Netzathleten Partner

Akuter Durchfall und Magen-Darm-Infekt

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:52 Uhr
Beitragsseiten
Akuter Durchfall und Magen-Darm-Infekt
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Möglichkeiten der Naturheilkunde
Vorsorge
Alle Seiten
Häufigkeit: Häufigkeit 5 von 5: Weit verbreitet

Nach der Erkältung ist der akute Durchfall (d. h. plötzlich einsetzende Durchfall) das zweithäufigste Beschwerdebild des Kindes und fast immer genauso gutartig: Meistens ist der Durchfall durch eine harmlose Magen-Darm-Infektion (= infektiöse Gastroenteritis, Magen-Darm-Grippe) bedingt und hört innerhalb von 2–4 Tagen von selbst auf.

Nur selten wird Durchfall dem Kind gefährlich, dann nämlich, wenn der Körper durch den Flüssigkeits- und Salzverlust austrocknet. Aufgrund ihres labileren Flüssigkeitshaushaltes sind Säuglinge dabei stärker gefährdet als ältere Kinder.

Leitbeschwerden

  • Viele Stuhlgänge mit dünnflüssigen, oft voluminösen und übel riechenden Stühlen
  • Leichte bis mäßige Bauchschmerzen
  • Möglicherweise Übelkeit und Erbrechen
  • Möglicherweise Fieber

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Der Durchfall länger als drei Tage dauert.

Noch heute, wenn

  • Ihr Kind mit Durchfall unter sechs Monate alt ist.
  • Das Kind über 39 °C Fieber hat.
  • Die Haut des Kindes gelb oder sehr blass ist oder es einen Hautausschlag hat (nicht nur am Po).
  • Sie – z. B. aufgrund von Miterkrankungen in der Familie – eine Lebensmittelvergiftung vermuten.
  • Die Erkrankung nach einer Fernreise auftritt.

Sofort, wenn

  • Der Durchfall blutig ist.
  • Das Kind heftige Bauchschmerzen hat oder Bauchschmerzen, die um den Nabel herum angefangen haben und dann in den rechten Unterbauch gewandert sind (dies deutet auf eine Blinddarmentzündung hin).
  • Das Allgemeinbefinden des Kindes sich verschlechtert, es z. B. teilnahmslos wird.
  • Zeichen der Austrocknung vorliegen (siehe unten).

Das Wichtigste aus der Medizin

So häufig ein Durchfall bei Kindern ist – nicht jede ungewohnte Windelfüllung ist ein Durchfall: Häufigkeit des Stuhlgangs und Stuhlbeschaffenheit sind nahrungsabhängig, von Kind zu Kind unterschiedlich und ändern sich manchmal wie das Wetter: Mal gibt es dreimal am Tag ein »großes Geschäft«, in anderen Zeiten nur eines alle drei Tage, und beides ist normal, solange sich das Kind wohl fühlt und gedeiht. Bei Säuglingen und hier insbesondere bei gestillten Säuglingen sind die Grenzen sogar noch weiter gesteckt: 10–12 Stühle täglich sind genauso im grünen Bereich wie nur einer pro Woche.

Von Durchfall (= Diarrhoe) ist dann zu sprechen, wenn der Stuhlgang häufiger als normal und dabei ungewöhnlich flüssig oder wässrig ist. Die Farbe des »durchfallenden« Stuhles kann dabei sehr unterschiedlich sein, von hellbraun über gelb zu einem tiefen Grün.

Was geschieht beim Durchfall?

Krankes Kind mit Durchfall
Durchfall, besonders wenn er wie bei diesem dreijährigen Kind mit Fieber einhergeht, ist eine echte Leidenszeit, in der Trost bei den Eltern not tut.
[RPO]

Auch wenn die genauen Mechanismen unterschiedlich sind – Durchfall mit einem »Leck« im Dünn- und Dickdarm zu vergleichen, ist ganz treffend: Die Darmschleimhaut wird durch die erregerbedingte Reizung undicht, so dass Körperwasser in den Darm eintritt und sich mit dem Stuhl vermischt. Gleichzeitig kann die entzündete Darmschleimhaut die aufgenommene Nahrung nicht mehr aufspalten und damit die enthaltenen Nahrungs- und Begleitstoffe (ebenso wie das »Zuviel« an Flüssigkeit) nicht mehr in den Blutkreislauf aufnehmen.

