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Erkältungskrankheiten (grippale Infekte)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 13:56 Uhr
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Erkältungskrankheiten (grippale Infekte)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Selbsthilfe
Möglichkeiten der Naturheilkunde
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Erkältungskrankheiten (= grippale Infekte) gehören zu den »Spitzenreitern« kindlicher Erkrankungen, wahrscheinlich sind sie sogar das häufigste Beschwerdebild bei Kindern überhaupt. Ein Trost: Für ansonsten gesunde Kinder sind Erkältungskrankheiten zwar lästig, aber harmlos.

Allerdings: Erkältungen dauern meist länger als den Eltern lieb ist: Bei über 50 % dauert die Erkältung länger als vier Tage, bei 20 % sogar länger als sieben Tage.

Erkältungskrankheiten können das ganze Jahr über auftreten, »Saison« ist aber in den Herbst- und Wintermonaten. Besonders häufig erkranken Kindergartenkinder, 8 bis 10 Erkältungen jährlich gelten bei ihnen durchaus als normal.

Leitbeschwerden

  • Schnupfen (zuerst wässrig-klar, später schleimig-eitrig, z. B. gelb oder grün), Niesen
  • Kratzen im Hals, leichte Halsschmerzen
  • Möglicherweise Husten, Heiserkeit
  • Möglicherweise Fieber und beeinträchtigtes Allgemeinbefinden mit Kopf- und Gliederschmerzen

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Die Erkältung nach einer Woche bis zehn Tagen noch nicht weg ist.
  • Die Beschwerden und das Fieber nach ein paar Tagen eher schlimmer als besser werden.

Noch heute, wenn

  • Ihr Kind starke Ohrenschmerzen hat.
  • Ihr Kind Atemprobleme bekommt.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind mit einer »Erkältung« hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen und einem steifen Nacken bekommt oder teilnahmslos wird – dann liegt keine Erkältung vor, sondern eine schwerere Infektion, z. B. der Hirnhäute.

Das Wichtigste aus der Medizin

Erkältungskrankheiten: woher?

Übertragung von Viren und Bakterien durch Körperkontakt
Da freuen sich alle Viren dieser Erde: Inniger Körperkontakt, wie ihn vor allem Kindergartenkinder lieben, und dazu noch das feuchte Ambiente im Schwimmbad – optimale Bedingungen für die Weitergabe von Keimen aller Art. Allerdings ist Schwimmen auch eine der besten Möglichkeiten, das Immunsystem fit zu halten, gerade in der kalten Jahreszeit.
[RBZ]

Erkältungskrankheiten werden ganz überwiegend von Viren verursacht, allen voran Rhino-Viren (von ihnen allein gibt es über 100 verschiedene Typen), aber auch Adenoviren, Myxoviren, ECHO-Viren, Coxsackie-Viren und Parainfluenza-Viren. Eine Sonderstellung nehmen RS-Viren ein: Sie führen bei Babys und jüngeren Kindern häufig zu schweren Entzündungen der tieferen Atemwege, bei älteren Kindern und Erwachsenen hingegen zu den typischen Erkältungsbeschwerden. Bakterien sind praktisch nie die Ursache von Erkältungsbeschwerden.

Die Viren werden durch Tröpfcheninfektion und direkten Kontakt (meist über die Hände) übertragen, befallen die Schleimhäute von Nase und Rachen und führen dort nach ein bis drei Tagen zu einer oberflächlichen Entzündung (= Rhinopharyngitis). Ob Unterkühlung die »Erkältung« begünstigt, ist umstritten. Tatsache ist: Bei den meisten Kindern geht keine Unterkühlung voraus, und viele Kinder unterkühlen sich, ohne gleich krank zu werden.

Die während der Erkrankung gebildeten Abwehrstoffe schützen zwar für eine gewisse Zeit (Monate bis Jahre) vor erneuten Erkrankungen durch den gleichen Virustyp, angesichts der Vielzahl der Erreger ist dies jedoch allenfalls ein Etappensieg.

