Netzathleten Partner

Blutarmut

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:12 Uhr
Beitragsseiten
Blutarmut
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
Alle Seiten
Häufigkeit: Häufigkeit 3 von 5: Mittelhäufig

Bei einer Blutarmut (= Anämie) ist der rote Blutfarbstoff und meist auch die Zahl der roten Blutkörperchen vermindert.

Leitbeschwerden

  • Meist gar keine Beschwerden
  • Möglicherweise Müdigkeit, Spielunlust, Appetitlosigkeit
  • Möglicherweise Blässe der Haut, Lippen und Nägel
  • Möglicherweise Schwindel, z. B. beim Aufstehen aus dem Liegen oder der Hocke
  • Möglicherweise verminderte körperliche Belastbarkeit mit sehr raschem Pulsanstieg und Atemnot bei körperlicher Anstrengung

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Die Beschwerden Ihres Kindes zu einer Blutarmut passen.

Noch heute, wenn

  • Ihr Kind stecknadelkopfgroße bis flächige rote Flecken am Körper hat (Petechien), sie weisen möglicherweise auf Hautblutungen hin.

Das Wichtigste aus der Medizin

Die Blutarmut ist die häufigste Bluterkrankung im Kindesalter. Sie entsteht entweder durch ungenügende Produktion oder durch zu raschen Abbau der roten Blutkörperchen bzw. des darin enthaltenen roten Blutfarbstoffs.

Ungenügende Produktion

Blutarmut bei Kindern ist zu 90 % durch einen Eisenmangel bedingt – Kinder brauchen für ihr Wachstum besonders viel Eisen. Eisen ist aber auch ein notwendiger Bestandteil des roten Blutfarbstoffes, der bei Eisenmangel daher nur noch vermindert gebildet wird. Glücklicherweise ist die Eisenmangelanämie nur selten schwer ausgeprägt oder gar gefährlich.

Am häufigsten ist ein Eisenmangel bei Kindern durch eine unzureichende Eisenaufnahme mit der Nahrung verursacht – ein solcher Engpass kann insbesondere in den ersten zwei Lebensjahren und in der Pubertät vorkommen. Auch frühgeborene Kinder entwickeln in den ersten Monaten leicht einen Eisenmangel.

Manchmal ist zwar genug Eisen vorhanden, wird aber nicht in die roten Blutkörperchen eingebaut. Dies ist vor allem bei Infektionskrankheiten (Infektanämie), rheumatischen oder anderen chronischen Entzündungen im Körper der Fall. Es wird angenommen, dass diese verminderte Eisenverwertung einen Schutzmechanismus des Körpers darstellt und damit nicht krankhaft ist.

Erst an zweiter Stelle stehen erhöhte Eisenverluste, z. B. durch einen akuten Blutverlust bei Verletzungen oder chronische Blutverluste im Rahmen einer Darmentzündung.

Vitaminmangel, vor allem ein Vitamin-B12-oder Folsäuremangel, kann ebenfalls zu einer Blutarmut führen. Beide Mangelzustände können durch Fehlernährung bedingt sein, aber auch durch Darmerkrankungen wie etwa die Zöliakie, die dazu führen, dass Vitamin B12 oder Folsäure nicht ins Blut aufgenommen werden.

Alle Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet. So erklärt es sich, dass auch bei Knochenmarkerkrankungen (wie etwa einer Leukämie) die Bildung der roten Blutkörperchen gestört sein kann.

Typischerweise führt auch eine Nierenfunktionsstörung bei längerem Bestehen zu einer Anämie, da die kranken Nieren nicht mehr genug Erythropoetin produzieren, ein Hormon, welches die Bildung der roten Blutkörperchen fördert.

Gesteigerter Abbau

Normalerweise kreisen die roten Blutkörperchen etwa vier Monate im Blut, bevor sie abgebaut werden. Werden diese Blutkörperchen schon früher abgebaut, so kann eine sog. hämolytische Anämie(=Auflösungsanämie) resultieren. Leichte Fälle werden oft lange Zeit durch vermehrte Neubildung roter Blutzellen im Knochenmark ausgeglichen.

Die »Auflösungsform« der Blutarmut kann beispielsweise bei einigen Infektionen, nach Medikamenteneinnahme oder durch »falsche« Immunreaktionen auftreten. Meist ist sie jedoch erblich bedingt:

  • Bei der vor allem bei Kindern aus dem Mittelmeerraum und Afrika auftretenden Thalassämie wird ein »falscher« roter Blutfarbstoff gebildet, der die Blutkörperchen schädigt.
  • Bei der Sichelzellenanämie wird ebenfalls ein »falscher« roter Blutfarbstoff produziert mit der Folge, dass die roten Blutkörperchen zur Sichelform neigen und dann leichter zerstört werden.
  • Auch Stoffwechselstörungen in den roten Blutkörperchen können zu einem gesteigerten Abbau führen.

Beschwerden

Je weniger rote Blutkörperchen im Blut kreisen, desto weniger Sauerstoff kann zu den Zellen transportiert werden. Um den Bedarf des Organismus dennoch zu decken, muss das Herz schneller schlagen – vor allem bei körperlicher Anstrengung geraten die Kinder leicht außer Puste. Die generell verminderte Leistungsfähigkeit zeigt sich außerdem in Müdigkeit, Spielunlust und Appetitlosigkeit. Nicht selten wird den Kindern oft schwindelig. Da die »rote Farbe« im Blut weniger ist, sehen die Kinder häufig blass aus.

Nicht jedes »blasse« Kind leidet jedoch an einer Blutarmut! Die weitaus meisten Formen der Blässe sind durch einen bestimmten Hauttyp bedingt. Unterscheiden können Sie diese normale Blässe von einer Blutarmut, indem Sie die Schleimhäute im Mund und am Auge betrachten, die bei der Blutarmut ihr gesundes Rot verloren haben: Ziehen Sie etwa das Unterlid des Auges nach unten, so sehen Sie viele kleine Blutgefäße – sind diese »schön rot«, ist die Blässe nicht durch eine Blutarmut bedingt.

Je schneller sich eine Blutarmut entwickelt, desto stärker die Beschwerden. Umgekehrt kann eine langsam entstandene Blutarmut sehr lange keine Beschwerden bereiten.


Das macht der Arzt

 

» Hier weiterlesen

 

Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:44 Uhr )