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Muss ich zum Kinderarzt?

Montag, den 25. Mai 2009 um 14:04 Uhr

Die meisten Eltern erkennen rasch, wenn ihre Kinder krank sind:

  • Sie verhalten sich anders, sind weinerlicher, anh채nglicher und m체der als sonst.
  • Sie sehen anders aus, haben z. B. glasige Augen oder dunkle Ringe unter den Augen, sie sind blasser als sonst oder es zeigt sich ein Hautausschlag.
  • Sie beklagen sich 체ber etwas, das sie st철rt, z. B. Bauchweh, Schluckbeschwerden oder Ohrenschmerzen.
  • Sie fallen durch bestimmte Krankheitszeichen auf wie Fieber, Erbrechen, Durchfall, Husten, Heiserkeit oder Schnupfen.

An S채uglingen sind Krankheiten manchmal schwerer »abzulesen«: Sie sind einfach unleidlich, weinen viel, kommen schlecht zur Ruhe und trinken entweder weniger oder auch hektischer und spucken mehr.
Auch Kleinkinder sind manchmal nicht ganz einfach zu verstehen, da sie den Schmerz oft nicht richtig lokalisieren k철nnen. Haben sie z. B. Ohrenschmerzen, so deuten sie auf den Bauch, wenn man sie fragt, wo es wehtut. Der gestreckte, auf den Nabel zeigende Finger kann aber auch Kopfweh, einen wunden Po und Schluckbeschwerden bedeuten– oder eben doch Bauchweh.

Egal, ob Sie zur Gruppe der Eltern geh철ren, die lieber vorsorglich zum Kinderarzt gehen, oder zu der Gruppe, die nur dann den Kinderarzt aufsucht, »wenn es wirklich nicht anders geht« – Sie sollten wissen, wann Sie in jedem Fall mit Ihrem Kind zum Arzt gehen sollten.

Regel 1: S채uglinge, die Ihnen irgendwie nicht geheuer sind, sollen Sie lieber gleich zum Kinderarzt bringen – S채uglinge k철nnen viele Krankheiten wegen des sich noch entwickelnden Immunsystems nicht so gut begrenzen und deshalb rasch richtig krank werden. Zudem zeigen sie aus demselben Grund oft nur vieldeutige und schwer fassbare Krankheitszeichen wie etwa Trinkschw채che oder Apathie, so dass Krankheiten schwerer zu erkennen sind. Bei S채uglingen unter sechs Monaten sollte jedes Fieber (Temperatur 체ber 38,0 °C im Po gemessen) Anlass zur R체cksprache mit dem Kinderarzt geben.

Regel 2: Alle »echt kranken« Kinder geh철ren zum Kinderarzt. Betrachten Sie Ihr Kind immer dann als »echt krank«, wenn Ihnen der Zustand Ihres Kindes Sorgen macht. Weitere Zeichen, dass Ihr Kind »echt krank« ist, sind im Kasten links zusammengefasst.

Regel 3: Sprechen Sie immer dann mit dem Kinderarzt, wenn Sie sich auf eine Krankheit keinen Reim machen k철nnen. Hat ein Kleinkind z. B. Fieber ohne den sonst 체blichen Schnupfen, so ist ein Besuch beim Kinderarzt die richtige Entscheidung.

Regel 4: Wenn eine ernste Erkrankung im Kindergarten oder in der Schule herumgeht, die mit bestimmten Medikamenten behandelt werden muss (z. B. Scharlach), so sollten Sie Ihr krankes Kind besser vom Kinderarzt untersuchen lassen, ob es nicht denselben Keim erwischt hat wie seine Spielkameraden.

Regel 5: Immer wenn eine Krankheit einfach nicht besser werden will oder sich trotz Behandlung zu Hause verschlechtert, ist es an der Zeit, sich weiterer fachlicher Hilfe zu versichern.

Auch tags체ber ins Bett?

Bei leichten Erkrankungen muss nicht gleich die ganze Pflegemaschinerie angeworfen werden. Alles, was der K철rper braucht, ist etwas Schonung: Lassen Sie Ihr Kind fr체h ins Bett gehen und versorgen Sie es mit der richtigen Temperatur – innerlich und 채u횩erlich. Ihr Kind soll sich tags체ber warm anziehen, nachts aber ruhig – warm zugedeckt – bei aufgekipptem Fenster schlafen. K체hle Luft beruhigt die Schleimh채ute und erleichtert die Atmung bei einer verstopften Nase. Ein hei횩er Tee kann abends f체r Entspannung sorgen und auch morgens ein W채rmepolster f체r den Tag schaffen.

Ins Bett »zwingen«?

Kinder haben eine bessere 횥berlastungssperre als Erwachsene, die sich bekanntlich selbst bei Grippe und Fieber oft noch Heldentaten abverlangen. Kinder folgen in der Regel den Signalen ihres K철rpers und schalten bei Erkrankungen von selbst einen Gang zur체ck.

Ihr Kind wird Ihnen deshalb auch signalisieren, wenn es sich hinlegen will und wo es sich am wohlsten f체hlt. Will es gelegentlich spielen, ist vielleicht die Couch der richtige Ort, um ihm immer wieder etwas Ruhe zu verschaffen und es trotzdem an der Welt teilhaben zu lassen.