So wie der Nasenkatarrh infizierte Sekrete ausspült, so dient auch der akute Durchfall meist einem guten Zweck: Indem Krankheitserreger oder Giftstoffe aus dem Körper ausgetrieben werden, schützt sich der Körper vor einer tiefer gehenden Infektion. Ist der Magen beteiligt, kommt es zusätzlich zu Übelkeit und Erbrechen. Auch sie können das Kind zwar sehr plagen, helfen aber letztlich ebenso wie der Durchfall, die Infektion zu begrenzen.

Woher kommt der Durchfall?

Am häufigsten ist Durchfall bei Kindern Zeichen einer Magen-Darm-Infektion.

Hauptverursacher sind Viren (z. B. Rota-, Adeno-, Norwalk-Viren), die meistens von Kind zu Kind, etwa im Kindergarten, »weitergereicht« werden. Seltener sind Bakterien beteiligt, etwa Enteritis-Salmonellen oder verschiedene Escherichia-coli-Stämme. Sie werden nicht nur durch verschmutzte Hände, sondern auch durch Lebensmittel übertragen (=Lebensmittelinfektion).

Noch seltener sind Parasiten (z. B. Amöben oder Lamblien) oder Pilze in Mitteleuropa für den Durchfall verantwortlich. Da Durchfallerreger jedweder Gattung in den südlichen Ländern häufiger sind, treten Darminfektionen bei und nach Aufenthalten in diesen Regionen gehäuft auf (sog. Reisediarrhö).

Sind die Beschwerden nicht durch die Erreger selbst, sondern durch deren aufgenommene Giftstoffe bedingt, spricht man von einer  Lebensmittelvergiftung. Der Durchfall tritt dabei oft schon wenige Stunden nach dem Genuss des verdorbenen Essens zusammen mit heftigem Erbrechen auf. Vielfach sind mehrere oder gar alle Personen erkrankt, die an der Mahlzeit teilgenommen haben.

Auch bei Infektionen an anderen Stellen des Körpers, z. B. an den Luftwegen, kann der Darm mitreagieren ein paar Tage Durchfall oder auch Verstopfung bescheren.

Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke können bei übermäßigem Genuss ebenfalls Durchfall auslösen, indem sie zu viel Wasser in den Darm »ziehen«. Hier sind insbesondere koffeinhaltige Colagetränke, unverdünnte Obstsäfte, übertrieben gezuckerte Nahrung sowie Süßstoffe zu nennen.

Antibiotika (mehr zu Antibiotika) stören die natürlichen (und nützlichen) Darmbakterien und lösen deshalb sehr häufig Durchfall aus.

Bei älteren Kindern kann Durchfall auch bedeuten, dass sie »Schiss« haben (z. B. vor Klassenarbeiten), der Durchfall also psychisch bedingt ist.

Der akute Durchfall ist abzugrenzen von den immer wiederkehrenden oder länger anhaltenden (chronischen) Durchfällen. Manche Klein- und Vorschulkinder gehen durch eine gelegentlich Monate bis Jahre anhaltende Phase, in der sie häufigen, breiigen Stuhlgang haben (= Reizdarm des Kleinkinds). Sie gedeihen dabei gut und zeigen keinerlei Bauchbeschwerden. Eine weitere mögliche Ursache sind Nahrungsmittelunverträglichkeitenund Nahrungsmittelallergien. Etwa 10 % der (älteren) Kinder haben beispielsweise eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), d. h. sie reagieren auf Milchprodukte mit Durchfall. Auch eine Kuhmilchallergie kann sich durch Durchfälle zeigen. Seltener ist die Zöliakie , eine Unverträglichkeit gegen das im Weizen enthaltene Klebereiweiß (Gluten). Sie zeichnen sich ebenso wie die chronischen Durchfälle z. B. bei Mukoviszidose oder bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) dadurch aus, dass das Kind außer dem Durchfall noch weitere Beschwerden hat (etwa Blutarmut) oder schlecht gedeiht, d. h. nicht altersentsprechend zunimmt.

Zunehmend wichtige Ursache: EHEC

Seit einigen Jahren beobachten die Mediziner eine zunehmende Anzahl von Infektionen mit speziellen Escherichia-coli-Stämmen, den enterohämorrhagischen Escherichia-coli-Bakterien oder kurz EHEC.

