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Mein Säugling ist krank

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 10. Juni 2009 um 14:28 Uhr

Wenn ein Kind nicht gerade frühgeboren ist oder unter einer angeborenen Krankheit leidet, sind Säuglinge glücklicherweise nur selten krank. Das liegt vor allem daran, dass sie von ihrer Mutter wertvolle Abwehrstoffe mit auf den Weg bekommen haben, den sog. Nestschutz.

Diese Wegzehrung für das Immunsystem hält etwa 6–9 Monate vor und schützt sowohl vor den typischen Kinderkrankheiten als auch vor den Feld-Wald-Wiesen-Krankheiten wie Erkältungen oder Durchfall.

Gestillte Kinder bekommen mit der Muttermilch zusätzliche Abwehrstoffe und erkranken deshalb noch seltener – auch schwer wiegende Infektionen wie Lungen- oder Hirn­haut­ent­zün­dungen sind bei gestillten Kindern seltener.

Wenn Säuglinge aber einmal krank werden, dann kann es ihnen rasch schlecht gehen. Und das zeigt sich oft nicht durch klare Krank­heits­zeichen wie etwa hohes Fieber oder Husten, wie wir es vom älteren Kind her kennen.

Beschwerden oft diffus

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Im Vergleich zu der geschützten Umgebung im Mutterleib ist die Welt am anderen Ende des Ge­burts­kanals ganz schön rau. Alle Organe müssen sich zuerst einmal an die neue Welt anpassen. Das gilt auch für die Haut. Sie ist in den ersten Lebenstagen besonders aktiv und neigt – wie bei diesem nur wenige Stunden alten Neugeborenen – zu allen möglichen, fast immer harmlosen Veränderungen.
[ASL]

Stattdessen sind kranke Säuglinge einfach »anders als sonst«, schlafen viel, aber unruhig, verhalten sich nach dem Aufwachen anders (lächeln z. B. nicht so wie normal), sind lustlos oder sogar apathisch, trinken nicht mehr so gut oder sehen einfach »schlecht« aus.

Bester Indikator: Das Trinken

Dabei ist das Trinken meist der beste Hinweis, dass etwas nicht stimmt: Ein Säugling, dem seine namengebende Lieblingsbeschäftigung, das Saugen und damit Trinken, egal geworden ist, ist bis zum Beweis des Gegenteils als krank anzusehen. Dann heißt es: den Kinderarzt zu Rate ziehen.

Fieber: nicht immer verlässlich

Vermuten Sie, dass Ihr Säugling krank ist, so messen Sie am besten auch die Temperatur, und zwar im Po, dort ist die Messung am verlässlichsten. Beim Säugling können nämlich schon relativ geringe Temperaturerhöhungen auf eine Infektion hinweisen. So gilt bei jungen Säuglingen (unter sechs Monaten) schon eine Körpertemperatur über 38,0 °C als Fieber, das dann vom Kinderarzt abgeklärt werden sollte.

Diese sehr vorsichtige Definition hat ihren Grund darin, dass Säuglinge in den ersten 2–3 Monaten bestimmte Krankheitserreger wie etwa Streptokokken noch nicht gut abwehren können und dann Gefahr laufen, dass die Erreger in den Blutstrom eindringen und eine Sepsis (erregerbedingte Blutvergiftung) hervorrufen. Diese muss rasch durch Antibiotika behandelt werden, da sich die Erreger sonst in Organen festsetzen und etwa eine Lungenentzündung oder Hirn­haut­entzündung auslösen.

Ältere Säuglinge sollten zum Kinderarzt, wenn Sie bei ihnen eine Temperatur von über 38,4 °C messen.

Am Trinkverhalten erkennen Sie am ein­fachs­ten, ob Ihrem Baby etwas fehlt. Solange es gut trinkt und dafür Energie und Lust aufbringt, ist die Welt des Säuglings in Ordnung.

Aktualisiert ( Dienstag, den 11. August 2009 um 13:10 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München