Das Kindergartenkind: das vierte bis sechste Lebensjahr
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 12:51 Uhr
Wenn Eltern älterer Kinder zurückblicken, dann erkennen sie zumeist, dass ihre Kinder schon in der Kindergartenzeit die Persönlichkeit waren, die sie auch aus deren späterem Leben kennen. Ob ängstlich oder mutig, locker oder pedantisch, labil oder durch nichts umzuwerfen – noch bevor wir eine Schule oder einen Kindergarten von innen gesehen haben, sind wir charakterlich schon ein ganzes Stück weit gebildet. Bei solchen Entdeckungen ist sich das Kind jetzt auch immer deutlicher seiner Rolle und Position in der Gruppe bewusst – sei es in der Familie, der Nachbarschaft oder im Kindergarten. Es gestaltet seine sozialen Beziehungen liebevoll und oft fast zeremoniell aus, gibt gerne Geschenke, hat einen »besten Freund« oder Freundin, kurz – aus dem »egoistischen« Kleinkind ist ein sozial engagiertes Kindergartenkind geworden! Ins Reine kommenJetzt, wo Ihr Kind sich immer mehr zur eigenen Person entwickelt und dabei auch so manchen Konflikt eingeht, will es trotz allem mit Ihnen »im Reinen« sein. Bauen Sie nach einem Streit Brücken, lernen Sie (beide) das Wort »Entschuldigung« und auch, was eine akzeptierte Entschuldigung bedeutet: Du hast bei mir keine Schuld mehr! AlpträumeEin »echtes« Schlafproblem kann jetzt durch Alpträume entstehen: Ihr Kind wacht weinend auf, oft in der zweiten Hälfte der Nacht, weiß meist aber nicht warum – es hat einfach Angst. Manchmal schildert es auch seine Furcht vor einem bestimmten Tier oder vor Monstern, die in seinem Zimmer sein könnten und von denen es vielleicht geträumt hat. »Schlafterror«Dieses letztlich ungeklärte, aber weder krankhafte noch seltene Phänomen verläuft manchmal richtig dramatisch. Das Kind brüllt wie am Spieß, wacht aber nicht zu vollem Bewusstsein auf, ja, vielleicht stößt es Sie sogar fort, sobald Sie es trösten wollen. Was Ihr Kind jetzt kann!Der vierte Geburtstag ist der erste Geburtstag, auf den sich das Kind »im Voraus« freuen kann. Überhaupt wird diese Entwicklungsphase mit viel Humor durchlaufen – vor allem, was auf dem Klo passiert, ist jetzt das Thema. Kindergartenkinder überraschen ihre Umwelt oft durch einen ganz ausgeprägten Sinn für Fairness: Beim Teilen wird jetzt geistig »Buch geführt«, und Kinder, die sich unfair verhalten, werden ausgegrenzt. Die Entwicklungsforschung geht davon aus, dass dieser Sinn für Fairness zum angeborenen Grundrepertoire des Menschen (und vielleicht auch der Menschenaffen) gehört.
Aktualisiert ( Freitag, den 03. Juli 2009 um 13:55 Uhr )
© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München |

