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»Gewohnheitsverstopfung« und Morbus Hirschsprung

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 10:06 Uhr
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»Gewohnheitsverstopfung« und Morbus Hirschsprung
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Die »Gewohnheitsverstopfung« und der Morbus Hirschsprung sind die häufigsten Formen lang anhaltender Verstopfung bei Kindern.

Leitbeschwerden

  • Hartnäckige, lang anhaltende (= chronische) Verstopfung, oft mit Stuhlschmieren, manchmal auch mit plötzlich auftretenden Durchfällen.
  • Appetitlosigkeit
  • Bauchweh und Unwohlsein, bei Säuglingen manchmal auch Erbrechen
  • Evtl. psychische Probleme als Folge

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn

  • Ihr Kind unter regelmäßiger Verstopfung, Stuhlschmieren oder Bauchweh leidet.

Das Wichtigste aus der Medizin

Die »Gewohnheitsverstopfung« (= chronisch habituelle Verstopfung) resultiert, wie der Name sagt, aus einer Gewohnheit – und wie bei anderen Gewohnheiten ist auch hier der Auslöser nach einiger Zeit oft gar nicht mehr herauszufinden. Bei manchen Kindern liegen schwierige Lebenssituationen zugrunde (z. B. Scheidung der Eltern), bei anderen Kindern spielt eine faserarme, d. h. obst- und gemüsearme, Ernährung oder Bewegungsmangel eine Rolle. Bei wieder anderen Kindern beginnt das Problem mit dem Verhalten von Stuhl – etwa wenn der Stuhlgang infolge von Rissen am Anus schmerzhaft ist. Die Probleme können in jedem Alter auftreten, praktisch nie jedoch vor dem Kleinkindalter.

Egal was die Ursache ist, sie führt in einen Teufelskreis. Denn sitzt der Stuhl erst fest, so dehnt sich als Folge der Mastdarm immer weiter aus. Was vorher ein strammer Kanal war, wird immer mehr zu einer schlaffen »Tüte« – der Stuhl kann nun noch weniger vorwärtsgetrieben werden. Wenn das Kind aber einmal »kann«, dann ist der Stuhl oft so hart, dass die Schleimhaut am Anus einreißt – was wiederum das schmerzbedingte Stuhlverhalten begünstigt. Und so weiter.

Auch beim Morbus Hirschsprung (= angeborenes Riesenkolon, Megacolon congenitum) wird der Darm durch die Stuhlmassen aufgedehnt. Zugrunde liegt hier aber eine angeborene Störung der Darmnerven. Hier fehlen bestimmte Schaltzellen (Ganglien) in der Darmwand, so dass der betroffene Darmabschnitt (fast immer im Mastdarm, manchmal auch in höheren Darmabschnitten) krampfartig eng gestellt ist. Der Kot kann diese Engstelle dann nur schwer passieren und staut sich davor an. Manchmal zeigt sich dies schon in den ersten Lebenstagen durch einen Verhalt oder verspäteten Abgang des Mekoniums (Mekoniumileus). Vor allem Brustkinder überstehen jedoch die ersten Monate wegen der insgesamt weicheren Muttermilchstühlen oft gut. Bei anderen Säuglingen treten dagegen wechselnde Verstopfung und Durchfall auf. Oft tritt eine Gedeihstörung hinzu.

Leichtere Formen zeigen sich erst im Kleinkindalter oder auch noch später durch eine hartnäckige Verstopfung mit all ihren Varianten – vom Stuhlschmieren bis zum »paradoxen Durchfall«

Kinder mit Morbus Hirschsprung sind meist schwerer beeinträchtigt als solche mit Gewohnheitsverstopfung, leichtere Formen sind jedoch ohne weitere Untersuchungen kaum zu unterscheiden.


Das macht der Arzt

 

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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:58 Uhr )