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Die wichtigsten Heilkräuter

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 03. Juni 2009 um 13:18 Uhr
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Die wichtigsten Heilkräuter
Kräutertees
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Wenn wir an Kräuter denken, kommt uns meist als Erstes der Kräutertee in den Sinn. In der Tat lässt sich mit einem guten Kräutertee zur rechten Zeit oft Schlimmeres verhüten. Heilkräuter können aber auch zum Gurgeln, zur Mundspülung, als Wund­auf­lage, für Umschläge, Wickel, Augenspülungen, als Badezusätze, Inhalationen, Öle, Salben, Tinkturen und vieles mehr verwendet werden!
Apotheken, Naturkostläden und Reformhäuser halten die wichtigsten Heilkräuter vorrätig. Trotzdem ist es eine tolle Erfahrung, einmal mit seinem Kind loszuziehen und Heilkräuter selbst zu sammeln, zu trocknen oder anderweitig zu einer »Droge« zu verarbeiten! Eine solche »Zauberküche« weckt in Kindern die tollsten Fantasien.

In der folgenden Tabelle haben wir die wichtigsten Heilkräuter und ihre Einsatzgebiete zusammengestellt. Weitere Anwendungen von Heilkräutern und die dazugehörigen Rezepte finden Sie bei den jeweiligen Krankheiten.