EHEC-Bakterien leben im Darm wiederkäuender Tiere, vor allem von Rindern, Ziegen und Schafen. Unter modernen Viehzuchtbedingungen haben sie so weit um sich gegriffen, dass sie inzwischen bei über der Hälfte der deutschen Schlachtrinder nachzuweisen sind. Hauptansteckungsquellen sind Rohmilch und Rohmilchprodukte sowie Rohwurst und unzureichend gegartes Fleisch. Auch beim Streicheln von Tieren auf dem Bauernhof oder in Streichelzoos ist Vorsicht geboten, da die Bakterien mit dem Kot der Tiere ausgeschieden und dann ins Fell (und damit auf die Hände der Kinder und noch weiter) verschleppt werden.

Gefährlich sind die EHEC-Bakterien aus zwei Gründen: Zum einen reichen bereits geringe Bakterienmengen für eine Infektion aus (ungefähr 100 im Vergleich zu etwa 100 000 bei Enteritis-Salmonellen). Zum anderen produzieren die Bakterien Toxine (= Gifte), die bei gut 5 % der Kinder, vor allem im Klein- und Kindergartenalter, nach Abklingen der Durchfälle zum lebensbedrohlichen hämolytisch-urämischen Syndrom(= HUS) mit Auflösung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) und Nierenversagen führen. Eine Antibiotikabehandlung scheint das Risiko für ein hämolytisch-urämisches Syndrom zu erhöhen.

Warnzeichen einer EHEC-Infektion sind blutige Durchfälle, meist verbunden mit krampfartigen Bauchschmerzen.

Vorbeugen kann man durch gründliches Garen von Rindfleisch, Verzicht auf Rohmilch und sorgfältige Küchenhygiene. Nach dem Streicheln von Rindern, Schafen oder Ziegen sollten sich Kinder möglichst schnell die Hände waschen.

Hauptgefahr: die Austrocknung

Der Mensch hat von Natur aus wirkungsvolle Schutzmechanismen vor zu großem Wasserverlust. So kann die Niere z. B. den Urin etwa 100fach konzentrieren, um nur kein Wasser zu vergeuden. Dennoch kann der Körper unter bestimmten Umständen dehydrieren (= »austrocknen«), vor allem dann, wenn ein Kind sowohl erbricht als auch Durchfall und/oder Fieber hat.

Gefahr besteht auch dann, wenn das Kind so schwach ist, dass es seinen Durst nicht mehr spürt oder nicht mehr stillen kann. Prinzipiell ist die Gefahr desto größer, je jünger das Kind ist.

Zeichen der Austrocknung

Frühzeichen

  • Lippen, Zunge und Mundschleimhaut sind trocken.
  • Der Urin wird dunkel, die Windel ist aber noch feucht (d. h. das Kind lässt noch öfter als alle sechs Stunden Urin).
  • Das Kind ist schlapp, aber nicht teilnahmslos.

Spätzeichen

Beobachten Sie eines der folgenden Zeichen, bringen Sie Ihr Kind am besten gleich zum Kinderarzt oder ins Krankenhaus:

  • Das Kind lässt kaum noch Urin (die Windel des Säuglings ist länger als acht Stunden trocken, das Kleinkind geht länger als zwölf Stunden nicht auf die Toilette).
  • Das Kind weint ohne Tränen.
  • Hebt man z. B. am Bauch mit dem Finger eine Hautfalte ab, geht sie nur langsam wieder zurück oder bleibt sogar stehen.
  • Die Haut wirkt blass-grau, die Augen sind eingefallen.
  • Das Kind wird zunehmend schläfrig und teilnahmslos.

Das macht der Arzt

Da die meisten Durchfälle rasch von selbst verschwinden, wird der Arzt abwartend vorgehen und lediglich z. B. fertige Elektrolytpräparate (Rehydratationslösungen) zur Wiederherstellung des Flüssigkeits- und Mineralhaushaltes aus der Apotheke verschreiben. Bei ungewöhnlichen, insbesondere blutigen Durchfällen wird er Blut- und Stuhlproben entnehmen, um die Gefährdung genau abzuschätzen und bestimmte Erreger zu sichern oder umgekehrt auch auszuschließen.

Insbesondere bei jüngeren Kindern kann eine meist nur kurze Krankenhausbehandlung erforderlich sein, um den Flüssigkeitsverlust durch Infusionen auszugleichen.

Medikamente zur Unterdrückung des Durchfalls (=Antidiarrhoika) sind nicht nur in aller Regel nutzlos, sondern schaden sogar eher, da die Erreger oder Giftstoffe dann länger im Körper verbleiben. Sie werden deshalb heute kaum mehr eingesetzt.

