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Hautallergien

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:56 Uhr
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Hautallergien
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
Möglichkeiten der Naturheilkunde
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Bei vielen allergischen Erkrankungen ist die Haut neben anderen Organen beteiligt. Bei manchen allergischen Erkrankungen aber stehen die Hauterscheinungen so im Vordergrund, dass sie als Hautallergien bezeichnet werden.

Hautallergien sind vor allem:

Allergische Kontaktekzeme sind bei kleinen Kindern selten. Mit zunehmendem Alter nehmen sie dann immer mehr zu, bis sie schließlich bei Erwachsenen die häufigste Ekzemform und die Hautallergie schlechthin darstellen.

Leitbeschwerden

  • Im akuten Stadium geschwollene, gerötete Haut mit Knötchen und Bläschen, die aufplatzen, nässen und Krusten bilden. Meist starker Juckreiz
  • Bei längerem Einwirken des Allergens gerötete, schuppende, verdickte Haut mit Rissen

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Ihr Kind einen hartnäckigen Ausschlag hat, den Sie sich nicht erklären können und der auf die üblichen Hautpflegemaßnahmen nicht verschwindet.
  • Ihr Kind wiederholt Hautausschläge hat, auch wenn sie zwischendurch wieder weggehen.

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind einen Hautausschlag hat, dessen Juckreiz Sie nicht in den Griff bekommen.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind mit einem (meist plötzlich entstandenen) Hautausschlag Atemnot bekommt, seine Lippen anschwellen oder es unruhig wird.

Das Wichtigste aus der Medizin

Wie entsteht eine Kontaktallergie?

Kontaktekzem bei Kleinkind
Das Kontaktekzem entsteht nach direktem Kontakt der Haut mit bestimmten Allergie-Auslösern. Oft jedoch ist der genaue Auslöser im Nachhinein nicht herauszubekommen, wie bei diesem zweijährigen Kind.
[TEP]

Die Kontaktallergie entsteht wie andere Allergien auch: Beim ersten Kontakt mit dem auslösenden Stoff, dem Allergen, passiert nach außen hin zunächst nichts. Das Allergen setzt bei empfänglichen Menschen lediglich eine »stumme« Reaktion in Gang, durch die sich viele genau auf dieses Allergen »spezialisierte« Abwehrzellen bilden.

Die Reaktion hat es aber in sich: Denn die Abwehrzellen haben zum einen ein unbestechliches, oft lebenslang anhaltendes Gedächtnis, und sie bringen das Immunsystem in »Hab-Acht-Stellung«. Kommt es dann zum erneuten Kontakt mit dem Allergen, so setzen die gebildeten Abwehrzellen in einer gut abgestimmten Reaktion Botenstoffe frei, welche wiederum die Haut entzünden – die Allergie tritt nun zutage.

Diese entzündliche Reaktion tritt jedoch erst nach 12–24 Stunden auf. Deshalb spricht der Mediziner bei der Kontaktallergie auch von einer allergischen Reaktion vom verzögerten Typ (im Gegensatz zu den sofort einsetzenden Typ-1-Allergien).

Begünstigt wird eine Kontaktallergie durch Neurodermitisherde, Verletzungen oder andere Schädigungen der Haut, da das Allergen dann leichter in die Haut eindringen kann.

Die Hitliste der Kontaktallergene

Es gibt unzählige Substanzen, die eine Kontaktallergie hervorrufen können. Trotzdem gibt es einige, die besonders allergen wirken. Bei Kindern am wichtigsten sind:

  • Metalle, wobei bei Kindern Nickel als häufiger Bestandteil von Jeansknöpfen und Modeschmuck am bedeutsamsten ist. Chromate als Bestandteile von Leder oder Baustoffen spielen erst bei Jugendlichen eine Rolle
  • Bekleidungsmaterialien (auch z. B. Farben und Appreturen in Textilien)
  • Hautpflegemittel und – bei Jugendlichen – Kosmetika, wobei Allergien auf alle Bestandteile (Wirkstoff, Duftstoff, Konservierungsmittel) möglich sind. Es kommen alle Pflegemittel von Seifen über Shampoos und Cremes bis hin zu Deos, Rasierwasser oder Parfum in Betracht
  • Pflanzenbestandteile, vor allem von Korbblütlern (etwa Kamille, Arnika- und Ringelblumen = Calendula), die oft als Zusatz zu Lösungen oder Salben äußerlich angewendet werden
  • Einige Salbengrundlagen (wie z. B. Wollwachs) und Desinfektionsmittel

Das Erscheinungsbild

Ein allergisches Kontaktekzem zeigt sich vor allem und am heftigsten dort, wo das Kontaktallergen die Haut berührt hat. Da die Substanz aber mit den Händen auf andere Körperstellen verteilt wird und ein allergisches Kontaktekzem auch streuen kann (d. h. auch an unberührten Hautbezirken Reaktionen auslösen kann), ist das Bild oft nicht so eindeutig, dass der »Ãœbeltäter« sofort identifiziert werden kann.