Erm체det Ihr Kind aber auch beim Spielen rasch, so ist es Zeit, ihm eine »dauerhafte« Lagerstatt einzurichten.

Das Krankenzimmer

Ist Ihr Kind st채rker beeintr채chtigt, wird es meist ohne Widerrede auch tags체ber das Bett h체ten. Errichten Sie dort ein Krankenlager, wo Ihr Kind sich wohl f체hlt und gleichzeitig zur Ruhe kommen kann – das kann im einen Fall das Kinderzimmer sein, im anderen Fall die Couch oder eine improvisierte Lagerstatt.

Sorgen Sie f체r frische Luft und wechseln Sie die Bettw채sche, wenn sie durchgeschwitzt ist. Besonders kleine Kinder mit ihrer empfindlichen Haut sch채tzen es, wenn das Bett auch tags체ber immer mal wieder gemacht wird und die Kr체mel und Falten aus dem Betttuch ausgestrichen werden.
Keinesfalls sollte das Krankenzimmer 체berhitzt sein – 18 °C tags체ber und 15 °C nachts reichen aus.

Morgens und abends tut auch dem kr채nkeren Kind eine Katzenw채sche gut. Kann das Kind aufstehen, schadet ihm eine W채sche am Waschbecken nicht, hierdurch wird auch der Kreislauf etwas angekurbelt. Nur wenn das Kind wirklich zu schlapp zum Aufstehen ist, waschen Sie es im Bett mit einem lauwarmen Waschlappen und trocknen es rasch wieder ab.

Die Z채hne zu putzen wird Ihrem kranken Kind den Mund erfrischen, ausnahmsweise reinigen aber auch einmal ein paar Apfelschnitze den Mund und bringen au횩erdem den Darm auf Trab.

Essen und Trinken

Fl체ssigkeit sollte das kranke Kind immer ausreichend zu sich nehmen. Das 채ltere Kind trinkt Tee oder gerne auch einen Fruchtsaft, den S채ugling zieht es bei Unwohlsein wieder m채chtig an den Busen. Auch wenn Sie ihn eigentlich gerade entw철hnen wollten– lassen Sie ihn ruhig wieder 철fter an der Brust trinken, das ist oft die einfachste Art, ein kleines Kind 체ber die »Durststrecke« der Krankheit zu bringen.

Das kranke Kind ist meist kein guter Esser, und das sollte Sie auch nicht weiter belasten. Denn in Sachen »Treibstoff« funktionieren Kinder (allerdings mit Ausnahme der S채uglinge) 채hnlich wie Erwachsene: Sie sind so konstruiert, dass sie ein paar Tage von den Vorr채ten leben k철nnen. Solange sie es von Wasserloch zu Wasserloch schaffen, d. h. gen체gend Fl체ssigkeit zu sich nehmen, ist ihr K철rper nicht beeintr채chtigt.

Wenn ein krankes Kind etwas essen will, so soll es ruhig w채hlen k철nnen, wobei Sie aber Unvern체nftiges (etwa gr철횩ere Mengen an S체횩igkeiten) gleich gar nicht auf die Wahlliste setzen. Immer wieder gefragt ist z. B. etwas Fruchtiges (Apfelschnitze, mit Bananenscheiben belegtes Brot), Breiiges (Obstquark, Pudding, Kartoffelbrei), bei 채lteren Kindern auch schon mal eine klare Br체he, und nat체rlich das Lieblingsgericht.

Wenn Letzteres vehement angefordert wird, k철nnen Sie sich sicher sein, dass Ihr Kind wieder auf dem Weg der Besserung ist.

Wann zur체ck in den Alltag?

Auch wann Ihr Kind wieder aufstehen soll, ist Ermessenssache. W채chst das Interesse an seiner Umwelt, darf es ruhig wieder zu seinen Spielsachen, wenn es dabei allerdings rasch erm체det, sollte es auch zur체ck ins Bett schlupfen k철nnen. Meist ist das Fieber eine gute Richtschnur: In aller Regel wollen und sollen fiebernde Kinder ins Bett, um den Kreislauf nicht noch zus채tzlich zu belasten.

In den Kindergarten oder die Schule sollte ein Kind allerdings erst, wenn das Fieber ganz abgeklungen ist. Am besten sollte das Kind zuvor einen fieberfreien Tag zu Hause verbringen, um langsam wieder »in die G채nge« zu kommen und sich physisch und psychisch aufzubauen.

Weiterf체hrende Informationen

  • Roederer, C.: Im Krankenhaus. Bibliographisches Institut, 2001. Sachbilderbuch, ab drei Jahren
  • J철cker, D. et al.: Wenn das B채rchen Bauchweh hat. Menschenkinder, 1995. Lustige, aber auch nachdenkliche Geschichten und Lieder, die kranke Kinder besch채ftigen, tr철sten und aufmuntern
Aktualisiert ( Dienstag, den 30. Juni 2009 um 15:11 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit f체r Kinder, 2. Auflage 2006, K철sel Verlag M체nchen