Das Kleingedruckte

Wenn ein Kind ein paar Tage lang »schnuddelt«, sich ansonsten aber wohl fühlt, ist die Sache klar. Auch ein Husten während einer Erkältung ist kein Grund zur Sorge, die tieferen Luftwege müssen sich schließlich gegen das aus dem Nasenraum beständig in den Rachen ablaufende Sekret schützen. Nur so kann die Lunge verhindern, dass sich das erregerhaltige Sekret in den Bronchien festsetzt und etwa eine Lungenentzündung auslöst.

Auch wenn die Nase trocken ist, produzieren die Nebenhöhlen noch munter Schleim – selbst wenn das Taschentuch nicht mehr zum Einsatz kommt, husten die Kinder also oft noch ein paar Tage weiter.

Auch leichtes bis mäßiges Fieber gehört zum Kleingedruckten, es geht nach ein paar Tagen von selbst wieder weg.

Erkältung oder mehr?

Manchmal aber fällt selbst erfahrenen Eltern die Abgrenzung zwischen »normaler Erkältung« und »richtig krank« schwer.

Dicke und Farbe des Nasensekrets sind bei dieser Abgrenzung nicht hilfreich. Der leider nicht auszurottende Glaube, der dicke, »eitrige Rotz« müsse durch Antibiotika behandelt werden, entbehrt wissenschaftlicher Grundlagen: Er tritt auch bei durch Viren bedingten Erkältungen auf, und solange keine andere Komplikation vorliegt, wird er mit einem Taschentuch »behandelt« und nicht mit Medikamenten.

Erkältungskrankheiten überschneiden sich an mehreren Ecken mit anderen Krankheitsbildern:

  • Die Erkältung ist der »echten Grippe« ähnlich – Letztere beginnt allerdings meist plötzlicher, und statt des Schnupfens stehen anfänglich Hals- und Kopfschmerzen im Vordergrund, auch ist das Fieber meist höher.
  • Auch manche andere Infektionskrankheiten wie der Keuchhusten oder die Masern beginnen wie eine Erkältung, bevor nach ein paar Tagen die typischen Zeichen hinzutreten.
  • Beim Säugling kann eine Erkältung auch Teil einer als Bronchiolitis bezeichneten Krankheit sein, hier stehen jedoch schon nach Stunden bis Tagen Atemprobleme und ein trockener, quälender Husten ganz im Vordergrund.
  • Auch ein allergischer Schnupfen kann zunächst als Erkältung fehlgedeutet werden, die Kinder sind aber fieberfrei und meist schon aus dem Kindergartenalter heraus.
  • Eine »Erkältung« mit schleimig-eitrigem Schnupfen, die wochen- und monatelang nicht weggehen will, kann Anzeichen vergrößerter und entzündeter Gaumen- oder Rachenmandeln sein.
  • Bei jungen Säuglingen ist manchmal in den ersten 2–3 Monaten ein klarer, schleimiger »Schnupfen« zu beobachten, der nicht krankhaft ist und auch nicht behandelt werden muss, die Ursache ist unklar.
  • Selten kann ein eitriger, nur auf ein Nasenloch beschränkter »Schnupfen« von einem in die Nase gestopften Fremdkörper herrühren.

Komplikationen

In aller Regel verlaufen Erkältungskrankheiten harmlos und heilen von selbst folgenlos aus. Die entzündete Schleimhaut lässt jedoch manchmal Bakterien in den Körper eindringen, die dann bakterielle Folgekrankheiten auslösen können.

So neigen z. B. kleine Kinder dazu, bei Erkältungen als Komplikation eine Mittelohrentzündung zu entwickeln; bei älteren Kindern bleibt manchmal auch eine Nasennebenhöhlenentzündung hängen. Solche Erkältungskomplikationen zeigen sich dadurch, dass die Beschwerden nach ein paar Tagen nicht wie erwartet zurückgehen, sondern (wieder) stärker werden und Ohren- bzw. Kopfschmerzen, Atemprobleme oder erneutes Fieber hinzutreten.