Antibiotika zum Abtöten der Erreger sind nur in Ausnahmefällen angezeigt, etwa bei durch Amöben bedingten Durchfall.

Bestimmte Darmbakterien und -hefen fördern den rascheren Aufbau der durch den Durchfall gestörten Darmflora und tragen dadurch zur rascheren Überwindung des Durchfalls bei. Viele Ärzte verordnen deshalb bei länger andauernden Durchfällen solche Lebendkeim-Präparate (z. B. das aus Saccharomyces-Hefen bestehende Perenterol® oder Laktobazillen-haltige Präparate wie Omnisept® oder Infectodiarrhstop®).


So helfen Sie Ihrem Kind

Was soll das Kind zu sich nehmen?

Trockene und rissige Zunge bei Flüssigkeitsmangel
Eine trocken-stumpfe und rissige Zunge ist ein deutliches Warnsignal, dass dem Kind Flüssigkeit fehlt.
[RKL]

Babys: Der gestillte Säugling trinkt weiter seine Muttermilch, Flaschenkinder bekommen weiter ihre gewohnte Flaschennahrung. Trinkt das Baby bei jeder Mahlzeit nur wenig, weil es schlapp ist, wird es entsprechend häufiger gestillt bzw. gefüttert.

Die Forschung hat gezeigt, dass Säuglinge, die weiter ihre gewohnte Milch trinken und ihre normale Nahrung essen, schneller gesund werden als solche, die (wie früher empfohlen) nur Tee oder Wasser erhalten – wahrscheinlich weil die Nährstoffe und das Eiweiß der Milch die von den Erregern geschädigte Darmschleimhaut rascher wieder aufbauen. Deshalb wird das früher übliche Teefasten bei Säuglingen nicht mehr empfohlen. Auch besondere »Heilmilchen« oder »Heilnahrungen« konnten nicht überzeugen (teure »Stuhlkosmetik«).

Zwischen den Mahlzeiten gegebener Kamillen- oder Fencheltee kann die Darmschleimhaut beruhigen und so wohltuend wirken.

Erbricht Ihr Säugling, so stillen Sie umso häufiger weiter. Nichtgestillte Säuglinge erhalten auch jetzt weiterhin Ihre gewohnte Milch – zusätzlich verordnet der Kinderarzt meist orale Rehydratationslösungen. Haben Sie den Eindruck, Ihr Säugling hält die Rehydratationslösung eher bei sich als seine gewohnte Milch, so geben Sie vor allem die Rehydratationslösung. Achten Sie allerdings darauf, dass Ihr (nichtgestillter) Säugling mindestens einmal in zwölf Stunden etwas (Flaschen-)Milch erhält (eventuell mit Rehydratationslösung oder mit Wasser verdünnen). Wenn Sie stillen, sollten Sie in jedem Fall regelmäßig weiterstillen. So bleibt nicht nur der Milchnachschub erhalten, Muttermilch enthält zudem bestimmte Immunstoffe, die gegen Durchfall begrenzend wirken.

Feste Nahrung wird von den meisten Säuglingen bei Erbrechen instinktiv verweigert, diese »Ausnüchterungspause« ist sinnvoll. Viel wichtiger ist jetzt die regelmäßige Zufuhr von Flüssigkeit.

Kind mit Durchfall auf der Toilette
Bei Durchfall ist die Begleitung zur Toilette oder zum Töpfchen beinah die wichtigste Elternpflicht. Geht das Geschäft öfters in die Hose, ist zu erwägen, auch dem an sich schon »trockenen« Kleinkind vorübergehend wieder eine Windel oder Windelhose anzuziehen. Besser für die Pohaut ist es aber allemal, so wenig wie möglich Kontakt mit Durchfall-Stühlen zu haben.
[ADM]

Klein- und größere Kinder:Leichte, nicht zu salzige Gemüse- oder Fleischbrühen werden von Kindern jenseits des Säuglingsalters gerne getrunken und gleichen den häufigen Salzverlust aus. Hingegen ist von den beliebten koffeinhaltigen »Hausmitteln« wie Cola oder Schwarztee abzuraten, da sie den Flüssigkeitsverlust eher fördern (Koffein und Teein wirken harntreibend). Besser sind auch hier Kamillen- oder Fencheltees.