Für das akute allergische Kontaktekzem typisch sind unscharf begrenzte Herde mit Bläschen auf geröteter und geschwollener Haut, die dann platzen und nässende, oft verkrustete offene Stellen hinterlassen. Der Ausschlag juckt oft stark. Kommt das Kind nicht wieder mit der auslösenden Substanz in Kontakt, heilt der Ausschlag unter Schuppenbildung ab.

Kommt das Kind jedoch immer wieder mit der Substanz in Berührung, so bildet sich ein chronisches allergisches Kontaktekzem aus: Die Haut ist immer noch gerötet, aber nicht mehr so geschwollen, sondern erscheint verdickt, trocken-rissig und schuppt – die Veränderungen ähneln denen einer Neurodermitis.

Abzugrenzen: toxische Kontaktdermatitis

Typische Körperstellen für Kontaktekzeme
Typische Stellen für Kontaktekzeme. Betroffen sind vor allem Jugendliche, die entsprechende Gegenstände, oft mit nickelhaltigen Metalllegierungen hergestellt, am Körper tragen.
[AMR]

Insbesondere wenn der Zusammenhang zwischen Allergen und Ekzem nicht auf Anhieb ersichtlich ist, fällt die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen der Ekzemgruppe schwer.

Neben der Neurodermitis ist insbesondere eine toxische Kontaktdermatitis (= toxisches Kontaktekzem) in Betracht zu ziehen: Hier führen hautschädigende Stoffe direkt, also nicht auf allergischem Wege, zu einer entzündlichen Reaktion der Haut. Da keine allergischen Mechanismen beteiligt sind, erkranken beim toxischen Kontaktekzem prinzipiell alle Menschen, die mit der Substanz in Berührung kommen (die Erscheinungen können dennoch je nach Hautbeschaffenheit des Einzelnen unterschiedlich sein). Auch wenn das toxische Kontaktekzem dem allergischen Kontaktekzem ähnlich sieht, ist es doch eher scharf begrenzt und streut nicht. Manche Substanzen führen jedoch nur bei gleichzeitiger Lichteinwirkung zu einer Hautreaktion – der Mediziner nennt diese Formen phototoxische Kontaktdermatitis. Typisches Beispiel: Das Kind spielt tagsüber im Freien, abends erschreckt ein teils sehr heftiger Ausschlag an unbekleideten Körperstellen Kind wie Eltern. Vielfach sind Pflanzen hier die Ursache (»Wiesengräserdermatitis«).

Eine Sonderform des toxischen Kontaktekzems ist die Windeldermatitis.


Das macht der Arzt

Ein allergisches Kontaktekzem wird durch einen Epikutantest (eine Art des Allergietests) gesichert. Zwar gibt es standardisierte Testsubstanzen, die die häufigsten Allergene berücksichtigen, doch kann die Identifizierung – wie bei vielen anderen Allergien – manchmal ein richtiges Detektivspiel sein.

Ein allergisches Kontaktekzem spricht sehr gut auf kortisonhaltige Präparate an, die bei kurzzeitiger Anwendung auch keine Nebenwirkungen haben. Bei akuten Ekzemen sind Lotionen, bei chronischen Fettsalben die beste Grundlage.

Letztendlich kann das Kontaktekzem nur abheilen, wenn das Allergen herausgefunden und konsequent gemieden wird. Dies kann ganz einfach sein, aber auch eine grundlegende Lebensumstellung bedeuten, etwa wenn ein Jugendlicher in der Ausbildung zum Friseur eine Allergie auf Haarfärbemittel entwickelt.


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Es gibt keine naturheilkundlichen Verfahren, welche ein Kontaktekzem trotz weiteren Kontakts mit dem Allergen ausheilen lassen. A und O ist das Weglassen des Auslösers.

Aktualisiert ( Donnerstag, den 19. November 2009 um 09:50 Uhr )