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Bösartige Erkrankungen (Krebs) bei Kindern - Das Wichtigste aus der Medizin

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:22 Uhr
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Bösartige Erkrankungen (Krebs) bei Kindern
Das Wichtigste aus der Medizin
Vom Umgang mit dem tumorkranken Kind...
...und mit anderen Menschen
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Das Wichtigste aus der Medizin

Was heißt bösartig?

Bösartige Erkrankungen haben, so unterschiedlich sie auch sind, eines gemeinsam: Es handelt sich in allen Fällen um unkontrolliertes Zellwachstum kranker Zellen auf Kosten der gesunden Zellen.

Ständig teilen sich Zellen in unserem Körper, beim Kind wie beim Erwachsenen. Dabei werden kontrolliert immer genau so viele und genau diejenigen Zellen neu gebildet, wie sie gerade vom Körper benötigt werden. Manchmal entziehen sich Zellen dieser Kontrolle: Sie teilen sich schneller als die anderen, immer und immer wieder. Grenzen, etwa Organgrenzen, akzeptieren sie nicht mehr – sie breiten sich immer weiter aus und streuen Metastasen(=Tochtergeschwülste) aus. Gleichzeitig sind die unkontrolliert wachsenden Zellen nicht (mehr) in der Lage, ihre normalen Aufgaben im Organismus zu erfüllen.

Dieses unkontrollierte Wachstum verläuft anfänglich im Verborgenen. Wenn die ersten Beschwerden auftreten, sind schon Abermillionen kranker Zellen im Körper vorhanden.

Bösartige Erkrankungen – wodurch?

Die Eigenschaft einer Zelle, unkontrolliert zu wachsen, ist letztlich immer in Veränderungen der Erbinformation in ihrem Zellkern begründet und wird damit auch an alle Nachkommen dieser Zelle weitergegeben.

Die Wissenschaftler kennen zwar eine Reihe von Faktoren, die zu Veränderungen des Erbgutes und damit zur bösartigen Entartung einer Zelle führen können – angefangen beim schlichten Zufall und Fehlern bei den normalen Zellteilungen über radioaktive Strahlung und bestimmte Chemikalien, wie etwa Pestizide, bis hin zu Viren. Einige Krebserkrankungen treten familiär gehäuft auf, so dass hier die erbliche Veranlagung eine Rolle spielt.

Warum es aber im Einzelfall zur Entartung gekommen ist und warum die zunächst noch wenigen entarteten Zellen nicht vom Immunsystem vernichtet werden konnten, das bleibt in aller Regel unklar.

Dies lädt dann oft zu Spekulationen ein, ob vielleicht die Nahrung, Wasseradern, magnetische Felder, Kernkraftwerke usw. eine Rolle spielen könnten, was wegen des seltenen Auftretens und der langen Entstehungszeit wissenschaftlich oft weder bewiesen noch widerlegt werden kann.

Oftmals machen sich Eltern nach der Krebsdiagnose bei ihrem Kind Vorwürfe, etwas falsch gemacht zu haben, manchmal müssen sie sich sogar Vorhaltungen aus ihrer Umgebung anhören. Auch gesunde Geschwister oder vielleicht sogar das Kind selbst können von Schuldgefühlen geplagt werden. Diese Selbstvorwürfe sind unberechtigt: Während einige bösartige Erkrankungen bei Erwachsenen eindeutig mit einer ungesunden Lebensweise verbunden sind, sind bösartige Erkrankungen bei Kindern immer schicksalhaft.

Die Behandlung

Von Ausnahmen abgesehen, hat die Behandlung eines krebskranken Kindes immer die Heilung zum Ziel. Da aber bereits verhältnismäßig wenige nach der Behandlung noch vorhandene Tumorzellen ausreichen, um zu einem oft nur schwer behandelbaren Rezidiv(= Rückfall) zu führen, muss die Erstbehandlung möglichst alle bösartigen Zellen vernichten. Sie ist daher zwangsläufig aggressiv und mit Nebenwirkungen behaftet – der Preis für die hohe Heilungsrate.

Drei prinzipielle Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Operation: Bei sogenannten soliden Tumoren (d. h. örtlich begrenzten Tumor»knoten«) wird meist versucht, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen.
  • Bestrahlung: Auch eine hoch dosierte Bestrahlung kann Tumorgewebe vernichten. Bestrahlt werden beispielsweise Gehirntumoren, falls sie wegen ihrer Lage nicht operiert werden können.
  • Chemotherapie mit Zytostatika: Zytostatika sollen die Tumorzellen abtöten. Sie wirken jedoch nicht nur auf Tumorzellen, sondern prinzipiell auf alle Zellen, und zwar umso stärker, je schneller sie sich teilen. Dadurch zeigen sich die teilweise ernsten Nebenwirkungen der Chemotherapie vor allem durch verminderte Blutbildung, Durchfälle, Schleimhautentzündungen und – harmlos, aber psychisch sehr belastend – Haarausfall.

Krebskranke Kinder werden grundsätzlich in speziellen kinderonkologischen Zentren betreut, überwiegend sind dies Universitätskliniken. Ist die Erstbehandlung abgeschlossen, wird das Kind über Jahre in regelmäßigen Abständen untersucht, um eventuelle Rückfälle, aber auch Spätfolgen der Behandlung möglichst früh zu erkennen. Bei den meisten Krebserkrankungen bei Kindern ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nach fünf Jahren ohne Tumornachweis so gering, dass die Kinder als geheilt gelten können.



Aktualisiert ( Dienstag, den 31. März 2009 um 14:51 Uhr )