Reine Fruchtsäfte sind wegen ihres hohen Zucker- und Säuregehalts ungünstig (ein »Schuss« Saft auf ein Glas Wasser zur Geschmacksverbesserung schadet aber nicht und hilft den Mineralhaushalt auszugleichen). Erbricht das Kind oder wird der Durchfall stärker, so sind auch für das ältere Kind spezielle Rehydratationslösungen am besten geeignet.

Solange älteren Kindern nicht übel ist, können sie im Wesentlichen ihre normale Kost weiteressen. Bei Übelkeit oder Erbrechen tut ihnen eine Esspause gut. Drängen Sie Ihr Kinder dann also nicht zum Essen – auch nicht am Anfang der Durchfallperiode, wenn Sie nicht sicher sein können, ob nicht noch Erbrechen folgt.

Wenn Ihr Kind nichts mehr trinken kann oder will

Ist Ihr Kind schlapp, bieten Sie ihm trotzdem – schluckweise – alle 10–15 Minuten etwas zu trinken an, auch wenn Ihrem Kind übel ist. Vor allem kleine Kinder können durch einen Strohhalm oder Ähnliches zum Trinken animiert werden. Größere Kinder schlagen ein (Wasser-)Eis oft auch bei schlechtem Allgemeinbefinden nicht aus (bei Übelkeit oder Erbrechen sollte allerdings kein Eis gegeben werden). Säuglingen kann man Flüssigkeit auch mit dem kleinen Finger einträufeln.

Erbricht Ihr Kind, so geben Sie die Flüssigkeit in ganz kleinen Portionen (z. B. einen Teelöffel), und zwar noch häufiger: alle paar Minuten. Die Flüssigkeit bleibt auf diese Weise eher »drin«.

Wie viel Flüssigkeit ein Kind im Einzelfall benötigt, hängt von der Stärke des Durchfalls und des eventuell begleitenden Erbrechens ab. In der Regel kann eine Austrocknung aber selbst durch schluckweises Trinken verhindert werden. Nimmt ein Kleinkind z. B. einen Teelöffel Flüssigkeit alle drei Minuten zu sich (ein Teelöffel fasst fünf Milliliter), so bekommt es damit über den Tag gerechnet immerhin 2,5 Liter Flüssigkeit – sein Tagesbedarf liegt bei etwa der Hälfte davon (die Verluste durch Erbrechen und Durchfall sind darin allerdings nicht enthalten, diese entsprechen ganz grob einem kleinen Glas bzw. 0,1 l pro »Portion«).

Solange Ihr Kind keine Zeichen der Austrocknung zeigt, können Sie davon ausgehen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Der ungefähre Tagesbedarf (ohne Verluste durch Erbrechen oder Durchfall) an Flüssigkeit ist aus der Tabelle auf der nächsten Seite ersichtlich.

Insbesondere bei heftigem Durchfall oder zusätzlichem Erbrechen sind orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke (z. B. Oralpädon 240®, GES 60®) zum Trinken sinnvoll. Sie ersetzen die verloren gegangenen Mineralien (Elektrolyte) und Glukose, die in Kombination auch von der geschädigten Darmschleimhaut gut aufgenommen werden.

Mag Ihr Kind die Lösung nicht, so wechseln Sie auf eine andere Geschmacksrichtung. Auch die Beimischung anderer Flüssigkeiten (von Wasser über Tee bis Milch, zur Not auch etwas Saft), ist zulässig.

Alter

Körpergewicht

Tagesbedarf an Flüssigkeit

Geburt

3 kg

0,3 Liter

3 Monate

6 kg

0,6 Liter

8 Monate

9 kg

0,9 Liter

18 Monate

12 kg

1,1 Liter

3 Jahre

15 kg

1,25 Liter

5 Jahre

18 kg

1,4 Liter

8 Jahre

25 kg

1,6 Liter

10 Jahre

30 kg

1,7 Liter

12 Jahre

40 kg

1,9 Liter

Mittlerer Flüssigkeitsbedarf eines Kindes pro Tag (ohne Verlust durch Fieber, Erbrechen oder Durchfall). Beachten Sie, dass darin die in fester Nahrung (z. B. Obst) vorhandene Flüssigkeit enthalten ist. Und kurzzeitig kann es auch ein paar Tage mit weniger auskommen (siehe Text).

