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Kinderlähmung (Polio)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 11:53 Uhr
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Kinderlähmung (Polio)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Früher häufig und gefürchtet, ist die Kinderlähmung (= Poliomyelitis oder kurz Polio) durch konsequentes Impfen heute in Mitteleuropa sehr selten.

Doch Vorsicht! »Aus den Augen – aus dem Sinn« kann Folgen haben: In vielen sog. »Entwicklungsländern« ist die Kinderlähmung nach wie vor verbreitet und kann von dort z. B. durch Fernreisende eingeschleppt werden.

Leitbeschwerden

  • Uncharakteristisches Vorstadium mit Fieber und grippeähnlichen Beschwerden über wenige Tage, z. B. »Erkältung«, Durchfall oder Erbrechen
  • Dann nach kurzzeitiger Besserung erneuter Fieberanstieg auf ca. 39 °C mit Kopf, Muskel- und Rückenschmerzen, steifem Nacken und asymmetrischen Lähmungen mit schlaffer Muskulatur

Inkubationszeit 1–4 Wochen

Ansteckend vom Ausbruch der Erkrankung bis keine Erreger mehr in den Ausscheidungen nachweisbar sind

Wann zum Arzt

Sofort, wenn

  • Ihr Kind bei einem bestehenden Infekt Kopfschmerzen, einen steifen Nacken oder Lähmungen bekommt.

Das Wichtigste aus der Medizin

Die für die Kinderlähmung verantwortlichen Poliomyelitis-Viren siedeln in Rachen und im Magen-Darm-Trakt und werden entsprechend durch Husten, Niesen oder mit dem Stuhl ausgeschieden.

Da es drei verschiedene Virustypen gibt und man nach durchgemachter Erkrankung nur gegen den jeweiligen Typ immun ist, kann man die Kinderlähmung bis zu dreimal bekommen!

Welche Verläufe gibt es bei der Kinderlähmung?

Am allerhäufigsten setzt sich der Körper mit dem Erreger auseinander, ohne dass der Betroffene überhaupt etwas merkt. Ungefähr 5 % bekommen Beschwerden, die denen einer Grippe ähneln. Nur ungefähr 1 % entwickelt eine Hirnhautentzündung oder Lähmungen, die durch direkte Schädigung der Nervenzellen bedingt sind. Je älter das Kind ist, desto höher ist das Risiko schwerer Verläufe. Die Lähmungen bilden sich zwar oftmals wieder zurück, Dauerschäden sind aber häufig.

Spätfolge: Post-Polio-Syndrom

Mit der akuten Erkrankung ist nicht immer alles überstanden. Ungefähr ein Drittel bis die Hälfte der Erkrankten bekommt Jahrzehnte später wieder Muskelschmerzen und -lähmungen, die durch »Überforderung« der übrig gebliebenen Nervenzellen erklärt und als Post-Polio-Syndrom bezeichnet werden.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:01 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München