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Windeldermatitis

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:58 Uhr
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Windeldermatitis
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Möglichkeiten der Naturheilkunde
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Häufigkeit: Häufigkeit 5 von 5: Weit verbreitet

Alle Eltern kennen die Windeldermatitis, wenn auch vielleicht unter dem Begriff wunder Po oder Wundsein. Rechtzeitig bemerkt, löst sich das Problem durch eine intensivierte Popflege binnen weniger Tage von selbst.

Leitbeschwerden

  • Hautrötung, in der Regel beginnend in der Analregion
  • Möglicherweise Ausbildung kleiner Knötchen und Schuppungen
  • Möglicherweise offene, nässende Stellen in dem geröteten Bezirk
  • Bei zusätzlicher Pilzinfektion Pusteln und Knötchen, die in die Umgebung streuen
  • Bei zusätzlicher bakterieller Infektion Bildung einzelner größerer, von einem roten Hof umgebener Knötchen oder Pusteln. Gelbliche Krusten können aufgelagert sein

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sich der wunde Po trotz konsequenter Popflege nach einer halben Woche nicht gebessert hat.
  • Die Rötung nicht mehr scharf begrenzt ist, sondern sich die Knötchen auch in der Umgebung bilden oder sich gelbe Krusten oder Bläschen entwickeln (Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Hefepilze oder Bakterien).

Das Wichtigste aus der Medizin

Warum sind Kinder so oft wund?

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Auf dem ersten Bild die »normale« Windeldermatitis, das heißt ohne Pilzinfektion. In der Mitte ein Windelsoor durch Infektion einer entzündeten Haut mit Hefepilzen. Im dritten Bild die Streupusteln bei einem anderen Kind im Detail.
[RKL/RKL/TEP]

Unter dem Windelpaket ist die zarte Kinderhaut immer stark belastet: Die dort zwangsläufig vorhandene Feuchtigkeit weicht die Haut auf und schwächt ihre Schutzfunktion. Urin und Stuhl tun ein Übriges, um die Haut zu reizen. Kein Wunder, dass schon eine geringe Verschlechterung der Hautbeschaffenheit, etwa durch Durchfall oder versäumten Windelwechsel, ausreichen kann, um das labile Gleichgewicht aus dem Lot zu bringen und zu sichtbaren Hautveränderungen zu führen.

Erfahrungsgemäß tritt eine Windeldermatitis besonders häufig nach Nahrungsumstellungen (erstes Zufüttern von Karotten, reichlicher Genuss von Fruchtsäften oder Zitrusfrüchten), bei Durchfall oder bei Infektionen an anderen Stellen des Körpers auf.

Infektion »pfropft sich auf«

Auf der durch die Windeldermatitis vorgeschädigten Haut haben auch Pilze oder Bakterien leichtes Spiel: An erster Stelle steht eine zusätzliche Besiedelung durch den Hefepilz Candida albicans (Windelsoor, siehe auch Soor). Die Hefepilzinfektion ist typischerweise daran zu erkennen, dass die Hautveränderungen nun nicht mehr scharf begrenzt sind, sondern sich Streuherde (einzelne Knötchen und Pusteln) in der Umgebung, z. B. dem Bauch oder den Oberschenkeln finden. Typisch ist hier auch die Schuppung am Rand des Ausschlags.

Erst mit deutlichem Abstand folgen die ernster zu nehmenden bakteriellen Infektionen, vor allem durch Staphylokokken. Sie sind durch einzelne, von einem deutlichen roten Hof umrandete Pusteln oder Knötchen zu erkennen (die beim Windelsoor gesehenen Pusteln sind viel kleiner, zahlreicher und haben keinen so ausgeprägten »zornig roten« Hof).


Das macht der Arzt

Eine einfache Windeldermatitis ist in aller Regel mit den rechts dargestellten Selbsthilfemaßnahmen in den Griff zu bekommen. Bei offenen Stellen verordnet der Arzt evtl. desinfizierende oder gerbstoffhaltige Präparate (z. B. Farbstoffe, Chlorhexidin, Tannosynth®) zum Auftragen oder Aufpinseln, seltener auch für Bäder oder feuchte Umschläge. Hierdurch wird die Haut »trockengelegt« und einer Infektion vorgebeugt.

