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Glomerulonephritis (Nierenentzündung)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:07 Uhr
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Glomerulonephritis (Nierenentzündung)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Häufigkeit: Häufigkeit 2 von 5: Eher selten

Unter dem Begriff Nierenentzündung oder Glomerulonephritis (nicht zu verwechseln mit der Nierenbeckenentzündung) werden die Entzündungen der Nieren zusammengefasst, die nicht von Bakterien verursacht werden und von den Nierenkörperchen ausgehen.

Glomerulonephritiden sind insgesamt selten. Am häufigsten sind heute Zwei- bis Zwölfjährige betroffen.

Leitbeschwerden

  • Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, oft mit Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit
  • Häufig Veränderungen des Urins, vor allem eine »schmutzig-braune« Farbe oder eine Verminderung der Urinmenge
  • Häufig Wassereinlagerungen (= Ödeme) im Gesicht (aufgedunsenes Gesicht, »verquollenes« Aussehen)
  • Oft Streptokokkeninfekt vor 2–4 Wochen

Wann zum Arzt

Noch heute, wenn

  • Die Beschwerden Ihres Kindes zu einer Glomerulonephritis passen.

Das Wichtigste aus der Medizin

Bei fast allen Glomerulonephritiden sind Autoimmunvorgänge beteiligt. Als Folge werden die Nierenkörperchen beider Nieren geschädigt und »undicht«, so dass vermehrt Eiweiße und Blutkörperchen in den Urin übertreten können. Möglicherweise sinkt die Urinproduktion so stark ab, dass die Nieren ihre Reinigungs- und Entgiftungsfunktion nicht mehr erfüllen können – das so entstehende Nierenversagen ist aber glücklicherweise selten.

Bei manchen Formen kann der Eiweißverlust über den Urin so stark sein, dass ein Mangel an Wasser bindenden Eiweißen im Blut entsteht. Das Wasser wandert nun aus den Blutgefäßen in die Körpergewebe ab und führt so zu oft schweren Wassereinlagerungen (= Ödemen). Besonders typisch sind Gesichtsödeme – das Gesicht des Kindes sieht verschwollen und aufgequollen aus. Diese Form der Nierenentzündung wird auch nephrotisches Syndrom genannt und kommt vor allem im Kleinkind- oder Kindergartenalter vor.

Ursachen von Nierenentzündungen

Oft bleibt die Ursache unbekannt. Manche Formen haben aber klare Ursachen:

  • Die akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis. Sie gehört zu den sog. Streptokokkenzweitkrankheiten und tritt 2–4 Wochen nach einer unzureichend behandelten eitrigen Angina, einem Scharlach oder (selten) einer eitrigen Hautentzündung auf. Sie entsteht dadurch, dass das Immunsystem nicht nur die Streptokokken bekämpft, sondern auch die (den Streptokokken teils ähnlichen) Nierenstrukturen.
  • Eine chronische Glomerulonephritis (= lang andauernde) entsteht z. B. im Rahmen einer Purpura Schönlein-Henoch oder einiger rheumatischer Erkrankungen.

Komplikationen

Besonders die akuten Nierenentzündungen nach Streptokokken-Infektionen verlaufen meist leicht und hinterlassen keine Spuren. Auch das zunächst oft dramatisch erscheinende nephrotische Syndrom heilt unter Behandlung über kurz oder lang meist aus.

Andere Formen der Nierenentzündung jedoch können rasch zu einem (akuten) Nierenversagen führen. Auch bei der chronischen Glomerulonephritis kann sich in ungünstigen Fällen über Monate oder Jahre ein Nierenversagen entwickeln.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 13:26 Uhr )