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Asthma bronchiale bei Kindern

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 14:32 Uhr
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Asthma bronchiale bei Kindern
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Atemwege, gekennzeichnet durch immer wiederkehrende Atemnotanfälle. Mit einer Häufigkeit von 5–10 % aller Kinder gehört das Asthma bronchiale zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern überhaupt. Jungen sind – zumindest vor der Pubertät – häufiger betroffen als Mädchen.

Leitbeschwerden

  • Wiederholte (Reiz-)Husten- oder Atemnotanfälle, meist mit hörbarem »Pfeifen« (sog. Giemen) beim Atmen und insbesondere einer erschwerten Ausatmung
  • Im Anfall typische Haltung zur Erleichterung der Atmung: sitzend, leicht nach vorne gebeugt und mit aufgestützten Armen
  • Mit zunehmender Atemnot Unruhe, Angst, Schwierigkeiten beim Sprechen, Blauverfärbung der Lippen und später der Haut, immer schnellere Atmung
  • Bei Säuglingen oft »stöhnende Ausatmung« als Ausdruck der Atemnot
  • Ganz überwiegend Phasen der Beschwerdefreiheit zwischen den einzelnen Anfällen

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Ihr Kind immer wieder Hustenanfälle hat, die zwar von selbst wieder weggehen, die Sie sich aber nicht erklären können.

Noch heute, wenn

  • Es Ihrem Kind nach einem schweren Atemnot- oder Hustenanfall zwar wieder besser geht, die Beschwerden aber zu Asthma passen.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind mit Atemnot keine längeren Sätze mehr sprechen kann, sich seine Haut verfärbt, es unruhig oder teilnahmslos wird oder Sie sehen, dass sich die Haut zwischen den Rippen oder im Bereich der Schlüsselbeine beim Atmen nach innen einzieht.
  • Sie bei Ihrem Kind mit bekanntem Asthma einen Anfall mit den üblichen Medikamenten nicht in den Griff kriegen.

Das Wichtigste aus der Medizin

Wie kommt es zum Asthma?

Beim Asthma bronchiale besteht eine chronische (= lang anhaltende) Entzündung der Bronchialschleimhaut. Zugrunde liegt in vielen Fällen eine Fehlsteuerung des Immunsystems, das unsinnigerweise gegen normale Bestandteile der Umwelt (wie etwa Bestandteile von Staub oder Blütenpollen) mit einer Abwehrreaktion reagiert.

Neben diesem »allergischen Asthma« kommen jedoch auch andere, nicht-allergische Formen vor.

Bronchus: Von gesundem Kind und von Asthmakind
Bronchus des gesunden Kindes und Bronchus eines Asthmakindes beim Asthmaanfall. Gleich drei Veränderungen erschweren das Ein- und (mehr noch) das Ausatmen: die Produktion eines dicken, zähflüssigen Schleimes, die muskuläre Verengung des Bronchus und die entzündliche Verdickung der Schleimhaut.
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Was passiert beim Asthmaanfall?

Durch die Entzündung schwillt die Schleimhaut der Bronchien an, und die Schleimhautdrüsen produzieren zu viel zähen Schleim. Zudem sind die feinen Muskeln in der Bronchialwand wegen der Entzündung viel empfindlicher und krampfen sich leicht zusammen (sog. bronchiale Überempfindlichkeit oder bronchiale Hyperreagibilität). Alle drei Mechanismen führen dazu, dass sich die Bronchien verengen. Dies hat vor allem eine erschwerte Ausatmung zur Folge: Die Lunge wird zunehmend überbläht, bis das Kind schließlich kaum mehr atmen kann.

Auslöser

Welche Faktoren einen akuten Asthmaanfall auslösen können, ist unterschiedlich und auch abhängig vom Alter des Kindes:

Bei Kleinkindern stehen Infekte an erster Stelle der Auslöser (sog. Infektasthma), gefolgt von Allergien, z. B. gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Tiere (mehr zu Auslöser von Allergien). Bei Schulkindern rutschen die Infekte auf den zweiten Platz, dafür rücken Allergien in den Vordergrund. Entsprechend häufig finden sich andere allergische Erkrankungen bei den betroffenen Kindern oder ihren Familien.

Da die Bronchien bei allen Asthmakranken überempfindlich sind und zu Muskelverkrampfungen neigen, reagieren Asthmatiker aller Altersgruppen aber nicht nur auf Infekte oder Allergene, sondern auch auf unspezifische Reize, wie etwa körperliche Anstrengung, starke Düfte (Parfüm), kalte Luft oder psychische Faktoren (auch Angst vor einem Anfall). Eine bedeutende Rolle kommt auch der Luftverschmutzung zu, sowohl der durch Straßenverkehr und Industrieabgase als auch der »selbst gemachten« durch Rauchen.

Psychische Stresssituationen können ein Asthma verstärken, als alleinige Auslöser werden sie aber überbewertet. Asthmatiker sind weder psychisch labiler als andere Kinder noch haben sie eine »typische Persönlichkeitsstruktur«.

Verlauf und Prognose

Prinzipiell kann ein Asthma in jedem Lebensalter erstmalig auftreten, besonders häufig ist dies aber im 2.–4. Lebensjahr der Fall. Für die meisten Kleinkinder ist Asthma glücklicherweise eine vorübergehende Diagnose. Im Einzelfall kann die Dauer nicht vorhergesagt werden. Statistisch gesehen wachsen vor allem Kinder, die schon in den ersten drei Lebensjahren ein Asthma entwickeln, eher aus ihrem Asthma heraus als solche, die ein Asthma im Schulalter oder der Pubertät entwicklen. Auch hält sich ein »Infektasthma« meist weniger hartnäckig als ein allergisches Asthma.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:20 Uhr )