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Bösartige Erkrankungen (Krebs) bei Kindern - Vom Umgang mit dem tumorkranken Kind...

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:22 Uhr
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Bösartige Erkrankungen (Krebs) bei Kindern
Das Wichtigste aus der Medizin
Vom Umgang mit dem tumorkranken Kind...
...und mit anderen Menschen
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Vom Umgang mit dem tumorkranken Kind...

Meist kommt die Diagnose einer bösartigen Erkrankung plötzlich. Manchmal soll das Kind nur zu einer Routineuntersuchung oder wegen »banaler« Beschwerden zum Kinderarzt und wird dann gleich ins Krankenhaus eingeliefert. Seine ganze bis dahin so vertraute und sichere Welt bricht oft innerhalb von Stunden in sich zusammen. Es sieht sich in einer ungewohnten Umgebung mit zahllosen fremden Menschen konfrontiert und muss die verschiedensten, teils schmerzhaften Prozeduren über sich ergehen lassen.

Wie kann man diesem Menschlein denn am besten helfen, wie soll man mit ihm umgehen, was soll man ihm überhaupt sagen?

Clown bei krebskranken Kindern in der Klinik
Kind sein und Krebs haben –man kann sich eigentlich nichts weniger zueinander Passendes vorstellen. Doch in Wirklichkeit scheinen die Kinder ihre Krankheit oft besser begreifen zu können als wir Erwachsene. Eine Hilfe dazu können auch die sog. Klinik-Clowns sein, die nicht nur für Abwechslung sorgen, sondern auch die spielerische und altersgerechte Auseinandersetzung mit der Erkrankung fördern.
[ADM]

Schweigen schadet nur

Auch wenn es hierzu wenig Patentrezepte gibt – eines scheint sicher: Dem Kind die Erkrankung verschweigen zu wollen schadet nur. Das Kind spürt, dass seine Eltern anders sind als sonst, besorgter, vielleicht sogar panisch. Gleichzeitig muss es unangenehme und schmerzhafte Eingriffe über sich ergehen lassen.

In dieser Situation machen sich Eltern unglaubwürdig, wenn sie dem Kind erzählen, es sei »nichts Schlimmes«. Der Widerspruch zwischen Worten und Verhalten macht das Kind unsicher und nimmt ihm seine letzte Sicherheit, die es doch in dieser Situation so sehr bräuchte: die Gewissheit, dass es sich auf seine Eltern verlassen kann. Offenheit heißt also auch: dem Kind den Beistand und die Nähe geben, die es jetzt braucht.

Auch kleine Kinder können verstehen, dass sie kränker sind »als sonst« oder dass in ihrem Körper viele kleine Bösewichte ihr Unwesen treiben, die nur mit starken Medikamenten wieder vertrieben werden können.

Spürt das Kind, dass die Eltern nicht aufrichtig zu ihm sind, traut es sich nicht, ehrlich die Fragen zu stellen, die es bedrücken, und bleibt mit seinen Ängsten allein.

So viel Normalität wie möglich

Die Erkrankung bedeutet für das Kind auch, dass ihm seine kleinen, mühsam gewonnenen Selbstständigkeiten teilweise nicht mehr möglich sind. Einige Kinder fallen wieder auf (lange) vergangene Entwicklungsstufen zurück, möchten wieder »Baby sein«, andere nutzen jede Phase relativen Wohlbefindens, z. B. um zu lernen, sie klammern sich an die Schule, um sich ein Stück Normalität zu erhalten – und dies sollte man als Eltern auch zulassen.

Es ist selbstverständlich, dass man ein Kind, dem es schlecht geht, weitestmöglich entlastet und ihm damit eine Sonderrolle zugesteht. Geht es dem Kind jedoch wieder besser, ist es meist am besten, früher geübte Regeln und klein(st)e Pflichten wieder aufleben zu lassen, um auch hier ein Stück Normalität zu erhalten und Orientierung zu geben.



Aktualisiert ( Dienstag, den 31. März 2009 um 14:51 Uhr )