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Bakterielle Hautentzündungen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 13:03 Uhr
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Bakterielle Hautentzündungen
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Möglichkeiten der Naturheilkunde
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Häufigkeit: Häufigkeit 5 von 5: Weit verbreitet

Bakterielle Hautentzündungen sind bei Kindern häufig. Rechtzeitig behandelt, heilen sie in aller Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen aus. Gefährlich werden bakterielle Hautentzündungen vor allem Neugeborenen und abwehrgeschwächten Kindern.

Leitbeschwerden

  • Sichtbare Eiterbläschen auf der Haut, die bei manchen Formen platzen, so dass honiggelbe Krusten auf der Haut entstehen
  • Flächenhafte Hautrötung mit überwärmter, oft glänzend-gespannter Haut
  • Möglicherweise beeinträchtigtes Allgemeinbefinden und Fieber

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie eine Hautentzündung bei Ihrem Kind vermuten, es dem Kind aber dabei gut geht.

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind mit Eiterbläschen oder Hautrötung sich beeinträchtigt fühlt oder fiebert.
  • Ihr Kind viele gelbe Krusten im Gesicht hat (Hinweis auf Impetigo contagiosa).

Sofort, wenn

  • Es Ihrem Kind mit Fieber und flächenhafter Hautrötung oder Eiterbläschen zunehmend schlechter geht.

Das Wichtigste aus der Medizin

Unsere Haut ist natürlicherweise von unzähligen gutartigen winzigen Bakterien besiedelt. Wirkungsvolle Schutzmechanismen sorgen dafür, dass die Bakterien nicht in tiefere Hautschichten vordringen können. Anders bei verletzter oder durch Erkrankungen vorgeschädigter Haut: Hier können sich auch infektionsauslösende Bakterien halten, die dann leicht in die Haut eindringen und zu einer bakteriellen Hautentzündung führen. Wird dabei Eiter gebildet, spricht der Mediziner von einer Pyodermie.

Gelingt es den Bakterien tiefer einzudringen, ist nicht mehr nur die Haut, sondern der ganze Organismus betroffen – erkennbar an einem beeinträchtigten Allgemeinbefinden und Fieber.

Staphylokokken im Mikroskop als Kugelbakterien
Staphylokokken, einer der Erreger der Impetigo contagiosa, zeigen sich im Mikroskop als Kugelbakterien. Staphylokokken kommen auch bei vielen gesunden Kindern in den Nasenschleimhäuten vor, so dass sich Ansteckungen (durch Händekontakt) nicht so einfach vermeiden lassen.
[MKK]

Am häufigsten: Impetigo contagiosa

Bei Kindern wohl die häufigste bakterielle Hautentzündung ist die ansteckende Impetigo contagiosa (= Grindflechte, Grind). Sie tritt vornehmlich bei Klein- und Kindergartenkindern auf, meist im Gesicht oder an den Händen.

Die Impetigo contagiosa ist eine Entzündung der Oberhaut (siehe Abb.), hervorgerufen in aller Regel von Staphylokokken- oder Streptokokken-Bakterien, die z. B. aus dem Rachen (oder einem anderen Kind mit Impetigo) verschleppt werden. Es bilden sich Hautbläschen unterschiedlicher Größe, die von einem geröteten Saum umgeben werden und eitrig eintrüben. Insbesondere kleine Bläschen platzen rasch, es entstehen die typischen honiggelben Krusten, und die Herde breiten sich aus. Durch die Finger werden die Bakterien in weitere Hautregionen, aber auch auf andere Kinder getragen und führen zu immer neuen Herden. Vor allem Kinder mit ausgedehnten Entzündungen können sich in ihrem Allgemeinbefinden beeinträchtigt fühlen.

Kinder mit vorbestehenden Hauterkrankungen, wie beispielsweise der Neurodermitis, oder einer Abwehrschwäche erkranken besonders schwer.

Komplikationen der Impetigo contagiosa sind bei rechtzeitiger Behandlung selten. Bei Streptokokken können die beim Scharlach dargestellten Streptokokken-Zweiterkrankungen auftreten, bei Staphylokokken das Lyell-Syndrom.

Impetigo contagiosa: Krustenbildung um den Mund
Impetigo contagiosa am Unterarm
Der Erreger von Herpesbläschen, das Herpes-simplex-Virus, ist eng mit dem Erreger der Windpocken, dem Varizella-Zoster-Virus, verwandt – beide gehören zur Herpes-Gruppe. Die Viren in dieser »Familie« haben eine besondere Eigenschaft: Sie können sich nach dem ersten Kontakt lebenslang im Körper halten (oben im Bild sind zwei Viren in eine Nervenzelle eingedrungen, wo sie vom Immunsystem nicht verfolgt werden können). Deshalb können Infektionen mit Viren aus der Herpes-Gruppe – oft nach Jahren – wieder aufflackern. Die dann entstehenden Krankheiten bleiben allerdings in aller Regel örtlich begrenzt (Herpesbläschen beim Herpes-simplex Virus, Gürtelrose beim Varizella-Zoster-Virus).
[TEP/RKL]
Warnhinweis:

Die Impetigo contagiosa ist ansteckend. Erkrankte Kinder sollten möglichst wenig Kontakt zu anderen Kindern haben und dürfen weder den Kindergarten noch die Schule besuchen.

