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Blutungsneigung, Blutgerinnungsstörungen - Das Wichtigste aus der Medizin

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:14 Uhr
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Das Wichtigste aus der Medizin

Einblutung in Leiste und Unterarm
Einblutungen können Folge einer etwas härteren Rauferei am Schulhof sein – aber natürlich auch Zeichen einer echten Blutungsneigung. Vor allem bei gehäuftem Auftreten oder Auftreten an für Kinder untypischen Stellen sollten die Eltern den Kinderarzt aufsuchen.
[RKL]

Wie sich der Körper vor Blutverlust schützt

In unserem Körper werden ständig Blutgefäße aus den verschiedensten Gründen undicht, ohne dass wir dies überhaupt bemerken. Und auch wenn wir uns verletzen, kommt es nur ganz selten zu einer ernsten oder sogar lebensbedrohlichen Blutung. Denn die Natur hat gut vorgesorgt:

  • Im Augenblick einer Verletzung zieht sich das verletzte Gefäß gewissermaßen als Sofortmaßnahme zusammen und seine Wände verkleben, um das »Loch« zu schließen.
  • Blutplättchen ballen sich zusammen, der daraus entstehende Pfropf stopft den Defekt förmlich zu.
  • Durch diese Vorgänge werden bestimmte Eiweiße im Blut, die Blutgerinnungsfaktoren, aktiviert, und es bildet sich ein fester, klebeartiger Stoff, das Fibrin. Erst jetzt ist die Blutung definitiv gestillt.

Drei Wege zur Blutungsneigung

Am Stillen von Blutungen sind also Blutgefäße, Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren beteiligt. Entsprechend kann auch die Ursache für eine erhöhte Blutungsneigung in jedem dieser drei Bereiche liegen:

Gefäße: Die Gefäßwände können »undicht« werden und Blut hindurchlassen. Hierdurch entsteht an der Haut ein charakteristischer Ausschlag (Purpura). Ursächlich liegt z. B. eine Überreaktion des Immunsystems bei manchen Infektionen zugrunde. Bei diesem auch als Purpura Schönlein-Henoch bezeichneten Krankheitsbild bekommt das Kind (meist zwischen zwei und acht Jahren alt) nach einer Erkältung einen roten Ausschlag, stecknadelkopfgroße Hautblutungen (Petechien) oder flächige Hautunterblutungen. Oft hat es Bauchschmerzen als Zeichen einer Darmbeteiligung, die Gelenke können wehtun, und möglicherweise ist auch der Urin blutig. Eine Gehirnbeteiligung ist jedoch glücklicherweise selten.

Blutplättchen: Auch wenn das Blut zu wenige Blutplättchen enthält oder die Blutplättchen nicht richtig funktionieren, können Blutungen die Folge sein, vor allem stecknadelkopfgroße Hautblutungen. Hauptursache bei Kindern sind auch hier wieder Überreaktionen des Immunsystems nach einem Infekt, bei denen Blutplättchen zerstört werden. Diese idiopathische thrombozytopenische Purpura ähnelt im Krankheitsbild der Purpura Schönlein-Henoch.

Gerinnungsfaktoren: Manche Kinder können infolge eines angeborenen genetischen Defekts einzelne Blutgerinnungsfaktoren nicht ausreichend bilden.

Blutig, aber harmlos: Nasenbluten

Die häufigste Blutung bei Kindern ist keine Blutkrankheit: das Nasenbluten

. Es entsteht vor allem im Winter, wenn die durch die trockene Luft ausgetrocknete oder durch Erkältungen aufgequollene Schleimhaut von »popelsuchenden« Fingern heimgesucht wird und die in der Nase sehr oberflächlich verlaufenden Venen dabei »angebohrt« werden. Oft heilen diese Stellen schlecht ab, so dass die sich bildende Kruste immer aufs Neue abgerissen wird. Eine echte Blutkrankheit sollte nur dann vermutet werden, wenn auch an anderen Stellen des Körpers ungewöhnliche Blutungen auftreten.

Am häufigsten tritt hier das Willebrand-Jürgens-Syndromauf, seltener die Bluterkrankheit (= Hämophilie, je nach fehlendem Faktor alsHämophilie A oder Hämophilie B bezeichnet). Viele dieser Gerinnungsstörungen verlaufen mild und werden nur zufällig erkannt, beispielsweise bei einem routinemäßigen Gerinnungstest vor einer Operation. Schwere Formen treten vor allem bei der Bluterkrankheit auf und führen bereits früh zu Blutungen »ohne Ursache«, meist schon vor dem ersten Geburtstag. Besonders charakteristisch für die Bluterkrankheit sind Blutungen in die Gelenke.



Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:44 Uhr )