Manche Kinder haben auch dann noch mit Husten zu kämpfen, wenn die Nase wieder trocken ist. Entweder hat sich dann die Infektion in den Nasennebenhöhlen festgesetzt (das dort »gefangene« Sekret läuft immer wieder, oft nachts, ab und löst Husten aus), oder die Erreger haben die tieferen Luftwege befallen und z. B. eine Bronchitis ausgelöst.

Gar nicht so selten zeigt der Husten aber an, dass sich die Muskulatur der kleinen Bronchien und Bronchiolen verkrampft hat – man spricht von einer obstruktiven Bronchitis. Zusätzlich zum Husten fällt bei solchen Kindern eine erschwerte Atmung und eventuell ein feines Pfeifen auf, oft treten ähnliche Probleme auch bei weiteren Erkältungen auf.


Das macht der Arzt

Dieser Abschnitt sollte besser heißen »Was der Arzt alles nicht macht«. Denn Ärzte können inzwischen zwar den halben Menschen mit neuen Ersatzteilen versorgen, gegen eine normale Erkältung sind sie jedoch noch immer machtlos.

Entscheidungshilfen

Hat Ihr Kind typische Erkältungszeichen und findet es das Leben ansonsten einigermaßen in Ordnung, können Sie es ruhig in Eigenregie betreuen. Dass es nicht viel essen mag, ist normal – der Körper muss jetzt das Immunsystem unterstützen und hat damit Wichtigeres zu tun, als die Verdauung auf Trab zu halten. Wie bei anderen Krankheiten auch ist es viel entscheidender, dass Ihr Kind es »von Wasserloch zu Wasserloch« schafft.

Zum Kinderarzt gehen sollten Sie immer dann, wenn etwas anders ist als bei sonstigen Erkältungen, also z. B. wenn sich ein Hautausschlag zeigt oder wenn bestimmte Krankheitszeichen stark ausgeprägt sind, z. B. Halsweh oder Schluckbeschwerden. Auch wenn Ihr Kind Ihnen »richtig krank« oder apathisch erscheint und sich selbst nach einem Wadenwickel oder einem fiebersenkenden Zäpfchen nicht besser fühlt, sollten Sie sich vom Arzt beraten lassen. Dasselbe gilt für erkältete Säuglinge – sie leiden oft mehr an der verstopften Nase als ältere Kinder, da sie normalerweise durch die Nase und nur beim Schreien durch den Mund atmen. Eine erschwerte Atmung oder Schwierigkeiten beim Trinken sind deshalb beim erkälteten Säugling nicht selten.

Nasentropfen lassen wieder frei durchatmen
Nicht gerade beliebt und auch nur bei «verschärften« Erkältungen sinnvoll: Nasentropfen.
[ADM]

»Erkältungsmittel«

Bei vielen Eltern »beliebt« sind abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays wie etwa Olynth® oder Nasivin®. Durch ihre gefäßverengende Wirkung schwillt die Schleimhaut ab, die Nase wird für ein paar Stunden frei. Bei Abklingen der Wirkung kommt es jedoch für einige Zeit als Gegenreaktion zu einer verstärkten Durchblutung – die Nase scheint möglicherweise »verstopfter« als zuvor. Aus diesem Grunde sollten Nasentropfen nicht zur »Schnupfenkosmetik« eingesetzt werden, nur um das Nasenlaufen zu unterdrücken. Eine Erkältung kann und sollte nicht »ausgetrocknet« werden – mit dem Sekret werden auch die Erreger ausgespült, damit sie sich nicht in den vielen Winkeln der Luftwege festsetzen! Auf jeden Fall sollten Sie abschwellende Nasentropfen spätestens nach fünf Tagen wieder absetzen, da eine Daueranwendung zu Schleimhautschäden führen kann.

