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Erkältungskrankheiten (grippale Infekte)

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 13:56 Uhr
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Erkältungskrankheiten (grippale Infekte)
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Erkältungskrankheiten (= grippale Infekte) gehören zu den »Spitzenreitern« kindlicher Erkrankungen, wahrscheinlich sind sie sogar das häufigste Beschwerdebild bei Kindern überhaupt. Ein Trost: Für ansonsten gesunde Kinder sind Erkältungskrankheiten zwar lästig, aber harmlos.

Allerdings: Erkältungen dauern meist länger als den Eltern lieb ist: Bei über 50 % dauert die Erkältung länger als vier Tage, bei 20 % sogar länger als sieben Tage.

Erkältungskrankheiten können das ganze Jahr über auftreten, »Saison« ist aber in den Herbst- und Wintermonaten. Besonders häufig erkranken Kindergartenkinder, 8 bis 10 Erkältungen jährlich gelten bei ihnen durchaus als normal.

Leitbeschwerden

  • Schnupfen (zuerst wässrig-klar, später schleimig-eitrig, z. B. gelb oder grün), Niesen
  • Kratzen im Hals, leichte Halsschmerzen
  • Möglicherweise Husten, Heiserkeit
  • Möglicherweise Fieber und beeinträchtigtes Allgemeinbefinden mit Kopf- und Gliederschmerzen

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Die Erkältung nach einer Woche bis zehn Tagen noch nicht weg ist.
  • Die Beschwerden und das Fieber nach ein paar Tagen eher schlimmer als besser werden.

Noch heute, wenn

  • Ihr Kind starke Ohrenschmerzen hat.
  • Ihr Kind Atemprobleme bekommt.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind mit einer »Erkältung« hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen und einem steifen Nacken bekommt oder teilnahmslos wird – dann liegt keine Erkältung vor, sondern eine schwerere Infektion, z. B. der Hirnhäute.

Das Wichtigste aus der Medizin

Erkältungskrankheiten: woher?

Übertragung von Viren und Bakterien durch Körperkontakt
Da freuen sich alle Viren dieser Erde: Inniger Körperkontakt, wie ihn vor allem Kindergartenkinder lieben, und dazu noch das feuchte Ambiente im Schwimmbad – optimale Bedingungen für die Weitergabe von Keimen aller Art. Allerdings ist Schwimmen auch eine der besten Möglichkeiten, das Immunsystem fit zu halten, gerade in der kalten Jahreszeit.
[RBZ]

Erkältungskrankheiten werden ganz überwiegend von Viren verursacht, allen voran Rhino-Viren (von ihnen allein gibt es über 100 verschiedene Typen), aber auch Adenoviren, Myxoviren, ECHO-Viren, Coxsackie-Viren und Parainfluenza-Viren. Eine Sonderstellung nehmen RS-Viren ein: Sie führen bei Babys und jüngeren Kindern häufig zu schweren Entzündungen der tieferen Atemwege, bei älteren Kindern und Erwachsenen hingegen zu den typischen Erkältungsbeschwerden. Bakterien sind praktisch nie die Ursache von Erkältungsbeschwerden.

Die Viren werden durch Tröpfcheninfektion und direkten Kontakt (meist über die Hände) übertragen, befallen die Schleimhäute von Nase und Rachen und führen dort nach ein bis drei Tagen zu einer oberflächlichen Entzündung (= Rhinopharyngitis). Ob Unterkühlung die »Erkältung« begünstigt, ist umstritten. Tatsache ist: Bei den meisten Kindern geht keine Unterkühlung voraus, und viele Kinder unterkühlen sich, ohne gleich krank zu werden.

Die während der Erkrankung gebildeten Abwehrstoffe schützen zwar für eine gewisse Zeit (Monate bis Jahre) vor erneuten Erkrankungen durch den gleichen Virustyp, angesichts der Vielzahl der Erreger ist dies jedoch allenfalls ein Etappensieg.

Das Kleingedruckte

Wenn ein Kind ein paar Tage lang »schnuddelt«, sich ansonsten aber wohl fühlt, ist die Sache klar. Auch ein Husten während einer Erkältung ist kein Grund zur Sorge, die tieferen Luftwege müssen sich schließlich gegen das aus dem Nasenraum beständig in den Rachen ablaufende Sekret schützen. Nur so kann die Lunge verhindern, dass sich das erregerhaltige Sekret in den Bronchien festsetzt und etwa eine Lungenentzündung auslöst.