Pflanze Indikation Wirkungsweise Zubereitung und Anwendung
Anissamen Blähungen, krampfartige Beschwerden des Magen-Darm-Traktes Fördert das Abhusten von Schleim. In Magen und Darm krampflösend Für Tee 1 TL etwas zerdrückte Früchte mit
½ l Wasser aufbrühen, 10 Minuten ziehen lassen und abgießen (alternativ ungequetschte Früchte 20 Minuten ziehen lassen). Mehrmals täglich kleine Mengen Tee geben, möglichst vor den Mahlzeiten. Evtl. mit Honig süßen. Kann zur Wirkungsverstärkung mit Fencheltee abgewechselt werden
Baldrianwurzel Erregungszustände, Einschlafstörungen, nervös bedingte Magen-Darm-Schmerzen Beruhigend, das Nervenystem ausgleichend Für Tee 1 TL Baldrianwurzel mit ½ l heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 2-mal täglich und vor dem Schlafengehen ½–1 Tasse;trinken
Bärentraubenblätter als Nieren- oder Blasentee bei Harnwegsinfekten Mild desinfizierend Für Tee 2 TL in ½ l kaltem Wasser 12 Stunden ziehen lassen, dann abseihen, evtl. mit Honig süßen. 2- bis 3-mal täglich eine Tasse angewärmten Tee trinken lassen. Kann anstatt mit Wasser zur Wirkungsverstärkung in kaltem Kamillentee angesetzt werden
Brennnessel Menstruationsbeschwerden, Blutungsneigung, generelle »Stärkung« Blutbildend und harntreibend Für Tee 2 TL getrocknete Brennnesselblätter
(oder einige frische Blätter) mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen. Geschmacksverbesserung mit ½ TL Fenchelsamen
Brombeerblätter Durchfall Wirkt durch die enthaltenen Gerbstoffe abdichtend Für Tee 2 TL Blätter mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abgießen. Schluckweise trinken lassen
Calendula (Ringeblume) Erkältungen, Halsweh, äußere Verletzungen Entzündungshemmend, desinfizierend, schweißtreibend Für Tee 1 TL getrocknete Blüten (oder eine Handvoll frische Blüten) mit ½ l Wasser übergießen, 10–15 Minuten ziehen lassen. Öl, Salbe und Essenz
Efeublätter Infektionen der oberen Atemwege, Husten Fördert das Abhusten von Schleim, krampflösend Nicht zur Teezubereitung geeignet, als Auszug in der Apotheke erhältlich
Eibisch Infektionen im Mund-Rachen-Raum, in den oberen Luftwegen und dem Magen-Darm-Trakt Reizlindernd, stimuliert das Immunsystem Aus einem TL Blättern und einer Tasse Wasser einen Kaltansatz bereiten, mehrmals täglich eine Tasse davon trinken
Eukalyptusblätter Bronchitis, Husten Fördert den Sekrettransport und das Abhusten von Schleim Für Tee ½ TL (ca. 2–3 g) Eukalyptusblätter mit einer Tasse heißen Wassers übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Über den Tag 2- bis 3-mal ½–1 Tasse Tee trinken
Fenchel Blähungen, krampfartige Magen-Darm-Schmerzen Fördert den Schleimtransport, entblähend Für Tee 1 TL zerdrückte Früchte mit ½ l Wasser aufbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abgießen. Evtl. mit Honig süßen. Evtl. auch mit Anistee abwechseln. Mehrmals täglich kleine Mengen, möglichst vor der Mahlzeit, zu trinken geben
Holunderblüten Fieberhafte Erkältungkrankheiten Schweißtreibend, fördert Schleimproduktion in den Luftwegen Für Tee 2 TL Blüten mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Mehrmals ½–1 Tasse Tee so heiß wie möglich trinken. Kann mit Lindenblütentee gemischt werden 
Hopfen Schlafstörungen, Unruhe, Angstzustände Beruhigend, schlaffördernd Für Tee 2 TL mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, evtl. mit Honig süßen. Eine Stunde vor dem Schlafengehen warm trinken
Johanniskraut Äußerlich bei geschlossenen Verletzungen, innerlich bei Nervosität und Depressionen, unterstützend bei Bettnässen Wirkt ausgleichend auf das Nervensystem Für Tee 1 TL mit ½ l kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen
lassen.
Kamillenblüten Entzündungen und Krämpfe im Magen-Darm-Bereich. Zahnfleisch- und Schleimhautentzündungen in der Mundhöhle (z. B. Aphthen), Nebenhöhlenentzündungen Entzündungshemmend, krampflösend. Wundheilungsfördernd, mild desinfizierend Für Tee ½ EL mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bei Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich mehrmals täglich kleine Mengen warm vor und auch zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Entzündungen im Mund- und Rachen-Raum mit dem Tee mehrmals täglich spülen oder gurgeln. Bei Nebenhöhlenentzündungen mehrmals täglich inhalieren.
Koriander Völlegefühl, Blähungen, leichte krampfartige Magen-Darm-Störungen Krampflösend, entblähend. Mild desinfizierend Für Tee 2 TL gequetschte Früchte mit ½ l heißem Wasser übergießen, 10 Minuten stehen lassen,  abseihen. Mehrmals täglich ½–1 Tasse warm zwischen den Mahlzeiten trinken  
Kümmel Völlegefühl, Blähungen, leichte, krampfartige Magen-Darm-Störungen. Verdauungsbeschwerden bei Säuglingen Krampflösend. Mild desinfizierend Für Tee je nach Alter des Kindes ¼ (Säuglinge) oder ½ (ältere Kinder) TL mit ½ l Wasser aufbrühen, 10 Minuten ziehen lassen und abgießen. Mehrmals täglich kleine Mengen (z. B. 1 EL) zu trinken geben, möglichst vor der Mahlzeit
Lindenblüten Fieberhafte Erkrankungen, Grippe Lindert Hustenreiz. Schweißtreibend Für Tee 2 TL Blüten mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, abseihen, evtl. mit Honig süßen und mit Zitronensaft ansäuern. Mehrmals täglich  ½–1 Tasse Tee so heiß wie möglich trinken lassen.
Bei Husten auch mit Huflattich oder Thymian mischen 
Melissenblätter Schlafstörungen, Übelkeit Beruhigend, ausgleichend Für Tee 1 TL Blätter mit 1/8 l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Abends eine Tasse trinken lassen 
Pfefferminzblätter Krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich Krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich Für Tee 2 TL Blätter mit 1/8 l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten
ziehen lassen, abseihen. Mehrmals täglich ½–1 Tasse trinken
Rooibos (Rotbusch) Nervosität, Schlafstörungen Beruhigend Für Tee 2 TL mit ½ l kochendem Wasser übergießen, nach 3–5 Minuten abgießen. Eine Stunde vor dem Schlafengehen ½–1 Tasse (warm) trinken
Salbeiblätter Halsweh, Rachenentzündungen Reizlindernd, entzündungshemmend Für Tee einige frische Blätter oder 1 TL getrockneter Blätter mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abgießen. Lauwarm trinken lassen. Der Tee ist auch zum Gurgeln geeignet. Tee sollte nicht zu stark sein, da Kinder ihn sonst nicht mögen. Zur Geschmacksverbesserung evtl. mit Kamillentee oder Pfefferminze mischen und mit Honig süßen
Schachtelhalmkraut (Ackerschachtelhalm) Nieren- oder Blaseninfektionen Harntreibend Für Tee 2 TL in ½ l kaltem Wasser 12 Stunden ziehen lassen, dann abseihen, evtl. mit Honig süßen. 2- bis 3-mal täglich 1 Tasse angewärmten Tee trinken lassen. Kann anstatt mit Wasser zur Wirkungsverstärkung in kaltem Kamillentee angesetzt werden
Spitzwegerichblätter Infekte der oberen Atemwege, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut Reizlindernd. Mild desinfizierend. Wundheilend, schmerzlindernd Für Tee 2 TL Blätter mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, abseihen, evtl. mit Honig süßen. Mehrmals täglich  ½–1 Tasse Tee langsam trinken
Stiefmütterchenkraut Hautentzündungen, nässendes Ekzem Entzündungshemmend Für eine Auflage 2 TL mit ½ l kochendem Wasser übergießen. Nicht abseihen. Mit dem warmen Aufguss ein Baumwoll- oder Leinentuch tränken, auf die erkrankten Hautstellen legen, mit Wolltuch bedecken. Häufig wechseln
Thymiankraut
Husten, Bronchitis Krampflösend, sekretionsfördernd Für Tee 1 gehäuften EL Kraut mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Mehrmals täglich ½–1 Tasse Tee langsam trinken
Bei Kindern häufig eingesetzte Heilpflanzen und ihre Wirkungen (TL = Teelöffel, EL = Esslöffel,  l = Liter) [verändert nach: PKI]