Bei Säuglingen sind abschwellende Nasentropfen zu vermeiden. Die kleinen Näschen werden eventuell durch das Einträufeln normaler (0,9% iger) Kochsalzlösung freier.

Manche Ärzte empfehlen abschwellende Nasentropfen auch bei Kindern, die zu Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen neigen, um die Belüftung der Nasennebenhöhlen bzw. des Mittelohres zu gewährleisten und eine Entzündung zu verhindern – in vergleichenden Studien ist diese Strategie jedoch nicht wirkungsvoller als das »entschlossene Abwarten«.

Antibiotika helfen nicht bei Erkältungskrankheiten. Ein medikamentöses Abtöten der Erkältungsviren ist nicht möglich, aber auch nicht nötig.

Wir raten auch von »Grippemitteln« oder »Erkältungssäften« ab, welche die Erkältungssymptome allenfalls unterdrücken, zu einer Heilung aber nichts beitragen. Sie enthalten oft mehrere Substanzen – z. B. ein Mittel zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung plus Vitamin C plus aufputschende oder beruhigende Substanzen – ein solcher Schrotschuss schwächt den Körper eher als dass er ihn unterstützt.

Bei Kopfschmerzen kann Paracetamol als Einzelpräparat (d. h. als Präparat mit nur diesem einen Stoff) gelegentlich einmal sinnvoll sein, und Vitamin C lässt sich in frisch gepresstem Orangensaft auf angenehme Weise »einnehmen«.

Ansonsten sollte man der Natur ihren Lauf lassen, denn nach wie vor gilt: Eine Erkältung dauert unbehandelt sieben Tage und behandelt eine Woche.

Auch Hustensäfte sind bei der normalen Erkältung wirkungslos, da der Husten bei Erkältungskrankheiten »in der Oberetage« entsteht und eine reinigende Funktion hat. Dem Körper sollte hier nicht ins Handwerk gepfuscht werden.


So helfen Sie Ihrem Kind

Kleines Kind mit Rotznase
Auch wenn gerade kleinere Kinder manchmal wie das Elend pur aussehen: Selbst hoch fieberhafte Erkältungen heilen von selbst folgenlos aus. Wir Eltern müssen nur auf ausreichend Flüssigkeit und auf guten Schlaf achten, den Rest macht das körpereigene Immunsystem.
[ASL]

Ob Sie dem Kind erlauben, in den Kindergarten oder zur Schule zu gehen und »normal« zu spielen, können Sie von seinem Allgemeinbefinden abhängig machen: Ein Kind mit einer laufenden Nase, das sich ansonsten wohl fühlt, braucht man nicht »vorbeugend« im Haus zu halten. Frische Luft und Bewegung (jedoch keine Überanstrengung) tun ihm eher gut. Ist das Kind allerdings stärker beeinträchtigt, sollte es sich schonen und auch zu Hause bleiben. Und den Weg zum Bett findet ein krankes Kind in der Regel von selbst. Bei den ersten Zeichen einer Erkältung kann ein aufsteigendes Fußbad oft schon das Schlimmste verhindern. Die Zimmer, in denen sich Ihr Kind aufhält, sollten gut gelüftet und nicht zu warm sein. Zigarettenrauch in der Umgebung Ihres Kindes ist in jeder Weise schädigend.


Tees

Selbsthilfe

Rezept: Lindenblütentee

1 Teelöffel Blüten auf 1/4 Liter Wasser, 5 Minuten ziehen lassen, evtl. mit etwas Honig süßen und etwas Zitronensaft zugeben.

