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Soor (Candidose) - Das Wichtigste aus der Medizin

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 13:23 Uhr
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Soor (Candidose)
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Das Wichtigste aus der Medizin

Wie entsteht Soor?

Ein Soor wird durch Hefepilze hervorgerufen, ganz überwiegend durch den Pilz Candida albicans. Er besiedelt bei vielen Menschen natürlicherweise Haut und Magen-Darm-Trakt und wird dann durch direkten Kontakt auf das Baby übertragen.

In aller Regel wird der Pilz durch die auf Haut und Schleimhäuten normalerweise vorhandenen Bakterien in Schach gehalten. Gerade junge Babys aber mit ihrem noch nicht voll entwickelten Immunsystem können den Pilz noch nicht so gut eingrenzen, und auch später können z. B. eine Antibiotika- oder länger dauernde Kortisonbehandlung durch Schädigung der »normalen« Bakterien dazu führen, dass das Gleichgewicht aus den Fugen gerät und der Pilz sich ungehemmt vermehrt.

Meist harmlos, aber unangenehm

Wohl häufigste Form des Soors ist der Windelsoor: Der Pilz breitet sich vom Magen-Darm-Trakt (in dem sich immer eine gewisse Zahl von Pilzen aufhält) in die Umgebung des Darmausganges aus und findet in der feuchten Kammer des Windelpakets und der dadurch oft in ihrer Schutzfunktion gestörten Haut ideale Wachstumsbedingungen. Der Windelsoor ähnelt im Erscheinungsbild dem »normalen« Wundsein (Windeldermatitis), breitet sich aber mit kleinen roten »Pünktchen« (sog. Satellitenpusteln) in die Umgebung aus. Oft sind die Ränder des Ausschlags etwas schuppig. Zudem sind meist weitere Hautfalten betroffen, z. B. in der Leiste.

Zweithäufigste Form ist der Mundsoor. Das Kind hat weißliche Beläge auf der Mundschleimhaut oder auf der Zunge, die leicht mit Milchresten verwechselt werden können, aber im Gegensatz zu Milchresten nicht durch Nachtrinkenlassen von Tee zu beseitigen sind. Die Beläge sind anfangs noch abwischbar, haften dann aber fest. Da ein ausgeprägter Mundsoor wegen der damit einhergehenden Entzündung wehtut, mag das Baby oft nicht trinken.

Bei Mädchen können auch die normalen Bakterien in der Scheide durch den wuchernden Pilz verdrängt werden. Dieser Vaginalsoor zeigt sich durch Jucken und Brennen der Scheide und Ausfluss, ist aber bei Kindern wesentlich seltener als bei erwachsenen Frauen.

Selten gefährlich

Bei abwehrgeschwächten Kindern (beispielsweise nach einer Chemotherapie) kann der Pilz auch eine Speiseröhrenentzündung auslösen (= Soorösophagitis), zu erkennen an Schluckbeschwerden und Schmerzen hinter dem Brustbein. In Extremfällen kann es sogar sein, dass die Pilze nicht auf die Oberfläche der Schleimhäute begrenzt bleiben, sondern in die Tiefe bis in die Blutbahn vordringen – Lungen-, Leber- und Hirnhautentzündungen durch Pilze sind mögliche Folgen. Diese bedrohlichen Formen treten aber bei ansonsten gesunden Kindern nicht auf.



Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:08 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München