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Akute Mittelohrentzündung (Otitis media)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:33 Uhr
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Akute Mittelohrentzündung (Otitis media)
Das Wichtigste aus der Medizin
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Bei einer Mittelohrentzündung (Otitis media) ist die Schleimhaut des Mittelohres ein- oder beidseits entzündet. Die akute Mittelohrentzündung (d. h. rasch entstehende) ist vor allem bei jüngeren Kindern sehr häufig: Schätzungsweise zwei Drittel aller Kinder hat vor dem sechsten Geburtstag eine akute Mittelohrentzündung gehabt, drei Viertel davon sogar mehrere. Oder anders ausgedrückt: Nur rund 10 % aller Eltern mit zwei Kindern bleiben von ihr verschont.

Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen sechs und 18 Monaten. Mit dem Schuleintritt wird die Erkrankung seltener. Mehr als drei Viertel der Mittelohrentzündungen sind nach drei Tagen auch ohne Behandlung abgeklungen.

Leitbeschwerden

  • Infekt der oberen Luftwege und Schnupfen seit ein paar Tagen
  • Stechende oder klopfende, oft heftige Ohrenschmerzen
  • Oft Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern häufig uncharakteristische Beschwerden: Kleinkinder empfinden die Schmerzen oft stärker im Bauch als im Ohr; Säuglinge trinken schlecht, schreien viel, bekommen oft hohes Fieber und nicht selten Durchfall. Manche Kinder greifen sich immer wieder ans Ohr (was aber auch müde Kinder gerne tun)

Wann zum Arzt

Noch heute, wenn

  • Sie bei Ihrem Kind aufgrund seiner Beschwerden eine akute Mittelohrentzündung vermuten.
  • Eine bereits bekannte und behandelte Mittelohrentzündung schlimmer wird.

Sofort, wenn

  • Das Kind zusätzlich starke Kopfschmerzen und einen »steifen« Nacken bekommt oder schläfrig und teilnahmslos wird.

Das Wichtigste aus der Medizin

Woher kommt die Mittelohrentzündung?

Meist folgt die akute Mittelohrentzündung einer Erkältung, bei der Bakterien oder Viren über die bei Kindern noch sehr kurze Ohrtrompete ins Mittelohr wandern und dort eine Entzündung verursachen. Ist die Ohrtrompete durch den Infekt zugeschwollen oder durch eine vergrößerte Rachenmandel verlegt, so kann sich die Infektion wegen der fehlenden Belüftung des Mittelohrs besser festsetzen. Die Mittelohrentzündung ist somit in vielen Fällen ein unvermeidlicher Begleiter der im Kindesalter allgegenwärtigen Luftwegsinfekte.

Infolge der Infektion bilden die Schleimhäute des Mittelohrs nun fortlaufend entzündliches Sekret – ein Paukenerguss entsteht. Da dieser Erguss, anders als in der Nase, nicht abfließen kann, staut er sich hinter dem Trommelfell an und übt einen schmerzhaften Druck auf das Trommelfell aus. Je nach Erreger, Abwehrlage und Stadium der Erkrankung kann der Erguss klar oder eitrig sein.

Schreitet die Mittelohrentzündung fort, so kann das Trommelfell platzen (= Trommelfellperforation) und eitrig-blutiges Sekret aus dem Ohr fließen. Die Ohrenschmerzen lassen dann schlagartig nach, da der Druck im Mittelohr nun abklingt. In aller Regel heilt die Mittelohrentzündung danach rasch und folgenlos aus. Das geplatzte Trommelfell schließt sich innerhalb von Tagen von selbst.

Weitere Ursachen

Die meisten Mittelohrentzündungen sind infektionsbedingt. Daneben werden aber drei weitere Ursachen diskutiert, die entweder Infektionen begünstigen können oder eine eigenständige Rolle spielen:

Passives Rauchen. Säuglinge und Kleinkinder von Rauchern haben 50 % häufiger Mittelohrentzündungen als »nichtrauchende« Kinder. Es könnte sein, dass der Zigarettenrauch die feinen Flimmerhärchen am Eingang der Ohrtrompete lähmt und so ein »Aufsteigen« von Bakterien begünstigt.

Reflux (Zurücklaufen) von Mageninhalt. Bei manchen Kindern mit Mittelohrentzündungen oder einem Paukenerguss kann im Mittelohrsekret Pepsin, ein im Magensaft vorkommendes Verdauungsenzym, nachgewiesen werden. Dies wurde vor allem bei Kindern mit einer Refluxerkrankung beobachtet. Es könnte also sein, dass der bei solchen Kindern immer wieder in den Rachenraum aufsteigende Magensaft die Schleimhäute reizt und so eine Mittelohrentzündung begünstigt, sicher ist dies jedoch (noch) nicht.

Allergien. Kinder mit Heuschnupfen haben häufiger Mittelohrentzündungen als nicht-allergische Kinder. Andererseits kann selbst durch eine konsequente Therapie des Heuschnupfens den Mittelohrinfektionen nicht vorgebeugt werden. Die Rolle der Allergien bleibt also umstritten.

Sonderform Paukenerguss

Nach Abheilung der akuten Infektion verbleibt bei der Mittelohrentzündung oft noch wochenlang ein nicht-eitriger Erguss hinter dem Trommelfell. Der Arzt spricht dann von einer Mittelohrentzündung mit Erguss oder einfach Paukenerguss. Diese Flüssigkeitsansammlung verursacht zwar meist keine akuten Symptome, kann aber bei längerem Bestehen zu Schwerhörigkeit und möglicherweise zu immer wiederkehrenden Ohrenschmerzen, manchmal auch zu Ohrgeräuschen führen. Der Paukenerguss wird anders behandelt als die akute Mittelohrentzündung.

Selten, aber gefährlich: Fortschreiten der Entzündung

Greift die akute Mittelohrentzündung auf den Warzenfortsatz des Schläfenbeinknochens über (= Mastoiditis), zeigt sich dies durch wieder zunehmendes Fieber, Schmerzen und Schwerhörigkeit in der Heilungsphase der Mittelohrentzündung. Oftmals kann man hinter dem Ohrläppchen eine Rötung und Schwellung sehen, möglicherweise steht das Ohr ab. Eine Mastoiditis macht zusätzlich zur Antibiotikabehandlung eine Operation erforderlich.

Glücklicherweise extrem selten ist eine Hirnhautentzündung, wenn die Entzündung bis zu den Hirnhäuten fortschreitet. Sie zeigt sich durch eine zunehmende Bewusstseinstrübung, Nackensteife und anhaltend hohes Fieber.


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Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 13:49 Uhr )