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Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 14:14 Uhr
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Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Möglichkeiten der Naturheilkunde
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Bei der Nasennebenhöhlenentzündung (= Sinusitis) hat sich, wie der Name schon sagt, die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen entzündet, meist im Rahmen eines vorbestehenden Infekts der oberen Luftwege.

Die Nasennebenhöhlen entwickeln sich erst im Laufe der Kindheit (und können sich auch erst dann entzünden). Dies erklärt die Altersverteilung der Nasennebenhöhlenentzündungen:

  • Eine Entzündung der Siebbeinzellen (= Sinusitis ethmoidalis) können schon Neugeborene bekommen
  • Eine Kieferhöhlenentzündung (= Sinusitis maxillaris) ist ungefähr ab dem fünften Lebensjahr möglich
  • Eine Stirnhöhlenentzündung (= Sinusitis frontalis) oder Keilbeinhöhlenentzündung (= Sinusitis sphenoidalis) tritt meist erst ab dem zehnten Lebensjahr auf.

Bei Kleinkindern entzünden sich entsprechend meist die Siebbeinzellen, bevor dann mit zunehmendem Alter die Kieferhöhlenentzündung zahlenmäßig in den Vordergrund tritt.

Leitbeschwerden

  • Vorbestehender Infekt der oberen Luftwege
  • »Verstopfte« Nase, meist eitriger Schnupfen
  • Wieder schlechteres Allgemeinbefinden, zunehmendes Fieber
  • Kopfschmerzen, meist an typischer Stelle: Bei Entzündung der Siebbeinzellen in der Stirn sowie um Auge und Nasenwurzel. Bei Kieferhöhlenentzündung in Stirn- und Oberkieferregion. Bei Stirnhöhlenentzündung in der Stirn und möglicherweise um das Auge. Bei Keilbeinhöhlenentzündung oft uncharakteristisch im ganzen Kopf, möglicherweise bis in den Hinterkopf. Der Schmerz verstärkt sich bei Erschütterung (Hüpfen)

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Eine Erkältung auch nach einer Woche nicht besser wird.
  • Ihr Kind Dauerkopfschmerzen hat.
  • Die Erkältung nach ein paar Tagen wieder schlimmer wird und Kopfschmerzen hinzukommen.

Noch heute, wenn

  • Bei Ihrem Kind die Haut im Bereich von Nasenwurzel, Augen oder Stirn anschwillt und sich rötet.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind sehr starke Kopfschmerzen bekommt, lichtempfindlich, reizbar oder schläfrig wird.

Das Wichtigste aus der Medizin

Lage der Nasennebenhoehlen
Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Schädel, die mit Schleimhaut ausgekleidet sind und über dünne Gänge mit der Nasenhöhle in Verbindung stehen. Die Kieferhöhlen bilden sich erst mit etwa fünf, die Stirnhöhlen erst mit zehn Jahren. Kleinkinder sind deshalb nur sehr selten von Nebenhöhlenentzündungen betroffen.
[AMR]

Wie kommt es zur Nasennebenhöhlenentzündung?

Die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen reagiert auf akute Virusinfekte genauso wie die Nasenschleimhaut, d. h. sie schwillt an und sondert Sekret ab. Diese Reizung klingt jedoch in aller Regel mit den übrigen Erkältungszeichen wieder ab.

Manchmal jedoch schwellen die Verbindungsgänge zwischen Neben- und Nasenhöhle so stark und so lange zu, dass sich das Sekret in der betroffenen Nebenhöhle aufstaut und einen optimalen Nährboden für Bakterien abgibt. Nun flammt die Entzündung richtig auf, Eiter sammelt sich an, Druck baut sich auf – eine akute Nasennebenhöhlenentzündung (= rasch entstehende Nasennebenhöhlenentzündung) ist entstanden.

Kennzeichnend für die akute Nasennebenhöhlenentzündung ist eine rasche Beschwerdezunahme, nicht selten innerhalb von Stunden.