Ist es bereits zu einer zusätzlichen Hautinfektion durch Pilze oder Bakterien gekommen, verordnet der Arzt antimykotische (= gegen Pilze wirksame) Lotionen oder Cremes. In sehr ausgeprägten Fällen können antimykotische Medikamente zum Schlucken notwendig sein, damit Pilze aus dem Darm nicht immer wieder zu einem erneuten Befall der Windelregion führen (siehe auch Haupteintrag Soor).

Bei bakteriellen Hautinfektionen sind gegen Bakterien wirksame Cremes notwendig. Vor allem junge Säuglinge müssen manchmal aber auch antibiotische Tabletten einnehmen, bei Fieber ist unter Umständen sogar eine intravenöse Behandlung im Krankenhaus unumgänglich.


So helfen Sie Ihrem Kind

Wundsein kommt bei der besten Popflege vor, ein schlechtes Gewissen ist daher nicht angebracht. Sobald Sie beim Wickeln merken, dass Ihr Kind wund wird, intensivieren Sie einfach die normale Popflege: Wickeln Sie Ihr Kind jetzt nach jeder Mahlzeit und zusätzlich bei »positivem Riechtest«, damit Urin und Stuhl möglichst wenig Gelegenheit haben, die zarte Haut zu reizen. Besser noch ist Wickeln ungefähr alle zwei Stunden, also noch jeweils einmal zwischen den Mahlzeiten. Nichts geht jedoch über die Heilwirkung frischer Luft: Lassen Sie Ihr Kind möglichst oft mit nacktem Po auf einer Decke strampeln.

Zur Säuberung bieten sich ölgetränkte Tücher oder ein weicher Waschlappen und Wasser an, danach wird die Haut vorsichtig trockengetupft (nicht reiben!). Tut auch vorsichtiges Tupfen dem Kind noch sehr weh, können Sie den Po auch mit lauwarmer Luft trockenfönen. Verbrennungen verhindern Sie, indem Sie immer wieder zwischendurch mit der Hand die Temperatur überprüfen. Für die Zeit des Wundseins sollten Sie außerdem statt der normalen Babycreme eine zinkhaltige Salbe verwenden (z. B. Desitin®), welche die Haut schützt. Puder sind ungünstig, da sie verklumpen und dann die Haut eher aufscheuern als pflegen.

Entgegen früherer Ansicht bieten Stoffwindeln keine Vorteile; die heute handelsüblichen Einmalwindeln saugen Feuchtigkeit sehr gut auf. Es kann allerdings sein, dass Ihr Kind auf einen Wechsel der Windelmarke oder bei Stoffwindeln auf ein anderes Waschmittel mit einer Hautreizung reagiert. Dann sollten Sie besser wieder zur vorher verträglichen Windel- bzw. Waschmittelmarke zurückkehren.

Ist die Windeldermatitis nach einer Nahrungsumstellung aufgetreten, besteht kein Grund zur Panik. Es handelt sich in aller Regel nicht um eine Allergie, sondern um eine natürliche Reaktion auf die neue Nahrung, die den Stuhlgang eine Zeit lang verändert. Durch intensivierte Popflege gewöhnt sich die Haut bald an die neue Nahrung. Nur selten ist es erforderlich, das neu gefütterte Nahrungsmittel vorerst wieder wegzulassen und dann nach Abklingen der Hauterscheinungen ganz langsam wieder einzuführen.


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Gerbstoffhaltige Pflanzenextrakte als Zusatz zu einem (Sitz-)Bad können die Abheilung der Windeldermatitis beschleunigen. Zur Basispflege bei Windeldermatitis hat sich die Calendula-Heilsalbe bewährt. Der Apotheker kann Ihnen auch eine individuelle Salbe mit Zinkanteil und Pflanzenextrakt mischen. In beiden Fällen kommen z. B. Calendula, Eichenrinde, Hamamelis oder Kamille in Betracht.

Die empfindliche Haut wird am besten mit warmem Schafgarbentee gereinigt (1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen).

Aktualisiert ( Donnerstag, den 19. November 2009 um 09:51 Uhr )