Hausmittel bei Durchfall

Rezept: Rehydratationslösung zum Selbermachen

Einen halben Teelöffel Salz und fünf Teelöffel Traubenzucker in einem halben Liter abgekochten Wasser auflösen. Die Lösung dann mit Orangensaft abschmecken.

Ein altes und selbst bei Kleinkindern beliebtes Hausmittel sind gekaute getrocknete Heidelbeeren. Die Kinder dürfen davon essen, so viel sie wollen, solange sie die Beeren richtig gut durchkauen.

Eine Alternative ist der Heidelbeertee, der durch die in ihm enthaltenen Gerbstoffe die Darmschleimhaut »abdichten« soll und so den Durchfall lindert (Rezept siehe unten).

Auch Brombeerblättertee wirkt abdichtend. Rezept: Einen Teelöffel mit 0,5 Liter Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen. Ein mit der Schale geriebener Apfel liefert Quellstoffe wie Pektin, die das Wasser im Darm aufnehmen und so für festeren Stuhlgang sorgen. Ähnlich wirkt die schon zu Zeiten unserer Großeltern bekannte Karottensuppe (Rezept siehe unten).

Körperwarme Bauchwickel, evtl. mit Zusatz von Thymian, beruhigen und wirken ausgleichend in der übermüdeten Kinderseele.

Rezept: Heidelbeertee

2–3 Esslöffel getrocknete Heidelbeeren und 500 ml Wasser erhitzen und zehn Minuten kochen. Mischung durch ein Teesieb geben und abkühlen lassen. Säuglingen dreimal täglich einen Teelöffel voll geben, älteren Kindern bis zu dreimal täglich eine Tasse.

Rezept: Karottensuppe nach Moro

500 g geschälte Karotten in einem Liter Wasser 1–1,5 Stunden kochen, danach durch einen Sieb pressen oder in einem Mixer pürieren. Auf einen Liter Suppe einen knapp gestrichenen Teelöffel Kochsalz hinzufügen und in kleinen Mengen verabreichen.

Nicht vergessen: Hautpflege

Die empfindliche Haut des Wickelkindes sollte bei Durchfall gut geschützt werden: Die Windeln häufig wechseln, die Haut immer wieder ungewickelt der Luft aussetzen und evtl. eine Schutzcreme (etwa Vaseline oder eine zinkhaltige Creme) auftragen. Nicht selten wird der After durch den Durchfall so stark gereizt, dass beim Abwischen etwas hellrotes Blut am Tupfer zu sehen ist. Solange der Stuhl selbst nicht blutig ist, ist dies kein Grund zur Sorge, die Popflege sollte dann jedoch intensiviert werden.

Kostaufbau nach dem Durchfall

Joghurt zum Wiederaufbau der Darmflora
Wenn die Stühle nach einer Durchfallserkrankung fester und seltener werden, braucht der Darm rasch wieder Kalorien und Nährstoffe, um die geschädigte Schleimhaut zu regenerieren. Von der tagelangen »Schonkost« ist man deshalb heute abgerückt. Werden Milchprodukte nicht gut vertragen – dies betrifft vor allem ältere Kinder –, kann in den ersten Tagen auf Joghurt ausgewichen werden, der zudem den Wiederaufbau der Darmflora unterstützt.
[ADM]

Babys: Sie erhalten am besten die gleiche Kost weiter – »Heilnahrungen« oder Ähnliches sind überflüssige Stuhlkosmetik, die gewohnte Milchnahrung liefert alle für den Wiederaufbau der Darmschleimhaut nötigen Nährstoffe.

Klein- und größere Kinder: Nachdem der Durchfall überstanden ist, wird das Kind rasch wieder »normal« essen wollen, und dies ist in aller Regel auch problemlos möglich. Von dem früher üblichen langsamen Kostaufbau ist man heute abgekommen, da sich gezeigt hat, dass sich dadurch die Verdauungsfunktionen eher langsamer regenerieren als bei »normaler« Ernährung.

Sinnvoll ist es lediglich, für ein paar Tage keine allzu fetthaltigen Speisen zu geben, also besser Spaghetti mit dünner Tomatensoße als Pizza. Oft bevorzugen die meisten Kinder von sich aus kleine, leicht verdauliche Speisen, z. B. Kekse, Toastbrot, Zwieback oder Salzstangen (gleichen ebenfalls den Salzverlust aus). Haben die Kinder eher Appetit auf etwas Frisches, eignen sich Banane (gleicht durch den hohen Kaliumgehalt die Körpersalze aus) oder Joghurt (unterstützt den Wiederaufbau der Darmflora) am besten.