Zweithäufigste Ursache von Nasennebenhöhlenentzündungen im Kindesalter sind Allergien, die ebenfalls zu einer Schleimhautentzündung und einem Zuschwellen der Verbindungsgänge zur Nasenhöhle führen.

Hier handelt es sich häufig um eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung(= lang andauernde Nasennebenhöhlenentzündung). Sie entsteht meist langsamer und führt häufig nur zu uncharakteristischen Beschwerden wie behinderter Nasenatmung und mäßigen Kopfschmerzen und wird aus diesen Gründen oft lange Zeit verkannt.

Die Kombination von (chronischer) Nebenhöhlenentzündung und Allergie oder Asthma ist häufig und weist auf eine generelle Anfälligkeit der Schleimhäute von Kindern mit allergischen Erkrankungen hin.

Bei Kindern selten und am ehesten bei Jugendlichen zu beobachten sind Nasennebenhöhlenentzündungen als Folge von Zahnwurzelentzündungen – die Wurzeln der oberen Mahlzähne liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der Kieferhöhle oder ragen sogar in diese hinein.

Alle Nebenhöhlenentzündungen werden begünstigt durch Verengungen der Nase, etwa durch eine Nasenscheidewandverkrümmung oder »Polypen«. Besonders gefährdet sind auch Kinder mit einer Mukoviszidose, angeborenen Schäden der feinen Flimmerhärchen der Schleimhaut (sog. Zilienfehlfunktion) oder einer Abwehrschwäche.

Komplikationen

Das aus der Nasennebenhöhle in den Rachen herablaufende Sekret kann zu einer Entzündung der unteren Luftwege führen, am häufigsten zu einer Bronchitis mit Husten (sinubronchiales Syndrom = Sinubronchitis).

Bei besonders veranlagten Kindern (z. B. bei großen Polypen) kann die akute Nasennebenhöhlenentzündung auch chronisch werden.

Selten, aber gefährlich

Wird eine Nasennebenhöhlenentzündung nicht ausreichend behandelt, kann die eitrige Entzündung in seltenen Fällen auf die knöchernen Nasennebenhöhlenwände und die Weichteile der Umgebung übergreifen. Hierdurch entsteht z. B. eine Knochenentzündung (Osteomyelitisdes Oberkiefers bei einer Kieferhöhlenentzündung.

Auch die Augenhöhle kann betroffen sein (so genannte Orbitalphlegmone). Glücklicherweise extrem selten, aber lebensgefährlich, ist das Übergreifen der Entzündung auf die Hirnhäute (Hirnhautentzündung) oder gar das Gehirn (Gehirnentzündung).

Warnzeichen sind stärker werdende Schmerzen sowie eine Rötung und/oder Schwellung im Bereich von Stirn, Wangen oder um das Auge herum – im letzteren Falle tun Augenbewegungen dem Kind oft weh.


Das macht der Arzt

Junge mit Orbitalphlegmone
Selten, aber gefährlich: Bei diesem Kind hat eine Infektion der rechten Kieferhöhle auf die Augenhöhle übergegriffen (Orbitalphlegmone). Die Umgebung des rechten Auges ist erheblich angeschwollen und gerötet, das Kind kann das Auge gar nicht mehr öffnen. Das Kind muss rasch in die Klinik, um dort antibiotisch behandelt zu werden.
[RKL]