Nagelumlauf

Ebenfalls häufig ist der sogenannte Nagelumlauf (= Paronychie).

Eine kleine Verletzung am Nagelfalz dient den Bakterien als Eintrittspforte. Zu Beginn beschränkt sich die Entzündung auf eine kleine Stelle am Nagelfalz. Von dort aus breitet sie sich aus und umgibt schließlich halbkreisförmig die hintere Nagelhälfte – sie ist um den Nagel »herumgelaufen«. Der Nagelfalz ist wulstartig geschwollen, gerötet und druckschmerzhaft, das Kind aber ansonsten nicht beeinträchtigt.

Abszess, Follikulitis und Furunkel

Manche Bakterien, etwa Staphylokokken, neigen dazu, das Gewebe einzuschmelzen, so dass eine recht gut abgrenzbare »Eiterhöhle« entsteht – ein Abszess. Die Haut wölbt sich vor, ist rot und oft warm, und beim (vorsichtigen!) Betasten spürt man, dass sich unter der Hautoberfläche Flüssigkeit befindet.

Wenn Bakterien entlang des Haarfollikels in tiefere Hautschichten einwandern, entstehen besondere Hautinfektionen:

  • Eine oberflächliche Entzündung des Haarfollikels heißt Follikulitis. Bei vereinzeltem Auftreten werden die etwa stecknadelkopfgroßen gelben Pustelchen oft gar nicht bemerkt.
  • Dringen die Bakterien in die Tiefe des Haarfollikels und seine Umgebung vor und schmilzt das Gewebe dabei wie ein Abszess eitrig ein, handelt es sich um einen Furunkel. Es entsteht ein schmerzhafter, geröteter Knoten, möglicherweise fühlt sich das Kind krank und hat Fieber. Furunkel entwickeln sich gehäuft bei Kindern mit einer Neurodermitis oder allgemeiner Abwehrschwäche.

Furunkel im Gesichtsbereich sind insbesondere bei Jugendlichen gar nicht so selten. Sie müssen unbedingt ärztlich behandelt werden, um eine Ausbreitung der Entzündung ins Gehirn zu vermeiden (Erreger können über die Blutgefäße ins Gehirn gelangen und sich dort weiter vermehren).

Bis zum Arztbesuch auf keinen Fall am Furunkel drücken oder quetschen! Dadurch werden die Bakterien in die Tiefe gedrückt.

Erysipel

Eitrige Entzündung von Nagelfalz und Fingerendglied
Bei diesem fünfjährigen Kind haben Bakterien zu einem ausgeprägten Nagelumlauf geführt: Nicht nur der Nagelfalz, sondern das gesamte Fingerendglied ist entzündet, am Übergang von Nagelfalz und Nagelplatte sind Eiterkrusten sichtbar, und im Bild links löst sich bereits der Nagel. Mit einem solchen Finger sollten Sie Ihr Kind unbedingt dem Kinderarzt vorstellen, schon allein, um es baldmöglichst von den klopfenden Schmerzen zu erlösen.
[RKL]

Andere Bakterien dringen weniger in die Tiefe vor, sondern breiten sich mehr flächenhaft aus. Bei einem Erysipel findet diese Ausbreitung im Unterhautfettgewebe statt, bevorzugt im Gesicht, an Arm oder Bein. Verursacher sind meist Streptokokken, die über winzige Hautverletzungen eingedrungen sind.

Innerhalb weniger Stunden wird die Haut flammend rot (mit scharfer Grenze), geschwollen und überwärmt, das Kind hat Fieber und fühlt sich in aller Regel auch sehr krank.

Selten, aber gefährlich: Lyell-Syndrom

Glücklicherweise selten ist das bedrohliche, durch Staphylokokken verursachte (staphylogene) Lyell-Syndrom. Es ist keine Hautinfektion, sondern eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems auf Staphylokokken-Infektionen an anderen Körperstellen, die sich vor allem an der Haut abspielt. Das Lyell-Syndrom tritt meist als Komplikation einer Impetigo, Rachen- oder Mittelohrentzündung auf, manchmal aber auch (scheinbar) aus heiterem Himmel.

Das Kind – meist ein Baby oder Kleinkind – bekommt zuerst hohes Fieber und einen scharlachähnlichen Ausschlag, bevor sich nach 1–2 Tagen am ganzen Körper große Hautblasen bilden, die platzen und offene Hautstellen hinterlassen.

Das staphylogene Lyell-Syndrom muss auf jeden Fall im Krankenhaus mit Antibiotikainfusionen behandelt werden.


