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Leukämien

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:24 Uhr
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Leukämien
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
Selbsthilfe und Naturheilkunde
Vorsorge
Weiterführende Informationen
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Leukämien (= Blutkrebs) sind mit Abstand die häufigsten bösartigen Erkrankungen bei Kindern – sie allein machen gut ein Drittel aller bösartigen Erkrankungen im Kindesalter aus. Bei Kindern treten dabei ganz überwiegend die akuten Leukämien auf, die unbehandelt binnen weniger Monate zum Tode führen, aber heute recht gut behandelbar sind. Um sicherzustellen, dass alle Kinder nach dem Stand der Wissenschaft behandelt werden, folgt die Therapie verbindlichen Schemata (= Protokolle).

Am häufigsten betroffen sind Kinder im Kindergartenalter, Jungen etwas häufiger als Mädchen. Trotz intensiver Suche bleiben die Ursachen im Einzelfall praktisch immer im Dunkeln.

Leitbeschwerden

  • Häufig uncharakteristischer Beginn mit Müdigkeit, Spielunlust, Leistungsminderung, Gewichtsverlust, Appetitmangel
  • Häufig Blässe
  • Häufig Neigung zu Infekten, unklare Fieberschübe
  • Häufig auffällig viele blaue Flecke und/oder kleine Schleimhautblutungen
  • Häufig Knochen- oder Gelenkschmerzen
  • Möglicherweise Vergrößerung der Lymphknoten
  • Seltener Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen durch Beteiligung der Hirnhäute

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Sie die oben genannten uncharakteristischen Beschwerden bei Ihrem Kind beobachten.

Noch heute, wenn

  • Ihr Kind seit einiger Zeit die oben genannten Beschwerden gehabt hat und sich sein Zustand nun verschlechtert, z. B. plötzlich kleine stecknadelkopfgroße rote Flecken auf der Haut auftreten (Petechien), oder es Fieber bekommt.

Das Wichtigste aus der Medizin

Was passiert genau bei der Leukämie?

Alle Blutzellen werden im Knochenmark gebildet und gelangen erst ins Blut, wenn sie (fast) ausgereift sind. Bei der Leukämie kommt es aus meist unbekannter Ursache zu einer massenhaften, unkontrollierten Vermehrung unreifer weißer Blutkörperchen. Bei manchen Leukämieformen wird eine erbliche Veranlagung nachgewiesen, ob dies die alleinige Ursache ist, ist unbekannt.

Die kranken Zellen verdrängen die gesunden Zellen im Knochenmark immer mehr, so dass zu wenig rote Blutkörperchen und Bluttplättchen gebildet werden und schließlich auch im Blut fehlen. Das Kind ist blass, müde und wenig leistungsfähig, weil ihm rote Blutkörperchen fehlen. Fällt auch die Zahl der Blutplättchen ab, bekommt es immer wieder »ohne Grund« blaue Flecke. Gleichzeitig sind die bösartigen weißen Blutkörperchen nicht in der Lage, ihre Aufgaben im Rahmen der Immunabwehr zu erfüllen, erkennbar an einer Infektneigung.

Fast immer werden die Vorstufen der weißen Blutkörperchen (Blasten genannt) aus dem Knochenmark ins Blut ausgeschwemmt und können dort nachgewiesen werden.

Welche Formen der Leukämie gibt es?

Mit gut 80 % häufigste Leukämieform bei Kindern ist die akute lymphatische Leukämie, gefolgt von der akuten myeloischen Leukämie mit rund 15 % aller Leukämiefälle.

Zum einen können die Leukämien nach ihrem zeitlichen Verlauf in die rasch verlaufenden akuten Leukämien und in die chronischen Leukämien mit langsam schleichendem Verlauf eingeteilt werden. Bei Kindern machen die akuten Leukämien ca. 95 % aller Leukämien aus.

Zum anderen können die Leukämien danach eingeteilt werden, welche Vorstufen weißer Blutkörperchen genau von der abnormen Wucherung betroffen sind – der Mediziner spricht von lymphatischer Leukämie oder myeloischer Leukämie, je nachdem, ob die wuchernden Zellen der sog. lymphatischen oder myeloischen Zellreihe angehören.


