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Hüftdysplasie

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 15. Juni 2009 um 10:43 Uhr
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Hüftdysplasie
Was zu tun ist
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Die Hüftdysplasie, zu deutsch auch Hüftreifestörung, ist eine angeborene, ein- oder beidseitige Fehlstellung des Hüftgelenks: Die Hüftgelenkspfanne ist dabei so flach, dass sie den kugelförmigen Hüftgelenkskopf nicht richtig umschließen kann. Letzterer läuft dann Gefahr, aus der als Halterung dienenden Hüftgelenkspfanne abzurutschen und dann neben der Gelenkpfanne zu stehen (Hüftausrenkung oder Hüftluxation). Wird der Anlagefehler nicht rechtzeitig behandelt, so drohen im späteren Leben ein Gelenkschaden (Arthrose) und damit Hüftschmerzen und Gehfehler.
Ein Teil der Fälle ist erblich bedingt, Mädchen sind fünfmal häufiger als Jungs betroffen. Auch Kinder, die aus der Beckenendlage geboren wurden, sowie Mehrlinge haben häufiger eine Hüftdysplasie. In etwa 40 % sind beide Hüften betroffen.

Schenkt man manchen Ärzten Glauben, dann ist die Hüftdysplasie ungemein häufig – sie soll bis zu einem Drittel der Säuglinge betreffen. Dies ist jedoch eine reine Definitionsfrage – wie »flach« die Hüftgelenkspfanne bei der Messung im Ultraschall sein »darf«, bevor man sie abnorm nennt, darüber lässt sich trefflich streiten. Tatsache ist, dass nur 2 % der Säuglinge wegen einer Hüftdysplasie behandelt werden müssen.

Erkennung ist schwierig

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Bei der Hüftdysplasie (auf der rechten Bildseite dargestellt) ist der obere Teil des Hüftgelenks, die so genannte Hüftgelenkspfanne, zu flach angelegt. Dadurch hat das Ende des Oberschenkelknochens, der Hüftkopf, zu wenig Halt und rutscht leicht aus seinem natürlichen Lager heraus. Letzteres wird vom Arzt als Luxation bezeichnet.
[GRA]

Nur schwere Formen der Hüftdysplasie können auf Anhieb erkannt werden: Die Beinchen lassen sich beim Wickeln nicht gut oder nur ungleichmäßig spreizen. Manchmal erscheint auch ein Beinchen »zu kurz« und die Falten am Gesäß stehen links und rechts auf unterschiedlicher Höhe (normalerweise verlaufen sie symmetrisch).

Leichtere Formen zeigen sich in der Säuglingszeit oft noch nicht, sondern führen erst, wenn das Kind laufen lernt, zu einem auffälligen Gangbild. Dies ist der Grund, weshalb heute alle Kinder routinemäßig in den ersten Lebenswochen mit Hilfe des Ultraschalls auf eine Fehlstellung der Hüfte untersucht werden, meist im Rahmen der U3 (so genanntes Hüftscreening).



Aktualisiert ( Donnerstag, den 27. August 2009 um 08:10 Uhr )