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Eine Halsentzündung(= Pharyngitis) kann prinzipiell in jedem Lebensalter vorkommen. Sie tritt entweder alleine oder im Rahmen einer Erkältungskrankheit auf, bei der auch die übrigen oberen Luftwege befallen sind. Bei der Halsentzündung sind meist auch die seitlich am hinteren Racheneingang sitzenden Gaumenmandeln betroffen. Bei manchen Halsentzündungen steht die Entzündung der Gaumenmandeln ganz im Vordergrund. Bei einer solchen akuten Mandelentzündung (= akute Angina tonsillaris, kurz Angina, akute Tonsillitis) haben sich vor allem die zwischen Mund und Rachen gelegenen Gaumenmandeln stark entzündet. Besonders häufig werden Kinder im späten Kindergarten- und frühen Grundschulalter von ihr geplagt. Vor dem ersten Geburtstag hingegen ist die akute Mandelentzündung selten. Leitbeschwerden
Inkubationszeit je nach Erreger, meist wenige Tage Ansteckend schon 1–2 Tage vor Beginn der Beschwerden, Dauer je nach Erreger Wann zum ArztAm nächsten Tag, wenn
Heute noch, wenn
Sofort, wenn
Die RacheninspektionUm eine Halsentzündung selbst festzustellen, gehen Sie folgendermaßen vor: Lassen Sie Ihr Kind den Kopf zurücklegen, den Mund so weit wie möglich öffnen und ein langgezogenes »aaaahhhh« sagen. Im Schein eines hellen Lichtes (z. B. Taschenlampe) lässt sich nun die Rachenhinterwand erkennen. Verdeckt die Zunge die Sicht, so nehmen Sie einen möglichst breiten Löffelstiel und drücken Sie die Zunge nach unten (Vorsicht Brechreiz). Achten Sie auf die eventuellen Eiterbeläge, vor allem auf den Mandeln. Das Wichtigste aus der Medizin Die Rachen- und Gaumenmandeln sollen Krankheitserreger der Atemluft unschädlich machen. Die Rachenmandel liegt oberhalb und hinter dem Zäpfchen, sie ist bei geöffnetem Mund nur bei starker Vergrößerung zu sehen. Die Gaumenmandeln (links im Bild eitrig entzündet) sind dagegen bei allen Kindern zu erkennen, wenn man die Zunge z. B. mit dem Griff eines Löffels nach unten drückt. [Beide: AMR] Im Rachen befindet sich reichlich Abwehrgewebe, das die tieferen Luftwege durch rechtzeitiges »Abfangen« von Krankheitserregern vor Infektionen schützen soll. Zu diesem lymphatischen Rachenring gehören auch die Rachenmandeln und die beiden Gaumenmandeln. Da die Gaumenmandeln also bei der Abwehr von Krankheitserregern mit »an vorderster Front« stehen und sich der kindliche Organismus mit einer Vielzahl unbekannter Erreger auseinander setzen muss, ist eine Mandelentzündung bei Kindern sehr häufig. Was steckt hinter den Halsschmerzen?Eine Halsentzündung bzw. akute Mandelentzündung kann durch eine Vielzahl von Krankheitserregern verursacht werden, am häufigsten durch Viren. Das Kind hat typischerweise nur leichtes Fieber, der Hals kratzt, tut (mäßig) weh und ist gerötet. Auch gleichzeitiger Husten, Bindehautentzündung oder Nasenlaufen weisen darauf hin, dass ein Virus die Ursache ist. Sonderformen viraler Mandelentzündungen treten bei der Hand-Mund-Fuß-Krankheit und beim Pfeiffer-Drüsenfieber auf. An zweiter Stelle der Erreger stehen Bakterien und hier allen voran die Streptokokken. Klassischerweise bekommen die Kinder innerhalb nur weniger Stunden hohes Fieber und starke Halsschmerzen, erbrechen vielleicht ein- oder zweimal und machen einen »richtig« kranken Eindruck. Der bei viralen Hals- bzw. Mandelentzündungen oft begleitende Schnupfen oder Husten fehlt fast immer. Der Rachen ist nicht nur ein bisschen gerötet, sondern hochrot, und meistens erkennt auch der Ungeübte spätestens am zweiten Tag weißlich-gelbe, eitrige Beläge auf den Mandeln. Der Atem des Kindes riecht süßlich-übel. Eine wichtige Sonderform dieser Streptokokken-Angina ist der Scharlach, wohingegen die ebenfalls charakteristische Mandelentzündung bei Diphtherie im deutschsprachigen Raum heute eine Rarität ist. Mandelentzündungen durch Pilze, am häufigsten durch Hefepilze (z.B. Soor), sind selten und treten nur bei abwehrgeschwächten Kindern auf. Gefährlich: AbszessbildungSelten einmal breiten sich die Bakterien in die Umgebung der Mandeln aus und führendort zu einer abgekapselten Eiterhöhle, einem Peritonsillarabszess oder, bei Abkapselunghinter dem Rachen, zu einem Retropharyngealabszess. Nehmen die Schluckbeschwerdenbei einer bakteriellen Mandelentzündung nicht ab und wird das Mundöffnen schwerer und schmerzhafter, sollten Sie daher baldmöglichst zum Kinderarzt gehen. Nach einer (unbehandelten) Streptokokken-Angina können sich außerdem wie beim Scharlach ein Rheumatisches Fieber oder eine Nierenentzündung entwickeln. Das macht der Arzt Nicht selten fließen bei einer eitrigen Angina die Beläge auf den Mandeln nach 1–2 Tagen zusammen und bilden regelrechte »Eiterstraßen«. Meist haben die Kinder bei einem solchen Befund erhebliche Schluckbeschwerden und mögen nichts Festes zu sich nehmen. [RKL] Entscheidende Frage für den Arzt ist, ob Viren oder Bakterien die Ursache der Angina sind. Dies ist durch eine einfache körperliche Untersuchung oft nicht zuverlässig zu klären – (geringe) weißliche Beläge können auch bei einer virusbedingten Mandelentzündung auftreten, umgekehrt können auch Bakterien »nur« zu einem roten Hals führen. In vielen Kinderarztpraxen sind daher heute Streptokokkenschnelltests vorrätig, die ab dem zweiten Krankheitstag mit ungefähr 90%iger »Treffsicherheit« Streptokokken in einem Rachenabstrich nachweisen. Möglicherweise legt der Arzt auch eine Kultur des Abstrichs an, die nach 24 Stunden abgelesen wird und dem Schnelltest noch immer an Genauigkeit überlegen ist. Antibiotika – ja oder nein?Bei einer virusbedingten Mandelentzündung sind Antibiotika nutzlos. Hingegen sollte eine bakterielle Angina mit Antibiotika behandelt werden, um Folgeerkrankungen wie das Rheumatische Fieber zu vermeiden. Bei der bakteriell bedingten Angina (die bei Kindern meist durch Streptokokken bedingt ist) werden die in aller Regel gut verträglichen Penicilline gegeben, bei Penicillinallergie kommt z. B. Erythromycin in Betracht. Meist dauert es nur 1–2 Tage, bis das Antibiotikum wirkt und es dem Kind deutlich besser geht. Hat das Kind starke Schmerzen, können Sie ihm Paracetamol geben, um diese Zeit zu überbrücken. Nachsorgeuntersuchungen nach einer antibiotisch behandelten, unkompliziert verlaufenen eitrigen Angina (z. B. zur Kontrolle von Herz und Urin) sind heute in der Regel nicht erforderlich. Wann müssen die Mandeln raus? Bei einer Streptokokken-bedingten Mandelentzündung zeigen sich häufig weiß-gelbe Beläge oder »Stippchen« auf den Mandeln, die auch Sie als Eltern erkennen können. Die Mandeln dieses Kindes sind außerdem so angeschwollen, dass sie sich sogar in der Mitte fast berühren – nicht umsonst leitet sich der Name »Angina« von dem lateinischen Wort für »verengen« ab. [RKL] Früher waren die Ärzte mit der Mandelentfernung (= Tonsillektomie) recht großzügig. Seitdem man weiß, wie wichtig die Mandeln für das Abwehrsystem sind, ist das anders: Große Mandeln ohne Entzündungszeichen sind bei Kindern als normales Zeichen der Auseinandersetzung mit den Keimen in ihrer Umwelt zu sehen und kein Grund zur Mandelentfernung. Wenn die Kinder dem Kindergartenalter entwachsen, schrumpfen die Mandeln von selbst wieder. Operiert werden sollte nur, wenn die Mandeln aufgrund ihrer Größe zu Luftnot oder Schluckbehinderung (beides extrem selten) führen. Nicht ganz so selten behindern die großen Mandeln allerdings die Atmung im Schlaf, was sich durch Schnarchen und eine »angestrengte« Atmung mit längeren Atempausen bemerkbar macht (sog. kindliches Schlaf-Apnoe-Syndrom. Unter bestimmten Umständen kann hier die Entfernung der Mandeln angezeigt sein. Auch gelegentliche Mandelentzündungen sind kein Grund zur Mandeloperation. Erst wenn ein Kind mehr als 6–8 bakterielle Mandelentzündungen