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Hals- und Mandelentzündungen (Pharyngitis und Angina tonsillaris)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Häufigkeit: Häufigkeit 5 von 5: Weit verbreitet

Eine Halsentzündung(= Pharyngitis) kann prinzipiell in jedem Lebensalter vorkommen. Sie tritt entweder alleine oder im Rahmen einer Erkältungskrankheit auf, bei der auch die übrigen oberen Luftwege befallen sind. Bei der Halsentzündung sind meist auch die seitlich am hinteren Racheneingang sitzenden Gaumenmandeln betroffen.

Bei manchen Halsentzündungen steht die Entzündung der Gaumenmandeln ganz im Vordergrund. Bei einer solchen akuten Mandelentzündung (= akute Angina tonsillaris, kurz Angina, akute Tonsillitis) haben sich vor allem die zwischen Mund und Rachen gelegenen Gaumenmandeln stark entzündet. Besonders häufig werden Kinder im späten Kindergarten- und frühen Grundschulalter von ihr geplagt. Vor dem ersten Geburtstag hingegen ist die akute Mandelentzündung selten.

Leitbeschwerden

  • Halsschmerzen (möglicherweise ins Ohr ausstrahlend), Schluckbeschwerden
  • Hals und Mandeln gerötet, möglicherweise mit weiß-gelben (eitrigen) Belägen
  • Geschwollene Lymphknoten unter dem Kiefer und am Hals
  • Bei Virusinfekten leichtes Fieber, eher gering beeinträchtigtes Allgemeinbefinden
  • Bei bakteriellen Infekten hohes Fieber, Kopfschmerzen und ein starkes Krankheitsgefühlst
  • Bei Säuglingen Trinkschwäche, bei Kleinkindern Nahrungsverweigerung

Inkubationszeit je nach Erreger, meist wenige Tage

Ansteckend schon 1–2 Tage vor Beginn der Beschwerden, Dauer je nach Erreger

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Ihr Kind länger als drei Tage (mäßige) Halsschmerzen hat, dabei aber nicht »richtig« krank scheint.

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind zusätzlich zu den Halsschmerzen hohes Fieber hat oder Sie auf den Mandeln weiß-gelbe Beläge sehen.
  • Ihr Kind mit Halsschmerzen einen Hautausschlag hat.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind Atemnot (durch die entzündungsbedingt vergrößerten Mandeln) bekommt.
  • Ihr Kind den Mund nicht öffnen oder nicht schlucken kann.

Die Racheninspektion

Um eine Halsentzündung selbst festzustellen, gehen Sie folgendermaßen vor: Lassen Sie Ihr Kind den Kopf zurücklegen, den Mund so weit wie möglich öffnen und ein langgezogenes »aaaahhhh« sagen. Im Schein eines hellen Lichtes (z. B. Taschenlampe) lässt sich nun die Rachenhinterwand erkennen. Verdeckt die Zunge die Sicht, so nehmen Sie einen möglichst breiten Löffelstiel und drücken Sie die Zunge nach unten (Vorsicht Brechreiz). Achten Sie auf die eventuellen Eiterbeläge, vor allem auf den Mandeln.


Das Wichtigste aus der Medizin

Entzündung der Rachenmandeln und Gaumenmandeln
Rachenmandeln und Gaumenmandeln
Die Rachen- und Gaumenmandeln sollen Krankheitserreger der Atemluft unschädlich machen. Die Rachenmandel liegt oberhalb und hinter dem Zäpfchen, sie ist bei geöffnetem Mund nur bei starker Vergrößerung zu sehen. Die Gaumenmandeln (links im Bild eitrig entzündet) sind dagegen bei allen Kindern zu erkennen, wenn man die Zunge z. B. mit dem Griff eines Löffels nach unten drückt.
[Beide: AMR]

Im Rachen befindet sich reichlich Abwehrgewebe, das die tieferen Luftwege durch rechtzeitiges »Abfangen« von Krankheitserregern vor Infektionen schützen soll. Zu diesem lymphatischen Rachenring gehören auch die Rachenmandeln und die beiden Gaumenmandeln. Da die Gaumenmandeln also bei der Abwehr von Krankheitserregern mit »an vorderster Front« stehen und sich der kindliche Organismus mit einer Vielzahl unbekannter Erreger auseinander setzen muss, ist eine Mandelentzündung bei Kindern sehr häufig.

Was steckt hinter den Halsschmerzen?

Eine Halsentzündung bzw. akute Mandelentzündung kann durch eine Vielzahl von Krankheitserregern verursacht werden, am häufigsten durch Viren. Das Kind hat typischerweise nur leichtes Fieber, der Hals kratzt, tut (mäßig) weh und ist gerötet. Auch gleichzeitiger Husten, Bindehautentzündung oder Nasenlaufen weisen darauf hin, dass ein Virus die Ursache ist.

Sonderformen viraler Mandelentzündungen treten bei der Hand-Mund-Fuß-Krankheit und beim Pfeiffer-Drüsenfieber auf.

An zweiter Stelle der Erreger stehen Bakterien und hier allen voran die Streptokokken. Klassischerweise bekommen die Kinder innerhalb nur weniger Stunden hohes Fieber und starke Halsschmerzen, erbrechen vielleicht ein- oder zweimal und machen einen »richtig« kranken Eindruck. Der bei viralen Hals- bzw. Mandelentzündungen oft begleitende Schnupfen oder Husten fehlt fast immer. Der Rachen ist nicht nur ein bisschen gerötet, sondern hochrot, und meistens erkennt auch der Ungeübte spätestens am zweiten Tag weißlich-gelbe, eitrige Beläge auf den Mandeln. Der Atem des Kindes riecht süßlich-übel. Eine wichtige Sonderform dieser Streptokokken-Angina ist der Scharlach, wohingegen die ebenfalls charakteristische Mandelentzündung bei Diphtherie im deutschsprachigen Raum heute eine Rarität ist. Mandelentzündungen durch Pilze, am häufigsten durch Hefepilze (z.B. Soor), sind selten und treten nur bei abwehrgeschwächten Kindern auf.

Gefährlich: Abszessbildung

Selten einmal breiten sich die Bakterien in die Umgebung der Mandeln aus und führendort zu einer abgekapselten Eiterhöhle, einem Peritonsillarabszess oder, bei Abkapselunghinter dem Rachen, zu einem Retropharyngealabszess. Nehmen die Schluckbeschwerdenbei einer bakteriellen Mandelentzündung nicht ab und wird das Mundöffnen schwerer und schmerzhafter, sollten Sie daher baldmöglichst zum Kinderarzt gehen.

Nach einer (unbehandelten) Streptokokken-Angina können sich außerdem wie beim Scharlach ein Rheumatisches Fieber oder eine Nierenentzündung entwickeln.


Das macht der Arzt

 

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