Rezept: Holunderblütentee

1 Teelöffel Blüten auf 1/4 Liter Wasser, 10 Minuten ziehen lassen.

Rezept: Zitronentrunk

1 Zitrone in 1/8 Liter Wasser auspressen und mit 1/2 Teelöffel Honig süßen, heiß, aber nicht kochend trinken.

Wichtig zur Verflüssigung der Atemwegssekrete ist reichliches Trinken – geeignet sind, insbesondere bei fieberhaften Verläufen, z. B. Lindenblütentee oder Holunderblütentee. Ältere Kinder nehmen auch gerne einen Zitronentrunk. Die früher oft empfohlene Beschränkung der Trinkmenge, um den Schnupfen »auszutrocknen«, ist unsinnig!

Auch für die vielfach geäußerte Behauptung, dass Milch und Milchprodukte die Verschleimung fördern, gibt es keine wissenschaftlichen Belege.

Nasentropfen

Meist steht bei einer Erkältung der Schnupfen im Vordergrund der Beschwerden. Stört er das Kind arg (etwa beim Einschlafen), können Sie die Nase mit selbst gemachten Nasentropfen freimachen, von denen Sie mehrmals am Tag 2–3 Tropfen mit einer handelsüblichen Einmalspritze oder einer Pipette in jedes Nasenloch träufeln (Herstellung siehe Kasten).

In Apotheken und Drogerien sind auch fertige Nasentropfen oder -sprays auf Meer- oder Kochsalzbasis erhältlich (z. B. Olynth salin®, Otrisal®, Rhinomer®).

Bei Säuglingen ist das Freimachen der Nase dann wichtig, wenn Sie den Eindruck haben, dass er mit verstopfter Nase nicht trinken kann oder beim Atmen »gegen die Nase kämpft«. Sie können sein Näschen mit einem kleinen Saugballon freimachen (nicht zu oft und nicht zu kräftig saugen, die Nasenschleimhaut wird sonst irritiert und schwillt an – das Gegenteil dessen, was Sie erreichen wollen).

Gute »Nasentropfen« für Säuglinge sind auch ein Schuss Muttermilch (der Salzgehalt wirkt abschwellend, und manche Inhaltsstoffe haben entzündungshemmende Wirkungen).

Rezept: Nasentropfen

Ein Gramm Kochsalz (eine kleine Prise) in 100 ml Wasser geben, auflösen und in fest verschließbarem Glas aufbewahren. Die Tropfen halten im Kühlschrank etwa fünf Tage.

Majoranbutter

Ein traditionelles hessisches Schnupfenmittel, das die kleinen Nasenlöcher in Frieden lässt, ist das Aufstreichen von Majoranbutter unter die Nase (also nicht in die Nasenlöcher, sondern auf die Oberlippe). Die ätherischen (flüchtigen) Wirkstoffe des Majoran gelangen so mit jedem Atemzug in die Nase und wirken auf die entzündete Schleimhaut beruhigend und abschwellend. Vor dem Schlafen kann die Majoranbutter auch zusätzlich in den Nacken eingerieben werden. Berichte, nach denen Majoran krebserregend sei, stützen sich auf Versuche mit hoch dosierten Extrakten an Tieren. Wir halten die beschriebene Anwendung dennoch für unbedenklich.

Die Zubereitung von Majoranbutte
Die Zubereitung von Majoranbutter
Die Majoranbutter wird auf der Oberlippe aufgetragen
Majoranbutter kann zu Hause aus einfachen Zutaten hergestellt werden und hält sich im Kühlschrank über die ganze »Schnupfensaison«. Die fertige Majoranbutter wird auf die Oberlippe aufgetragen – besonders vor dem Schlafengehen. Mit jedem Atemzug gelangen so die ätherischen Wirkstoffe in die Nase und tragen zu einer freien Atmung bei.
[ADM]

Majoranbutter kann in Eigenregie fabriziert werden: 100 Gramm Butter schmelzen (der entstehende Schaum wird abgeschöpft und verworfen), zu der derart »gereinigten«, flüssigen Butter dann eine Handvoll frischen, zerzupften Majoran geben. Verwendet wird das obere Drittel der Pflanze, am besten vor der Blüte, wobei Sie sowohl den bei uns wild wachsenden Majoran (genannt Dost) als auch den Gartenmajoran verwenden können. Die Masse jetzt eine halbe Stunde lang im heißen Wasserbad, z. B. in einem Weckglas, rühren. Das Fett darf nicht sieden!