Kräutertees

Allein schon der Duft kann die Lebensgeis­ter wieder anlocken: Tee ist nicht nur eine Mischung von heißem Wasser und ein paar Kräutern, sondern auch ein Zelebrieren des Gesundwerdens. Und gerade Kinder finden an dieser »magischen« Seite Gefallen.

Nun ist Tee nicht gleich Tee. Tee kann aus Kräutern oder Gewürzen bereitet werden (etwa der Fencheltee), aber auch Früchte sind geeignet (etwa Tee aus Apfelschalen). Die Zutaten können dabei frisch oder getrocknet sein.

Die Zutaten können dann durch folgende Zubereitungen verwertet werden:

Aufguss. Die Zutaten werden mit kochend heißem Wasser übergossen – der »Tee« schlecht­hin.

Abkochung. Die Zutaten werden mit kochend heißem Wasser übergossen, dann aber noch eine Zeit lang weitergeköchelt, um weitere Heilstoffe daraus zu lösen.

Kaltansatz. Die Kräuter werden viele Stunden in kaltes Wasser gelegt und erst zur Anwendung erwärmt.

Schmeckt nicht – was tun?

Nicht jeder Tee wird mit Begeisterung gelöffelt oder getrunken. Nach dem Griff in die Kräutertruhe greifen Sie deshalb noch kurz in die daneben stehende Trickkiste und ziehen heraus:

  • Hokuspokus – die dampfende Flüssigkeit, die Sie da servieren, ist natürlich kein Tee, sondern ein Rittertrunk. Oder ein Hexengebräu. Oder ein magischer Zaubertrank. Das sieht man schon an den Edelsteinen, die auf der Untertasse liegen.
  • Setzen Sie dem Tee bei kleinen Kindern ruhig etwas Apfelsaft zu oder süßen Sie den Tee z. B. mit Kandiszucker (beliebt) oder Honig (ab dem zweiten Lebensjahr).
  • Ältere Kinder mögen oft einen Spritzer Zitronensaft im Tee, er schmeckt dadurch frischer. Auch eine Prise Zimt kann den Tee verfeinern. Dasselbe gilt für etwas Ingwer (einfach von der Wurzel etwas abreiben).
  • Tees können auch gemischt werden. Der Zusatz von Fencheltee zum Beispiel lässt einen Tee süßer erscheinen, der Zusatz von Pfefferminz macht ihn frischer.

Weiterführende Informationen

  • Bocksch, M.: Das praktische Buch der Heilpflanzen. BLV, 2003.  Wie Sie die 200 wichtigsten Heilpflanzen erkennen, sammeln und als Arzneien selbst zubereiten können
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 16:57 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München