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Schnarchen und Schlaf-Apnoe (SAS)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:36 Uhr
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Schnarchen und Schlaf-Apnoe (SAS)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Schnarchen tritt bei den meisten Kindern immer einmal wieder auf, z. B. im Rahmen von Erkältungen. 7 % der 2- bis 6-jährigen Kinder schnarchen allerdings regelmäßig. Bei einem Viertel dieser Kinder ist das Schnarchen mehr als nur eine Lärmbelästigung: Bei ihnen sind die oberen Luftwege nachts so stark eingeengt, dass sie nicht genug Luft bekommen – diese nächtliche Atemstörung wird als obstruktive (= einengende) Schlaf-Apnoe oder auch als Schlaf-Apnoe-Syndrom (kurz SAS) bezeichnet.

Leitbeschwerden

  • Nächtliches lautes Schnarchen mit immer wieder auftretenden längeren Atempausen
  • Oft unruhiger Schlaf mit viel Bewegung, Alpträumen, evtl. auch Einnässen
  • Oft morgendliche »Anlaufschwierigkeiten«: Die Kinder sind schwer erweckbar, müde oder haben Kopfschmerzen
  • Häufige Verhaltensprobleme: Die Kinder sind tagsüber unkonzentriert oder hyperaktiv und haben nicht selten Schulprobleme
  • Selten begleitende Wachstumsverzögerung oder Gedeihstörung

Das Wichtigste aus der Medizin

Die Muskulatur des Körpers erschlafft im Schlaf. Auch der Rachen sackt nachts etwas »in sich zusammen«. Die so entstehende Enge muss nun durch stärkere Atemanstrengungen überwunden werden, man hört sie als Schnarchen. Dies erklärt auch, dass Kinder vor allem im Kindergartenalter schnarchen, in dem die lymphatischen Gewebe des Halses (Rachen- und Gaumenmandeln) besonders groß sind.

Während die meisten Kinder einfach etwas tiefer durchatmen, um mit der nächtlichen Engstelle fertig zu werden, werden bei manchen Kindern die oberen Atemwege im Schlaf so eng, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht genug Luft bekommen: Bei ihnen treten immer wieder Atempausen auf, in denen sie vergeblich gegen das Hindernis anatmen. Erst nach 5–15 Sekunden kommt ihnen der Körper durch eine Aufwachreaktion zu Hilfe. Diese kurzen Aufwachreaktionen sind nach außen nicht sichtbar und dem Kind nicht bewusst und heißen im Fachjargon daher auch micro arousals. Durch diese Notreaktion strafft sich die Muskulatur kurz – jetzt strömt wieder Luft durch den Rachen. Schon nach kurzer Zeit erschlafft der Rachen aber erneut, und der Kampf mit der Engstelle beginnt von vorn!

Kein Wunder, dass diese Kinder keinen erholsamen Schlaf haben und tagsüber »wie gerädert« sind. Nachts werfen sie sich im Bett umher, wachen oft auf, schlafen in ungewöhnlichen Stellungen wieder ein, haben Alpträume, schwitzen viel oder nässen ein. Morgens kommen sie nicht in die Gänge und klagen eventuell über Kopfweh. Viele Kinder sind auch tagsüber entweder müde und unkonzentriert oder aber paradoxerweise aufgedreht bis hyperaktiv. Kein Wunder, dass diese Kinder gar nicht so selten mit einem ADHS (fehl-)diagnostiziert werden.

Dazu kommt, dass während der Atempausen der Sauerstoff im Blut absinkt und sich das eigentlich durch die Lungen auszuscheidende Kohlendioxid im Blut ansammelt. Auch langfristig tut das dem Kind nicht gut – es wächst langsamer, gedeiht schlechter, und manchmal entwickelt sich sogar ein Bluthochdruck in den Lungenarterien, der wiederum das Herz belasten kann.

Ursachen

Meist ist ein Schlaf-Apnoe-Syndrom durch vergrößerte Gaumenmandeln oder Polypen bedingt. Dicke Kinder haben mehr Fettgewebe im Halsbereich und neigen deshalb ebenfalls zum Schlaf-Apnoe-Syndrom. Selten sind bestimmte Erkrankungen verantwortlich, z. B. ein Down-Syndrom (die große Zunge fällt im Schlaf leicht nach hinten), eine Muskelschwäche oder angeborene Schädelveränderungen.


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Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 13:50 Uhr )