Die flüssige Masse dann durch ein dünnes Tuch sieben, fünf Tropfen Majoranöl aus der Apotheke hinzufügen und in ein Schraubverschlussglas abfüllen. Die Majoranbutter hält sich im Kühlschrank etwa ein Jahr.

Von Nasenduschen und -spülungen

Gerne empfohlen werden für ältere Kinder auch Nasenspülungen mit Hilfe von in der Apotheke zu erwerbender spezieller Nasenduschen. Als Munition wird Kochsalzlösung oder Ähnliches verwendet.

Unsere Wortwahl wird es Ihnen verraten haben: Wir meinen, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, dagegen erscheint vielen Kindern noch das altgediente Schnäuzen ins Taschentuch als erquicklichere Alternative.

Letztere, vor allem bei Großmüttern beliebte Strategie wurde aber in jüngster Zeit hinterfragt, da durch den dabei entstehenden hohen Druck in der Nasenhöhle nicht nur Sekret nach außen getrieben werde, sondern auch Krankheitserreger in Richtung Nasennebenhöhle oder Mittelohr befördert werden könnten. Vergleichende Studien hierzu sind uns nicht bekannt, und kleinere Kinder vermeiden sowieso einen hohen Schnäuzdruck, weil sie die Technik des Schnäuzens noch nicht richtig beherrschen.

Wir finden: Jeder schnäuze nach seiner Fasson, bei den Kleinen wird man sowieso nur die Nasenöffnungen abwischen können und die Größeren dürfen von uns aus auch einmal die Großmutter mit einem taschentuchfüllenden Schnäuzer erfreuen. Die Lösung des Nasensekrets kann beim älteren Kind durch das Einnehmen von selbst gemachtem Zwiebelsaft gefördert werden. Auch eine über Nacht auf den Fußballen gebundene Zwiebel oder Zitronenhälfte sorgen für eine freiere Atmung.

Als angenehm wird von den meisten Kindern die Inhalation ätherischer Öle aus Kiefernsprossen, Fichtenspitzen, Pfefferminz, Eukalyptus und Minze empfunden. Sie fördern den Sekretfluss und erleichtern die Atmung. Am einfachsten lassen sich die in der Apotheke erhältlichen Mischungen (z. B. Pinimentol®) durch Einreiben der Brust in Umlauf setzen. Sie lassen sich auch auf Kleidung oder die Bettdecke auftropfen (z. B. Babix®). Salben können allerdings bei empfindlichen Kindern die Haut reizen und Ausschläge verursachen.

Auch Dampfinhalationen fördern den Abfluss des Sekrets, entweder als Inhalation mit Kochsalzlösung (ein Esslöffel Kochsalz auf einen Liter Wasser), Kamilleblüten (50 g auf zwei Liter kochendes Wasser) oder bei Älteren ebenfalls mit Zusatz ätherischer Öle, etwa Thymian.

Warnhinweis:

Bei Babys und Kleinkindern dürfen keine kampfer- und mentholhaltigen Mittel zum Einreiben oder Inhalieren verwendet werden, da sie zu akuter Atemnot bis hin zum Atemstillstand führen können. Für sie gibt es spezielle Präparate ohne diese Bestandteile – fragen Sie den Apotheker. Aus dem gleichen Grunde sollten ätherische Öle generell nicht im Gesicht von Säuglingen verwendet werden.

Bei Babys unter sechs Monaten verzichten Sie am besten ganz auf solche Helfer; Majoranbutter kann aber ohne Bedenken verwendet werden, auch Brusteinreibungen mit Thymian- oder Myrrhesalbe werden gut vertragen.