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Heilerde kann für ältere Kinder empfohlen werden (als Tabletten oder als in Wasser aufgelöstes Pulver, z. B. zweimal täglich einen halben Teelöffel, in einem Schnapsgläschen voll Wasser auflösen, die Mischung vor der Einnahme ein paar Stunden stehen lassen). Sie bindet im Darm befindliche Giftstoffe. Beim Kauf des Pulvers müssen Sie darauf achten, dass es Präparate zur inneren und zur äußeren Anwendung gibt. Ähnlich wirken Birkenkohle comp.® (bzw. Carbo Betulae comp.®) oder Präparate auf Basis der Kaffeekohle. Bei starkem Durchfall sind diese Mittel allerdings wenig wirksam.

Pflanzliche »abdichtende« bzw. entgiftende Kombinationspräparate enthalten z. B. Blutwurz und Kamille und können bei leichtem Durchfall ebenfalls hilfreich sein.

Wissenschaftlich gut untermauert ist die Gabe des in vielen Naturjoghurtprodukten enthaltenen »probiotischen« Keims Lactobacillus. Er kann auch als Pulver oder Tabletten 3- bis 4-mal pro Tag gegeben werden (z. B. Paidoflor®), auch beim Säugling (mit Muttermilch mischen). Hierdurch wird vor allem der durch die häufigen Rotaviren ausgelöste Durchfall verkürzt.

Die Homöopathie empfiehlt – je nach Zustand – z. B. Okoubaka D3 (bei Lebensmittelvergiftung) oder Ferrum metallicum D6 (bei wässrigen Stühlen mit Unverdautem). Als Komplexmittel wird Diarrheel S.® empfohlen (alle nicht bei Säuglingen).


Vorsorge

Stillen ist eine gute Vorbeugung gegen Durchfallserkrankungen, da gestillte Kinder gegen viele Infektionskrankheiten weniger anfällig sind.

Da die meisten Durchfallserreger über die Hände übertragen werden, sollten ältere Kinder lernen, sich nach dem Stuhlgang und vor dem Essen die Hände zu waschen.

Sorgfältige Küchenhygiene der Eltern beugt einer Erregerübertragung von Lebensmitteln auf die Familie vor:

  • Vor der Zubereitung von Nahrungsmitteln Hände waschen.
  • Beim Vorbereiten der Mahlzeiten darauf achten, dass Gegenstände, die mit rohem Fleisch oder Geflügel in Berührung gekommen sind, nicht in Kontakt kommen mit Speisen, die roh verzehrt werden sollen oder bereits durchgegart sind.
  • Fleisch (einschließlich Geflügel) nur durchgegart verzehren, Hackfleisch sollten Sie am Tag der Herstellung verbrauchen.
  • Rohe Eier und Rohmilch sowie daraus hergestellte Produkte vermeiden oder wenigstens Speisen sofort verbrauchen, die rohes Ei enthalten (etwa selbst gemachte Mayonnaise).
  • Empfindliche Speisen, insbesondere solche, die Salmonellen enthalten können (Geflügel, Wild, Fisch, Krusten-, Schalen- und Weichtiere), im Kühlschrank aufbewahren.

Auf Reisen in südliche Länder ist besondere Vorsicht geboten. Da hier viele Erreger über Obst, Gemüse und Salat übertragen werden, gilt: »Boil it, cook it, peel it or forget it.« Zu deutsch: Am besten die Finger weglassen von allem, was man nicht durchgaren oder schälen kann. Diese Regel gilt auch für Wasser – also kein Wasser direkt aus der Leitung trinken und Eiswürfel in Restaurants möglichst rasch aus dem Glas entfernen. Zusätzlich vorbeugend wirkt die Einnahme bestimmter Hefen (z. B. in Perenterol®). Wenn Sie in ein Gebiet fahren, in denen Typhus häufig vorkommt, lassen Sie eine Schutzimpfung durchführen. Und auch in südlichen Ländern gilt: Waschen Sie sich gründlich vor jedem Essen die Hände.

Ist der Durchfall durch die Einnahme von Antibiotika bedingt, so kann er durch die frühzeitige Gabe von Naturjoghurt oder Laktobazillen (z. B. Omnisept®, Paidoflor®) in Schach gehalten werden.k

Aktualisiert ( Mittwoch, den 12. August 2009 um 08:42 Uhr )