Solange die Umgebung des Nabels nicht geschwollen oder gerötet ist, ist das normal. Sie können dann den Nabel zwei- bis dreimal am Tag vorsichtig mit einem weichen Tuch mit Wasser und Babyseife auswaschen. Schmiert der Nabelgrund weiter und riecht eitrig (manchmal sehen Sie dann auch kleine Pickelchen um den Nabelrand herum), können Sie den Nabel mit Calendula-Tinktur aus der Apotheke auswaschen (ein paar Spritzer auf einen Eierbecher Wasser).

Rötet sich aber der Bauch um den Nabel herum, schwillt an und macht dem Baby Schmerzen, müssen Sie zum Kinderarzt, da es sich vielleicht um eine eitrige Nabelentzündung (= Omphalitis) handelt, die anti-
biotisch behandelt werden muss.

Auch wenn der Nabel stark nässt oder das Nässen einfach nicht aufhört, sollten Sie den Kinderarzt fragen, da dies selten einmal auf eine feine Verbindung des Nabelgrunds mit der Blase hinweist (sog. Urachusgang).

Ob der Nabel später einmal einsinkt oder etwas nach außen vorsteht, lässt sich im Säuglingsalter noch nicht vorhersagen. Es gibt auch keine Möglichkeit, dies zu beeinflussen, Nabelbinden beispielsweise haben hier keinen steuernden Einfluss.



Aktualisiert ( Montag, den 06. Juli 2009 um 11:13 Uhr )