pro Jahr hat, befürworten die meisten Mediziner eine Mandelentfernung, wenn irgend möglich aber erst nach dem vierten Geburtstag. Auch wenn die Mandelentzündung chronisch geworden ist (die Bakterien also gar nicht mehr weggehen) oder sich ein Abszess entwickelt hat, müssen die Mandeln entfernt werden, da die Entzündung sonst nicht ausheilen kann. Für die Mandelentfernung muss das Kind 3–4 Tage im Krankenhaus bleiben. Von der Operation selbst merkt das Kind nichts, da sie immer in Vollnarkose durchgeführt wird. In den ersten Tagen danach tun jedoch Schlucken, Essen und Trinken weh. Lauwarme Getränke und flüssig-breiige (Wunsch-)Kost werden jedoch in aller Regel nicht abgelehnt, und Eis (kein Fruchteis) hat sich seit Jahrzehnten nach Mandeloperationen bewährt. Nach der Operation dauert es 1–2 Wochen, bis das Kind wieder völlig fit ist, und so lange sollte es auch aus Kindergarten oder Schule zu Hause bleiben. Da es nicht selten nach einer Woche bis zehn Tagen zu Nachblutungen kommt, wenn sich der Wundschorf abstößt, sollte das Kind auf Sport, Schwimmen und Toben zwei Wochen lang verzichten. Mit dem Essen können Sie sich ruhig nach dem Appetit des Kindes richten. Säurehaltige Speisen und Getränke reizen allerdings die Wunde und sollten daher erst ab der zweiten Woche probiert werden. So helfen Sie Ihrem KindZunächst einmal sollte Ihr Kind so lange im Bett bleiben, wie es Fieber hat. Die Raumluft sollte nicht zu trocken sein. Falls Sie eine Schüssel zur Luftbefeuchtung aufstellen, können Sie dem Wasser z. B. zwischen den Händen fein geriebenen Thymian oder Salbei zusetzen. Eine rauchfreie Umgebung sollte selbstverständlich sein. Je höher das Fieber ist, desto wichtiger wird das Trinken. Das Essen tritt wegen des Halswehs für ein paar Tage ins zweite Glied. Und dann sind anfangs flüssig-breiige Speisen wie Pudding, Grießbrei oder Gemüsepüree angesagt. Sie können Ihrem Kind auch ruhig ein Eis anbieten oder selbst bereitete Eiswürfel (auch aus Tee oder mit Saftzusatz) zum Lutschen geben. Die Kälte lindert zumindest kurzzeitig die Schmerzen. Käufliche desinfizierende Mundspülungen oder Lutschtabletten sind in der Regel verzichtbar – naturheilkundliche Alternativen sind meist ebenso wirkungsvoll und preiswerter. Lutschtabletten mit lokalanästhetischer (= örtlich betäubender) Wirkung sollten zurückhaltend angewendet werden, da das Kind sich wegen des betäubten Rachens leichter verschluckt (also nicht vor den Mahlzeiten geben). Rezept: Halswehtee aus SalbeiEntweder einige frische Salbeiblätter oder 1/2 Teelöffel getrockneter Blätter mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, dann abgießen. Mit einem Schluck lauwarmen Tee so oft wie möglich gurgeln und dann hinunterschlucken. Mundspülungen oder – wenn das Kind dies beherrscht – Gurgeln mit Kamille- oder Salbeitee mehrmals täglich beruhigen und reinigen die gereizten Schleimhäute. Dieselbe Wirkung lässt sich durch Kräuterbonbons erzielen, die Ihnen bestimmt mehr Beifall einbringen werden. Als Halswehtee hilft vor allem Salbeitee (siehe Rezeptvorschlag). Seit Großmutters Zeiten gut bewährt haben sich Halswickel, wobei sich Halswickel mit kleingeschnittenen, erwärmten Zwiebeln (mehrfach täglich), Halswickel mit Magerquark (möglichst am Hals lassen, bis die Masse trocken ist) oder Zitronenhalswickel (je nach Empfinden des Kindes mit heißem oder kalten Zitronensaft) besonders empfehlen. Möglichkeiten der NaturheilkundeAus der Pflanzenheilkunde kommen z. B. Angocin® (ab vier Jahren), Meditonsin® oder Tonsilgon® in Betracht. Homöopathisch orientierte Ärzte unterstützen die Heilung je nach Zustand des Kindes z. B. mit Aconitum D30, Belladonna D30, Hepar sulfuris D6 oder mit einem Komplexmittel (z. B. Zinnober comp.®). VorsorgeNeigt Ihr Kind zu Mandelentzündungen, können Sie alle Register allgemein abhärtender Maßnahmen ziehen. |