Auch Badezusätze wie etwa Fichtennadel-, Kamillen- oder Heublumenzusätze beruhigen die wunden Schleimhäute – ein warmes Vollbad tut der Nase dabei durch die Anfeuchtung der Raumluft zusätzlich gut.

Ist die Nase wund, so wirkt entweder Majoranbutter oder aber eine Ringelblumen- bzw. Engelwurzsalbe lindernd.

Halsschmerzen und Husten

Stehen die Halsschmerzen im Vordergrund, können Sie alle bei der akuten Mandelentzündung beschriebenen Selbsthilfemaßnahmen anwenden. Plagt das Kind der Husten, gehen Sie wie bei der akuten Bronchitis vor.

Zur Steigerung der Abwehrkräfte

Zur allgemeinen Steigerung der Abwehrkräfte bei Erkältungen hat sich Weizengras und vor allem die Zwiebel mit ihren entzündungshemmenden Inhaltsstoffen bewährt (Rezept für Zwiebelsaft). Beim älteren Kind kann die Zwiebel auch als Halswickel angewendet werden. Aufsteigende Fußbäder und Armbäder sowie viel Freude und Bewegung wirken ebenfalls abwehrsteigernd.

Die Herstellung von Zwiebelsaft
Zwiebeln in kleine Stücke schneiden
Zwiebelwürfel mit einem Teelöffel Honig anmischen
Zwiebelsaft wirkt keimtötend und steigert die Abwehr. Die Herstellung zu Hause ist denkbar einfach und so manchem teuren Medikament aus der Apotheke überlegen: Eine rohe Zwiebel fein gewürfelt in eine Tasse geben, mit einem Teelöffel Honig vermischen und zudecken. Innerhalb weniger Stunden hat der Honig den Saft aus den Zwiebeln gezogen.
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Rezept: Zwiebelsaft

Eine mittelgroße Zwiebel fein gehackt in ein Schüsselchen geben und einen gehäuften Teelöffel Honig hineinstellen, abdecken. Der Honig zieht nun den Saft aus den Zwiebelstückchen, der sich am Grund des Schüsselchens sammelt. Während der Erkältung immer wieder einen halben Teelöffel von diesem Saft einnehmen, dies stärkt die Abwehrkräfte und verhindert eine Ausweitung der Erkrankung (ab dem Säuglingsalter).


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Die Homöopathie behandelt die akute fieberhafte Erkältung je nach Begleitsymptomen z. B. mit Aconitum D6, Belladonna D6 oder Ferrum phosphoricum D6. Als Nasenspray steht das Komplexmittel Euphorbium comp.® zur Verfügung.

Vorsorge

Die Kinderhand als Keimträger
Dass die Hände gute Keimträger sind, zeigt dieses Experiment: Eine Hand wurde auf ein Wuchsmedium für Bakterien gedrückt. Im Labor wachsen an den Berührungsstellen tausendfach Bakterienkolonien (weiße Punkte). Auch andere Experimente zeigen: Die beste Vorsorge gegen Erkältungen ist das regelmäßige Händewaschen.
[DGK]

Vorsorge vor Erkältungen ist nur begrenzt möglich. Da nach heutigem Wissensstand die Virenübertragung über Händekontakt eine größere Rolle spielt als früher angenommen, ist eine gute Händehygiene zu Erkältungszeiten (häufiges Händewaschen, Einschränken des Händeschüttelns) insbesondere bei Säuglingen sinnvoll.

Ganz vermeiden lassen sich Erkältungen bei Kindern jedoch nicht, und dies wäre auch gar nicht gut: Denn das kindliche Immunsystem muss sich mit dem Fremden, den Erregern in seiner Umwelt auseinander setzen, muss sich »trainieren«. Und als Trainingspartner sind die Erkältungsviren gar nicht so schlecht.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 18. November 2009 um 16:36 Uhr )