Das macht der Arzt

Die meisten Hautentzündungen bei Kindern kann der Arzt allein aufgrund des typischen Bildes diagnostizieren. Er macht möglicherweise einen Hautabstrich, um den Erreger genau festzustellen, und entnimmt Blut, um besser einschätzen zu können, ob bereits der ganze Körper von der Entzündung betroffen ist. Treten wiederholt Hautentzündungen auf, sucht der Arzt z. B. durch Blutuntersuchungen außerdem nach einer begünstigenden Grunderkrankung, etwa Störungen des Immunsystems.

Örtlich begrenzte Hautentzündungen lassen sich bei ansonsten gesunden Kindern in aller Regel durch äußerliche Maßnahmen in den Griff bekommen.

Eine Follikulitis bedarf oft gar keiner Behandlung. Bei einem Nagelumlauf reichen meist Bäder oder feuchte Umschläge mit desinfizierenden Substanzen (z. B. Farbstofflösungen, Chinosol®) oder desinfizierende Salben oder Salbegazen, z. B. auf Jodbasis (Betaisodona®, Braunovidon®). Das Kind sollte den erkrankten Finger oder Zeh möglichst wenig bewegen. In leichten Fällen können Sie dies auch in »Eigenregie« machen, müssen aber auf jeden Fall zum Arzt, wenn sich die Entzündung nicht innerhalb weniger Tage bessert oder gar verschlechtert oder das Kind über dauernde oder klopfende Schmerzen klagt.

Entleert sich ein Abszess nicht von selbst, muss er in aller Regel vom Arzt geöffnet werden, damit er abheilen kann.

Behandlung bei Impetigo

Hat Ihr Kind eine Impetigo, verordnet der Arzt ebenfalls desinfizierende Lösungen sowie häufig Antibiotikasalben, wie etwa Fucidine®. Krusten werden zuvor aufgeweicht (in leichten Fällen mit lauwarmem Wasser, ansonsten etwa mit Salicylvaseline) und dann vorsichtig entfernt.

Bei einer ausgedehnten Impetigo und allen tiefen Hautentzündungen muss das Kind Antibiotika einnehmen. Bei einer Impetigo wird dadurch gleichzeitig der Herd z. B. im Rachen saniert, damit das Kind nicht immer wieder die Bakterien von dort verschleppt und sich selbst infiziert.


So helfen Sie Ihrem Kind

Impetigo contagiosa: Hautentzündung an Nase und Augenbraue
Die Impetigo contagiosa ist die wohl häufigste bakterielle Hautentzündung bei Kindern. Mit den Fingern werden die Bakterien in noch nicht befallene Hautregionen verschleppt, wo sie zu neuen Entzündungsherden führen.
[TEP]

Da die Blasen und Krusten einer Impetigo Bakterien enthalten, die mit den Händen verschleppt werden und zu immer neuen Eiterherden führen können, empfiehlt es sich, die Herde z. B. mit Wundgaze abzudecken, um eine Weiterverbreitung zu vermeiden. Das Kind sollte nicht die gleichen Handtücher benutzen wie die übrigen Familienmitglieder, und seine Handtücher sollten täglich gewechselt werden.

Auch bei den übrigen bakteriellen Hautentzündungen gilt es, die entzündete Stelle nicht mit den Fingern zu berühren.


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Bei einem Nagelumlauf kann ein Fingerbad (etwa in einem Eierbecher) mit lauwarmem Wasser und Kamillezusatz (z. B. Kamillosan®) zweimal täglich die Entzündung schneller zum Abklingen bringen.

Gut bewährt hat sich bei allen Hautinfektionen, vor allem bei offenen oder eitrigen Formen, die Behandlung mit Calendula-Essenz. Zum einen können Sie mit der Essenz (1 : 10 mit Wasser verdünnt) ein Fingerbad machen. Zum anderen können Sie die 1 zu 10 verdünnte Essenz auch als Umschlag (etwa mit einem Tuch oder Wattebausch – mehrmals täglich!) auflegen – auch bei Impetigo (Näheres siehe Übersicht Heilkräuter). Allerdings: Die Heilung dauert oft viele Tage – und bei einer Impetigo darf das Kind so lange nicht in Schule oder Kindergarten!

Bei Hautinfektionen gilt generell, dass Wärme nur im Anfangsstadium gut tut, während heftige Entzündungen besser auf Kühlung reagieren. Entsprechend können bei Abszessen und Furunkeln warme Auflagen mit pflanzlichen Zusätzen, wie etwa Heublumen, Kamille oder Arnika, die Reifung beschleunigen. Bei fortgeschrittenen Abszessen und Infektionen wirken eher kühle Umschläge oder die Auflage alkoholischer Auszüge (Letztere wirken immer kühlend) wie etwa Calendula-Essenz.

Furunkel heilen unter Auflage einer Mercurialis-perennis-Salbe 10 % schneller ab.

Die Homöopathie empfiehlt bei bakteriellen Hautentzündungen je nach Begleitsymptomen z. B. Apis und Antimonium (bei Impetigo), Belladonna (bei Follikulitis und Furunkel), Apis (beim Erysipel) oder Silicea (bei Nagelumlauf), alle in den Potenzen D6, D12 und D30. Die homöopathische Behandlung darf aber nur unterstützend eingesetzt werden.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 17:49 Uhr )