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Entzündungen des Herzens

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 08:53 Uhr
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Entzündungen des Herzens
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Entzündungen des Herzens können grundsätzlich alle drei Schichten der Herzwand betreffen (siehe Abbildung) – entsprechend spricht der Mediziner von Endokarditis (= Herzinnenhautentzündung), Myokarditis(= Herzmuskelentzündung) oder Perikarditis (= Herzbeutelentzündung).

Endokarditis, Myokarditis und Perikarditis sind bei Kindern ganz überwiegend durch Bakterien oder Viren bedingt. Glücklicherweise treten alle drei Formen heute nur noch sehr selten auf.

Leitbeschwerden

Bei Endokarditis:

  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Anzeichen der Herzschwäche: Zu schneller Herzschlag (Diagramm der Normalwerte für Puls und Blutdruck), Leistungsminderung, Luftnot bei körperlicher Anstrengung, bläuliche Hautfarbe, Wassereinlagerungen (Ödeme, z. B. »dicke« Beine)
  • Bei Säuglingen zusätzlich auch Trinkschwäche, schwaches Schreien, Gedeihstörung

Bei Myokarditis:

  • Zeichen der Herzschwäche
  • Herzrhythmusstörungen: »Herzstolpern«, »Herzrasen«, aber auch Schwindel oder Bewusstlosigkeit durch zu langsamen Herzschlag bzw. Aussetzen von Schlägen
  • Abgeschlagenheit. In leichten Fällen über Wochen ausbleibende Erholung nach einem Infekt ohne weitere charakteristische Zeichen

Bei Perikarditis:

  • Luftnot, schneller Herzschlag, in schweren Fällen auch weitere Zeichen der Herzschwäche (siehe oben)
  • Evtl. Schmerzen hinter dem Brustbein, im Liegen stärker werdend

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind Beschwerden hat, die zu einer entzündlichen Herzerkrankung passen.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind schon bei geringer körperlicher Anstrengung Luftnot bekommt oder bei Leitbeschwerden wie sie bei Herzschwäche auftreten.

Das Wichtigste aus der Medizin

Schichten der Herzwand und Entzündung des Endokards
Die linke Abbildung zeigt die Schichten der Herzwand: zuäußerst die Herzaußenhaut oder Epikard. Sie umhüllt das Herz und bildet zusammen mit einer weiteren Hülle, dem Perikard, den Herzbeutel. Die mittlere Schicht, das Myokard (= Herzmuskelschicht), leistet die eigentliche Pumparbeit; und die Herzinnenhaut oder Endokard kleidet den Herzinnenraum aus und bildet die Herzklappen. Das rechte Bild illustriert, wie eine Entzündung des Endokards den ganzen Herzinnenraum betrifft – besonders die Klappen drohen in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
[GRA]

Endokarditis

Bei der Endokarditis hat sich zwar die gesamte Herzinnenhaut entzündet, entscheidend für Krankheitszeichen und Krankheitsverlauf ist jedoch die Entzündung der Herzklappen – letztere können als Folge der Entzündung vernarben und dann in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.

Am häufigsten ist eine Endokarditis durch Bakterien bedingt. Sie trifft fast nur Kinder mit bereits bestehenden Erkrankungen der Herzklappen oder einer Abwehrschwäche: Gelangen dann z. B. bei einer Zahnbehandlung oder aus einem kleinen Eiterherd Bakterien ins Blut, setzen sie sich leicht auf den vorgeschädigten Klappen fest. Bei Jugendlichen kommt (intravenöser) Drogenmissbrauch als Risikofaktor hinzu. Heute selten ist das Rheumatische Fieber, das als »fehlgeleitete« Immunreaktion auf Streptokokkeninfektionen entsteht.

Die Leitbeschwerden bei der Endokarditis sind Fieber und ein zu schneller Herzschlag. Manchmal beginnt die Erkrankung langsam mit wochenlanger Abgeschlagenheit, manchmal ganz plötzlich mit hohem Fieber. Der Arzt hört bei der Untersuchung ein bis dahin unbekanntes Herzgeräusch.

Myokarditis

Bei der Myokarditis hat sich die dickste, »arbeitende« Schicht des Herzens entzündet. Meist steckt eine Virusinfektion hinter der Myokarditis (z. B. Coxsackie-Viren), selten eine bakterielle Infektion. Auch bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (siehe Rheumatische Erkrankungen) kann die Herzmuskelschicht entzündlich mitreagieren. Die Beschwerden durch die Myokarditis können sehr unterschiedlich sein und von anhaltender Müdigkeit über Zeichen der Herzschwäche bis zu schweren Herzrhythmusstörungen reichen. Die (meist) zugrunde liegende Infektion kann völlig unbemerkt oder sehr heftig verlaufen.

In manchen Fällen schwelt die Entzündung über Jahre weiter und führt zu Veränderungen der Herzmuskelschicht, die dadurch über Jahre oder Jahrzehnte an Pumpkraft verliert – eine Kardiomyopathiehat sich entwickelt.

Perikarditis

Die Entzündung des Herzbeutels, die Perikarditis, hat die gleichen Ursachen wie eine Myokarditis. Hauptbeschwerden sind hier Schmerzen hinter dem Brustbein, Luftnot und ein schneller Herzschlag. Beim Abhorchen hört der Arzt mit jedem Herzschlag ein typisches Reibegeräusch oder auch einen abgeschwächten Herzschlag.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:42 Uhr )