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Die Entwicklung des Kindes: Die ersten vier Wochen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 10:20 Uhr
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Die Entwicklung des Kindes: Die ersten vier Wochen
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Da liegt Ihr Neugeborenes – noch verschrumpelt, als ob es zu lange im Meer geschwommen wäre. Seine Umgebung hatte immer in etwa dieselbe körperwarme Temperatur, da war kein Wind, keine lauten Geräusche, kein Grund zu erschrecken. Licht gab es schon, als rötlicher Schimmer durch die Bauchdecke, auch Empfindungen und Körpererfahrungen.

Nach durchschnittlich 282 Tagen wird es in die weite Welt geworfen, alles ist nun viel krasser, schärfer, da ist auf einmal Lärm, die Schwerkraft zieht jetzt an allen Gliedern, alles ist so offen und weit, so grenzenlos und »haltlos« – da ist es eigentlich kein Wunder, dass das Kind in den ersten Tagen so leicht erschrickt.

Suche nach dem »Wohlfühl-Bereich«

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Das Neugeborene begegnet der Welt mit offenen Sinnen. Es nimmt das meiste über die Haut und über den Geruch wahr, es sieht aber auch schon Farben und erkennt die groben Züge eines Gesichts. Durch die Art, wie Sie es behandeln und berühren, lernt es auch sich selbst kennen.
[ASL]

Das Kind sucht in den ersten Tagen in allem den »Wohlfühl-Bereich«: Es will es nicht zu kalt haben, aber auch nicht zu warm. Es mag kein grelles Licht und erschrickt bei raschen Bewegungen leicht. Überhaupt scheint es, als ob es noch eine Weile eher »hinter den Kulissen« leben wollte.

Was Sie dem Neuankömmling jetzt geben können: das Gefühl, dass die neue Welt mit all den überdimensionierten Eindrücken eigentlich doch in Ordnung ist. Geben Sie ihm eine Hülle, nehmen Sie es an Ihren Körper, lassen Sie es langsam »ankommen«. Stillen Sie, wann immer Ihr Kind Sie dazu drängt, vergessen Sie die Uhr. Beschränken Sie Pflege und Verrichtungen auf ein Minimum, reißen Sie ihm auch nicht gleich jede nasse Windel vom Leib – solange das Kind nicht gleichzeitig kalt ist, ist Nässe dem Kind nicht unangenehm – es war schließlich neun Monate lang nass.

Rhythmen finden

Wenn das Baby auf die Welt kommt, kennt es schon ein bisschen den Rhythmus der großen Welt, schließlich merkt es im Mutterleib deutlich, wenn die Mutter schläft, und nimmt auch Licht durch die Bauchdecke wahr. Aber viel stärker geprägt ist es von den »Binnenrhythmen« – dem Herzschlag der Mutter, ihren Bewegungen, dem Blubbern und Gurgeln, wenn nach den Mahlzeiten die Verdauung der Mutter anspringt.

Die Verankerung biologischer Rhythmen ist ein kompliziertes körperliches Ereignis, das mit der Reifung des kindlichen Gehirns und den dabei mitwirkenden hormonellen Einflüssen Hand in Hand geht. Diese Anpassungsvorgänge lassen sich von außen nur bedingt beschleunigen. Kein Wunder, dass nach der Geburt der Rhythmus von Tag und Nacht erst einmal eingeübt werden muss und das Kind eine Zeit lang die Nacht zum Tage macht.
Zumindest in den ersten Wochen können Sie also nur gähnend hoffen, dass Ihr Kind die Drehung der Erde rasch verstehen lernt und für gut befindet.



Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 16:52 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München