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Hintergrundwissen Haut

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:46 Uhr
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Wie die Haut gebaut ist
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Mehr als eine »Hülle« um den Körper herum

Unsere Kinder »fühlen sich wohl in ihrer Haut« oder sie »fahren leicht aus der Haut« – je nach ihrer Gemütslage. Das ist lange bekannt.

Aber erst in den letzten Jahren wurde entschlüsselt, wie diese Wechselwirkung mit der Psyche zustande kommt. Demnach ist die Haut ein hart arbeitendes Organ, das Dutzende von Botenstoffen produziert und so beständig mit dem Rest des Körpers – und mit der Seele – kommuniziert. Frühgeborene, die häufig berührt oder gestreichelt werden, wachsen schneller und legen ein Drittel mehr an Gewicht zu als die allein dem Brutkasten überlassenen Frühgeborenen. Die durch Berührung der Haut freigesetzten Signalstoffe lassen nämlich auch die Wachstumshormone des Körpers ansteigen.

Berührungen lassen Babys aber nicht nur wachsen, sie heben auch die Stimmung. Die auf streichelnde Berührungen abgegebenen Zytokine (eine Art der oben genannten Botenstoffe) wirken auf die gleichen Gehirnteile wie die gegen Depressionen wirkenden Medikamente. Kein Wunder, dass sich da die Seele freut!

Wer ein Baby beobachtet, wie es sich unter den streichelnden Bewegungen seiner Eltern räkelt, wird zustimmen, dass die Haut unserer Kleinen viel zu oft unter einen Strampler weggepackt wird.

Emotionale Verbindung

Hautschichten: Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut
Die Haut besteht aus drei Schichten: der Oberhaut, die an ihrer Oberfläche aus bereits abgestorbenen und deshalb recht unempfindlichen Zellen besteht, der Lederhaut, welche Nervenzellen, Talgdrüsen, Haarbälge und auch die Schweißdrüsen beherbergt, sowie der Unterhaut mit Nerven und Blutgefäßen.
[GRA]

Über die Haut erfährt das Kind aber nicht nur das liebevolle Eingebundensein in die Welt, auch sein Immunsystem ist mit dieser wundersamen Oberfläche verschaltet. Wenn Sonne die Haut bescheint, kommt nicht nur die Produktion des knochenstärkenden Vitamin D in Gang, sondern es werden auch große Mengen an Interleukin 10 gebildet, einem entzündungshemmenden Botenstoff mit vielfältigen regulierenden Wirkungen im Immunsystem.

Kein Wunder also, dass Eltern – ohne sich all dieser Zusammenhänge unbedingt bewusst zu sein – seit jeher über makellose Babyhaut ins Schwärmen geraten und umgekehrt jedes Pickelchen mit Argwohn betrachten. Eine schöne Haut ist nun einmal wie eine schöne Verpackung – sie lockt an, macht neugierig, welcher Mensch sich darin verbirgt.

Umso schwerer haben es Kinder mit Ekzemen – nicht nur hat die Verpackung einige Knitterstellen, sie versagt auch ihren Dienst, Wohlbefinden zu vermitteln. Denn selbst wenn nur wenige Stellen betroffen sind – für das Kind juckt die ganze Haut, und Berührungen werden als unangenehm empfunden.

Daher umso willkommener sind die inzwischen weit fortentwickelten Medikamente, mit deren Hilfe sich heute etwa eine Neurodermitis meist gut unter Kontrolle bringen lässt.


Wissenswert

Meist machen wir uns die Tatsache gar nicht bewusst, aber die Haut ist mit einer Fläche von gut einem Viertel Quadratmeter beim Neugeborenen und immerhin 1 1/2 Quadratmetern beim Jugendlichen unser größtes Organ mit umfassenden Aufgaben:

  • Die Haut grenzt den Körper von der Außenwelt ab und schützt ihn nicht nur vor Wind und Wetter, sondern auch vor mechanischer Belastung (man denke etwa an die dicke Hornschicht an den Fußsohlen).
  • Mikroben (also Mikroorganismen), die trotz allem die Barriere der Hautoberfläche überwinden konnten, werden durch die in der Haut reichlich vorhandenen Abwehrzellen abgefangen, bevor sie größeren Schaden anrichten können – die Haut ist also auch für die Immunabwehr bedeutsam.
  • Die Haut ist aber auch von Billionen von gutartigen Bakterien besiedelt, die nicht nur potentielle Krankheitserreger in Schach halten, sondern auch helfen, den Säureschutzmantel aufrecht zu erhalten, der unsere Haut widerstandsfähig macht.
  • Die Haut ist gleichzeitig ein riesiges Sinnesorgan: Sie informiert uns über die Außentemperatur, empfindet Berührung, Druck und Vibration und warnt uns durch Schmerzen vor Schäden.
  • Durch die Abgabe von Schweiß reguliert die Haut die Körpertemperatur sowie den Wasser- und Salzhaushalt.
  • Selbst Stoffwechselfunktionen erfüllt die Haut – sie kann z. B. bei ausreichend Sonnenlicht Vitamin D aus Vorstufen herstellen.
  • Und nicht zuletzt ist die Haut, insbesondere die des Gesichtes, auch ein Kommunikationsorgan – das schuldbewusste Kind wird rot und zeigt so, dass es etwas zu verbergen hat.

Wie die Haut gebaut ist

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Die Haut: Sie ist die wichtigste Schutzhülle unserer Kinder, aber mehr noch ist sie ein Kommunikationsorgan, mit dem die Kinder ihre Umwelt erfühlen und erleben und ihr manchmal auch etwas mitteilen.
[ASL]

Wie ist nun dieses Organ beschaffen, das so vieles auf einmal kann? Die Haut hat beim Kind wie beim Erwachsenen drei Schichten:

  • Die äußerste Schicht ist die Oberhaut (= Epidermis). Sie hat keine Blutgefäße. Die Oberhaut regeneriert sich ständig: Frische Zellen aus tieferen Schichten wandern zur Oberfläche und wandeln sich dabei in eine »strapazierfähige« Hornschicht um.
  • In der Mitte liegt die Lederhaut (= Korium). Sie sorgt für die Verformbarkeit unserer Haut und ernährt die Oberhaut.
  • Unterste Hautschicht ist die Unterhaut (= Subkutis). Das Unterhautfettgewebe bildet eine wärmende und temperaturisolierende Schicht und ist gleichzeitig ein (manchmal gar nicht so erwünschter) Fettspeicher.

In Leder- und Unterhaut haben außerdem die Hautanhangsgebilde ihren Ursprung:

  • Die Haare haben beim Menschen ihre Schutzfunktion weitgehend verloren und sind heute in erster Linie von ästhetischer Bedeutung.
  • Die Nägel sind dicke, schützende Hornplatten. Die Fingernägel sind außerdem als fester Widerstand für die Fingerkuppe beim Greifen wichtig.
  • Die unterschiedlichen Hautdrüsen (Schweiß-, Talg- und Duftdrüsen) halten die Haut durch ihre Sekrete geschmeidig und bilden den Säureschutzmantel der Haut, der sie gegenüber Umwelteinflüssen widerstandsfähig macht.

Zwar ist die Haut eines Kindes prinzipiell gleich aufgebaut wie die eines Erwachsenen, die Oberhaut ist jedoch deutlich dünner und die Haut insgesamt empfindlicher (insbesondere gegen Sonnenlicht), andererseits aber auch regenerationsfähiger.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 17:31 Uhr )