Das macht der Arzt

Meist wird der Verdacht auf eine Leukämie geäußert, wenn der Kinderarzt, oft wegen uncharakteristischer Beschwerden, ein Blutbild anfertigen lässt und in diesem unreife Vorstufen weißer Blutkörperchen nachweisbar sind.

Der Kinderarzt weist das Kind dann unverzüglich in ein kinderonkologisches Zentrum ein.

Diagnosestellung

Wichtigste Untersuchungen zur Diagnosesicherung sind das Blutbild und eine Knochenmarkpunktion. Komplizierte Laboruntersuchungen ermöglichen dann eine genaue Klassifizierung der Leukämie und damit eine dem Einzelfall angepasste Behandlungsplanung.

Eine Liquoruntersuchung (=Untersuchung des Nervenwassers, Abbildung zur Liquorentnahme) soll klären, ob die Hirnhäute befallen sind. Weitere Untersuchungen wie etwa eine Ultraschalluntersuchung des Bauches oder verschiedene Röntgenverfahren sollen dann die genaue Ausbreitung der Erkrankung feststellen.

Intensive erste Behandlungsphase

Ist die Diagnose einer Leukämie sicher, wird das Kind über mehrere Monate ganz intensiv mit einer Kombination mehrerer Zytostatika behandelt, um eine Remission zu erzielen, d. h. die Leukämie so weit zurückzudrängen, dass keine Leukämiezellen mehr nachweisbar sind.

Diese Induktionsbehandlung ist mit zahlreichen Nebenwirkungen behaftet und für Kind wie Eltern äußerst erschöpfend – es gibt jedoch keine Alternative.

Schonendere zweite Phase

Auch wenn keine Leukämiezellen mehr nachgewiesen werden können, heißt dies nicht, dass alle bösartigen Zellen vernichtet werden konnten. Deshalb schließt sich immer eine Dauerbehandlung mit Zytostatika an, die wesentlich weniger aggressiv ist als die Induktionsbehandlung und überwiegend ambulant durchgeführt werden kann. Erst nach etwa zwei Jahren ist die Leukämiebehandlung beendet.

Manchmal notwendig: Knochenmarktransplantation

Durch das beschriebene Behandlungsschema können leider nicht alle Kinder geheilt werden. Ein Teil dieser Kinder kann durch eine besonders intensive Chemotherapie gerettet werden. Diese zerstört aber nicht nur die bösartigen, sondern auch die normalen Zellen im Knochenmark. Um wieder eine Blutbildung zu ermöglichen, muss deshalb eine Übertragung gesunden Knochenmarks, die Knochenmarktransplantation, folgen, vorzugsweise von einem verwandten, sonst von einem fremden Spender.

Der Lohn: 60–80 % Heilung

Noch vor vier Jahrzehnten starben praktisch alle Kinder mit einer akuten Leukämie im ersten halben Jahr. Heute können rund 80 % aller Kinder mit einer akuten lymphatischen Leukämie und immerhin noch ca. 60 % der Kinder mit einer akuten myeloischen Leukämie geheilt werden.


Selbsthilfe und Naturheilkunde

Selbsthilfe oder naturheilkundliche Verfahren bleiben bei der Leukämie ohne Erfolg.


Vorsorge

Die Ursache der Leukämie ist nach wie vor unbekannt – entsprechend ist auch keine Vorsorge möglich. Eine Leukämie kann jeden treffen!


Weiterführende Informationen

  • Schophaus, M.: Im Himmel warten Bäume auf dich. Die Geschichte eines viel zu kurzen Lebens. Goldmann, 2002
  • www.kinderkrebsstiftung.deDeutsche Kinderkrebsstiftung, Adenauerallee 134, 53113 Bonn
  • www.krebshilfe.deDeutsche Krebshilfe e.V., Buschstr. 32, 53113 Bonn
  • www.krebsinformation.deKrebsinformationsdienst Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg
Aktualisiert ( Donnerstag, den 19. November 2009 um 09:15 Uhr )