Auch wenn die Nase trocken ist, produzieren die Nebenhöhlen noch munter Schleim – selbst wenn das Taschentuch nicht mehr zum Einsatz kommt, husten die Kinder also oft noch ein paar Tage weiter.

Auch leichtes bis mäßiges Fieber gehört zum Kleingedruckten, es geht nach ein paar Tagen von selbst wieder weg.

Erkältung oder mehr?

Manchmal aber fällt selbst erfahrenen Eltern die Abgrenzung zwischen »normaler Erkältung« und »richtig krank« schwer.

Dicke und Farbe des Nasensekrets sind bei dieser Abgrenzung nicht hilfreich. Der leider nicht auszurottende Glaube, der dicke, »eitrige Rotz« müsse durch Antibiotika behandelt werden, entbehrt wissenschaftlicher Grundlagen: Er tritt auch bei durch Viren bedingten Erkältungen auf, und solange keine andere Komplikation vorliegt, wird er mit einem Taschentuch »behandelt« und nicht mit Medikamenten.

Erkältungskrankheiten überschneiden sich an mehreren Ecken mit anderen Krankheitsbildern:

  • Die Erkältung ist der »echten Grippe« ähnlich – Letztere beginnt allerdings meist plötzlicher, und statt des Schnupfens stehen anfänglich Hals- und Kopfschmerzen im Vordergrund, auch ist das Fieber meist höher.
  • Auch manche andere Infektionskrankheiten wie der Keuchhusten oder die Masern beginnen wie eine Erkältung, bevor nach ein paar Tagen die typischen Zeichen hinzutreten.
  • Beim Säugling kann eine Erkältung auch Teil einer als Bronchiolitis bezeichneten Krankheit sein, hier stehen jedoch schon nach Stunden bis Tagen Atemprobleme und ein trockener, quälender Husten ganz im Vordergrund.
  • Auch ein allergischer Schnupfen kann zunächst als Erkältung fehlgedeutet werden, die Kinder sind aber fieberfrei und meist schon aus dem Kindergartenalter heraus.
  • Eine »Erkältung« mit schleimig-eitrigem Schnupfen, die wochen- und monatelang nicht weggehen will, kann Anzeichen vergrößerter und entzündeter Gaumen- oder Rachenmandeln sein.
  • Bei jungen Säuglingen ist manchmal in den ersten 2–3 Monaten ein klarer, schleimiger »Schnupfen« zu beobachten, der nicht krankhaft ist und auch nicht behandelt werden muss, die Ursache ist unklar.
  • Selten kann ein eitriger, nur auf ein Nasenloch beschränkter »Schnupfen« von einem in die Nase gestopften Fremdkörper herrühren.

Komplikationen

In aller Regel verlaufen Erkältungskrankheiten harmlos und heilen von selbst folgenlos aus. Die entzündete Schleimhaut lässt jedoch manchmal Bakterien in den Körper eindringen, die dann bakterielle Folgekrankheiten auslösen können.

So neigen z. B. kleine Kinder dazu, bei Erkältungen als Komplikation eine Mittelohrentzündung zu entwickeln; bei älteren Kindern bleibt manchmal auch eine Nasennebenhöhlenentzündung hängen. Solche Erkältungskomplikationen zeigen sich dadurch, dass die Beschwerden nach ein paar Tagen nicht wie erwartet zurückgehen, sondern (wieder) stärker werden und Ohren- bzw. Kopfschmerzen, Atemprobleme oder erneutes Fieber hinzutreten.

Manche Kinder haben auch dann noch mit Husten zu kämpfen, wenn die Nase wieder trocken ist. Entweder hat sich dann die Infektion in den Nasennebenhöhlen festgesetzt (das dort »gefangene« Sekret läuft immer wieder, oft nachts, ab und löst Husten aus), oder die Erreger haben die tieferen Luftwege befallen und z. B. eine Bronchitis ausgelöst.

Gar nicht so selten zeigt der Husten aber an, dass sich die Muskulatur der kleinen Bronchien und Bronchiolen verkrampft hat – man spricht von einer obstruktiven Bronchitis. Zusätzlich zum Husten fällt bei solchen Kindern eine erschwerte Atmung und eventuell ein feines Pfeifen auf, oft treten ähnliche Probleme auch bei weiteren Erkältungen auf.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:16 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München