Oft kann der Arzt eine Nasennebenhöhlenentzündung allein aufgrund der Untersuchung vermuten. In unklaren Fällen führt er zur Diagnosesicherung eine Ultraschalluntersuchung durch, möglicherweise auch eine Röntgen- oder Computertomographie-Aufnahme der Nasennebenhöhlen. In leichten Fällen wird zugewartet und evtl. schleimlösende Medikamente verordnet, um das Sekret zu verflüssigen. Abschwellende Nasentropfen sollen dafür sorgen, dass das Sekret aus der entzündeten Nebenhöhle abfließen kann. Bessern sich die Beschwerden hierunter nicht oder ist die Nasennebenhöhlenentzündung schon zu Beginn ausgeprägt, verschreibt der Arzt außerdem Antibiotika, bei Kindern vorzugsweise Penicilline oder Cefalosporine. Diese müssen meist mehrere Wochen eingenommen werden, um die doch recht »versteckten« Herde gut zu erreichen. Eine Linderung stellt sich oft erst nach einer Woche ein. »Anbohren« der betroffenen Höhle zum Sekretabfluss, wie bei Erwachsenen häufig praktiziert, ist bei Kindern nur selten erforderlich. Bei schweren Komplikationen (die meist Kinder mit anderen, vorbestehenden Erkrankungen betreffen), muss das Kind im Krankenhaus behandelt werden. Hier ist häufig neben einer hoch dosierten Antibiotikabehandlung eine operative Ausräumung des entzündeten Gewebes nötig. Steckt eine Allergie hinter der Nebenhöhlenentzündung, so ist deren Behandlung vorrangig und eine besondere Behandlung der Nasennebenhöhlen meist nicht nötig (mehr zu Abwehrfunktion des Immunsystems).


So helfen Sie Ihrem Kind

Im Anfangsstadium helfen die bei der Erkältung beschriebenen Maßnahmen. Insbesondere ätherische Öle und Holunderblütentee fördern den Abfluss des Sekrets. Sind die Nebenhöhlen bereits mehrere Tage entzündet, so kann die Abheilung durch Wärme gefördert werden, sowohl als feuchte Wärme z. B. durch Kamilledampfbäder bzw. -inhalationen als auch als trockene Wärme z. B. durch Rotlichtbestrahlung. In der Anfangsphase der Nebenhöhlenentzündung hingegen verstärkt Wärme die Schmerzen häufig und sollte dann nicht angewendet werden.

Rotlichtbestrahlung bei Nebenhöhlenentzündung

Am günstigsten sind drei Bestrahlungen täglich über ca. zehn Minuten (Lampenabstand ca. 50 cm). Das Kind sollte dabei die Augen geschlossen halten. Ist dies nicht zuverlässig möglich, kann man die Augen mit speziellen Schutzbrillen schützen.

Nasenspülungen werden vor allem vom älteren Kind als lindernd empfunden: In einer Tasse lauwarmes Wasser mit einer Messerspitze Meersalz mischen und einige Tropfen Calendula-Essenz hinzugeben, das Kind zieht diese Flüssigkeit dann durch die Nase so stark hoch, dass sie in den Rachen läuft.

Noch ein Wort zur Vorbeugung: Manche Kinder neigen vor allem nach einem Schwimmbadbesuch zur Nasennebenhöhlenentzündung, solche Kinder sollten während einer Erkältung nicht schwimmen gehen.


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Aus der Pflanzenapotheke haben sich für ältere Kinder (ab sechs Jahren) verschiedene Präparate zur Entzündungshemmung und Schleimlösung bewährt, z. B. Gelomyrtol® oder Sinupret®. Auch den Kamillendampfbädern kann zur Wirkungsverstärkung ein Fertigarzneimittel aus Kamille (z. B. Kamillosan®) zugesetzt werden. Fußbäder mit Senf oder Senfkompressen auf die Fußsohle sollen die Entzündung lindern. Hierzu wird Senfmehl (aus der Apotheke) in ein Wasserbad gegeben (zwei gehäufte Esslöffel) oder zu Brei verrührt, der dann mit Hilfe eines Taschentuchs so lange auf die Fußsohle gebunden wird, bis die Haut zu brennen beginnt (nur bei älteren Kindern). In der Homöopathie werden je nach Begleitsymptomen z. B. Cinnabaris D6, Mercurius bijodatus D4 oder (vor allem vorbeugend) Kalium bichromicum D 12 eingesetzt.


Folgen

In aller Regel heilt eine akute, im Rahmen eines Infektes entstandene Nasennebenhöhlenentzündung innerhalb von rund zwei Wochen aus. Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen hingegen lassen oft erst nach Beseitigung der begünstigenden Ursache (etwa Entfernung der Polypen) nach.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 18. November 2009 um 16:44 Uhr )