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Vorhautverengung und Vorhautentzündung

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:12 Uhr
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Vorhautverengung und Vorhautentzündung
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Der Penis wird in seinem vorderen Anteil (der Eichel) von einer dehnbaren, gedoppelten Haut überzogen, der Vorhaut. Bei schätzungsweise 3 % aller Jungen ist diese Vorhaut so eng, dass dadurch Beschwerden entstehen. Die Vorhautverengung (= Phimose) ist gleichzeitig die häufigste Ursache von Vorhautentzündungen im Kindesalter.

Leitbeschwerden

  • Vorhautverengung: Beschwerden beim Wasserlassen (ballonartige Aufdehnung der Vorhaut, dünner Harnstrahl)
  • Vorhautentzündung: Rötung, Brennen, Juckreiz und Schmerzen an Eichel und Vorhaut, oft mit Eiterbildung.

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn

  • Sie den Eindruck haben, die Vorhaut Ihres Sohnes sei zu eng.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Die Vorhaut Ihres Sohnes sich beim Wasserlassen ballonartig aufbläst oder Ihnen der Harnstrahl sehr dünn vorkommt.

Noch heute, wenn

  • Sie vermuten, dass Ihr Sohn eine Vorhautentzündung hat.

Das Wichtigste aus der Medizin

Wie weit ist die Vorhaut normalerweise?

Wie weit die Vorhaut normalerweise ist, hängt vom Alter des Jungen ab. Bei Babys ist die Vorhaut mit der darunter liegenden Eichel verklebt und kann (und soll) nicht zurückgezogen werden. Durch diesen Trick schützt die Natur die empfindliche Eichel während der »Windelphase« vor der Einwirkung des doch recht aggressiven Urins. Etwa bis zum dritten Geburtstag löst sich diese Verklebung dann langsam, aber nicht unbedingt ganz. Im Einzelfall kann dies aber auch erheblich länger dauern, und manche Jungs können erst dann, wenn die ersten Geschlechtshormone zu Beginn der Pubertät die Vorhaut auflockern, die Vorhaut ohne Probleme hinter die Eichel zurückschieben.

Selten: »Echte« Vorhautverengung

Die Vorhaut ist beim Säugling mit der Eichel verklebt
Die Vorhaut ist beim Säugling und Kleinkind nicht frei verschieblich, sondern mit der Eichel verklebt. Diese Verklebungen lockern sich normalerweise von selbst auf, wenn auch manchmal erst kurz vor der Pubertät. Auch die bei kleinen Kindern normalerweise sehr enge Vorhaut weitet sich dann allmählich auf. Nur in wenigen Fällen ist eine Zirkumzision (rechts) erforderlich, dann nämlich, wenn Komplikationen, wie etwa immer wiederkehrende Vorhautentzündungen oder Probleme beim Wasserlassen, auftreten.
[GRA]

Manchmal aber ist die Vorhaut wirklich zu eng. Sie lässt sich dann auch beim pubertierenden Jungen kaum oder gar nicht hinter die Eichel zurückstreifen oder führt zu Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, erkennbar daran, dass sich die Vorhaut beim »Pinkeln« ballonartig aufbläst. Die Vorhautverengung begünstigt auch die Entstehung einer sehr schmerzhaften Entzündung der Vorhaut und der Eichel (= Balanitis), meist durch Bakterien.

Man sollte auf keinen Fall versuchen, bei einem kleinen Jungen die Vorhaut gewaltsam zurückzuschieben, um den Lösungsprozess zu beschleunigen oder die Eichel zu waschen (dies ist bei Kindern nicht nötig). Dies führt nur zu Einrissen und in der Folge zu narbigen Verengungen der Vorhaut.

Ist die Vorhaut wirklich zu eng, besteht außerdem die Gefahr, dass sie sich zwar gerade so hinter die Eichel schieben lässt, aber nicht mehr zurück nach vorne. Diese Paraphimose muss sofort ärztlich behandelt werden, da der so entstandene Schnürring die Blutversorgung der Eichel unterbricht!


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 13:28 Uhr )