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Warzen (Verruccae)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 13:10 Uhr
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Warzen (Verruccae)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Auch wenn es zunächst merkwürdig anmuten mag: Warzen (= Verruccae) sind keine kleinen Tumoren, sondern eine Hautinfektion durch Viren. Warzen sind sehr häufig, fast jedes Kind bekommt sie früher oder später, oft im späten Grundschulalter. Warzen sind zwar kosmetisch störend, ansonsten aber harmlos und gehen über Monate oder Jahre meist von selbst wieder weg.

Leitbeschwerden

  • Gewöhnliche Warzen: hautfarbene, mit zunehmender Größe rauer werdende Hautwucherungen vor allem an den Fingern und Zehen. Nicht schmerzhaft
  • Fußsohlenwarzen: flache, raue, weißliche, Knoten, meist umgeben von dicker Hornhaut. An druckbelasteten Stellen oft sehr schmerzhaft
  • Flachwarzen: schmerzlose, winzige runde Knötchen im Gesicht
  • Dellwarzen: hautfarbene rundliche Erhebungen mit einer Delle in der Mitte, meist an Gesicht, Hals oder Oberkörper

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn

  • Gewöhnliche Warzen auch nach langer Zeit (etwa nach zwei Jahren) noch nicht weg sind.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Kind Warzen hat oder nicht doch etwas anderes.
  • Die Warzen im praktischen Alltag sehr stören, weil sie ungünstig lokalisiert sind – etwa unter dem Fußballen – oder häufig bluten.
  • Ihr Kind gemeinsam mit Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis) Dellwarzen hat.
  • Dellwarzen sich ausbreiten.

Das Wichtigste aus der Medizin

Woher kommen Warzen?

So verschieden die Warzen auch aussehen, eins haben alle gemein: Es handelt sich immer um Virusinfektionen der Haut. Die Viren führen zu einer überschießenden Zellvermehrung in den obersten Hautschichten und damit zu den typischen Hautwucherungen.

»Gewöhnliche« Warzen

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Warzen werden in Märchen zwar meist alten Hexen angedichtet, in Wirklichkeit sind sie aber harmlose, virusbedingte Hautwucherungen und im Grundschulalter besonders häufig. Gerade die hier im Bild gezeigte gewöhnliche Warze geht mit ein bisschen Geduld oft von alleine weg. Das Kind hier hat sich außerdem beim Nägelschneiden verletzt – solche Verletzungen sind manchmal die »Eintrittspforte« für weitere Infektionserreger.
[RKL]

Die Familie der gewöhnlichen Warzen (vulgäre Warzen) wird durch verschiedene humane Papilloma-Viren hervorgerufen. Übertragen werden die Viren entweder direkt von Mensch zu Mensch oder indirekt z. B. über Fußböden in Schwimmbädern. Das »Angehen« der Viren wird begünstigt durch eine gestörte Barrierefunktion der Haut (z. B. bei ständig feuchter Haut, Verletzungen oder Vorerkrankungen der Haut), feucht-kalte Hände oder Füße oder eine allgemeine Abwehrschwäche. Oftmals ist aber keine Ursache feststellbar.

Gewöhnliche Warzen: viele Gesichter

An den Streckseiten der Finger und Zehen (gerade bei Fingern oft um den Nagel herum) bilden sich die für die gewöhnlichen Warzen typischen hautfarbenen Wucherungen. Anfangs nur ein stecknadelkopfgroßes Knötchen, können sie später zusammenfließen, werden mit zunehmender Größe immer rauer und bluten möglicherweise.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich an der Fußsohle, da die Warzen durch die Druckbelastung nicht nach außen wachsen können. Fußsohlenwarzen (= Dornwarzen, Plantarwarzen) sind daher flach oder allenfalls leicht erhaben und oft von dicker Hornhaut umgeben. Kleine schwarze Punkte oder Streifen sind durch winzige Blutungen bedingt. Fußsohlenwarzen können beetartig zusammenfließen und heißen dann Mosaikwarzen. Wegen der nicht zu vermeidenden Druckbelastung sind Fußsohlenwarzen oft schmerzhaft – eben wie ein Dorn.

Ebenfalls durch Papilloma-Viren verursacht werden die Flachwarzen (= plane Warzen). Diese flachen, rötlichen Gebilde sind vor allem im Gesicht und an den Händen oft zahlreich zu finden.

Sämtliche Vertreter der gewöhnlichen Warzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in aller Regel nach 1–2 Jahren, manchmal auch erst nach 10 Jahren, von selbst ohne Narben abheilen, wenn sich der Körper ausreichend mit dem Virus auseinander gesetzt hat. Erwachsene sind vor einer erneuten Infektion nur teilweise geschützt, da es mehrere Stämme der Papilloma-Viren gibt.

Feigwarzen

Die durch bestimmte Papilloma-Viren hervorgerufenen Feigwarzen (= Feuchtwarzen, spitze Kondylome) sind im Gegensatz zu den vorgenannten Warzen bei Kindern selten.

Der Grund: Sie werden in erster Linie durch sexuellen Kontakt übertragen – entsprechend finden sich die Warzen vor allem im Geschlechts- und Analbereich. Feigwarzen bei einem Kind sollten daher auch (aber nicht nur!) an einen sexuellen Missbrauch denken lassen und müssen stets vom Arzt behandelt werden, da sie nicht von selbst weggehen.

Dellwarzen

Dellwarzen neigen zur Ausbreitung
Dellwarzen haben ihren Namen von der kleinen Delle in der Mitte. Auch Dellwarzen sind keine ernsthafte Erkrankung, da sie aber recht ansteckend sind und zur Ausbreitung neigen, sollten sie vom Kinderarzt behandelt werden.
[RKL]

Durch ein (harmloses!) Virus der Pockengruppe verursacht werden die Dellwarzen (= Mollusca contagiosa). Die hautfarbenen Knötchen sehen aus wie kleine Perlen mit einer Delle in der Mitte und treten vor allem an Gesicht, Hals und Oberkörper auf. Bei Druck entleert sich ein Sekret, das hoch virushaltig und damit ansteckend ist.

Der Krankheitsverlauf bei Dellwarzen ist variabler als bei den gewöhnlichen Warzen, in der Regel aber ebenso gutartig. Sie gehen meist nach gut einem halben Jahr von selbst wieder weg. Nur selten besteht dabei die einzelne Dellwarze länger als zwei Monate. Bei manchen Kindern können sich die Dellwarzen aber erheblich ausbreiten. Insbesondere bei Kindern mit Neurodermitis werden oft Hunderte von Warzen beobachtet.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 13:41 Uhr )