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Herzrhythmusstörungen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 08:56 Uhr
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Herzrhythmusstörungen
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Bei Herzrhythmusstörungen ist der normale »Takt« des Herzschlages gestört – das Herz schlägt zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig, etwa mit Extraschlägen oder Pausen. Die meisten »Taktabweichungen« des Herzens sind allerdings normal, das Herz ist nun einmal keine Maschine und macht besonders bei Kindern immer mal wieder kleine »Hüpfer«. Eine Störung liegt nur dann vor, wenn das Herz in seiner Funktion beeinträchtigt ist. Am häufigsten zeigen sich solche Herzrhythmusstörungen bereits im Babyalter.

Leitbeschwerden

  • Bei zu schnellem Herzschlag: Gefühl des »Herzjagens« oder »Herzrasens«, Unruhe, Blässe, Ausbruch kalten Schweißes, Übelkeit, Brustschmerzen. Bei längerem Bestehen möglicherweise Zeichen der Herzschwäche
  • Bei zu langsamem Herzschlag: Schwäche, Schwindel, Übelkeit, möglicherweise Zeichen der Herzschwäche, in ausgeprägten Fällen Bewusstlosigkeit
  • Bei Extraschlägen: Gefühl des »Herzstolperns«; die meisten Extraschläge sind jedoch normal

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Sie den Verdacht einer Herzrhythmusstörung bei Ihrem Kind haben. Wenn Sie dies vermuten, können Sie das Herz Ihres Kindes auch ohne Stethoskop abhören, indem Sie Ihr Ohr auf die linke Brusthälfte Ihres Kindes legen – etwa in Höhe der Brustwarze – und den Herzrhythmus einige Minuten lang mitverfolgen.

Wie gesagt sind gelegentliche »Stolperer« oder »Aussetzer« normal, solange Ihr Kind darunter nicht leidet.


Das Wichtigste aus der Medizin

Was sind Herzrhythmusstörungen?

Normalerweise schlägt unser Herz tagein, tagaus, ohne dass wir dies überhaupt bewusst bemerken. Die elektrischen Erregungen, die den »Herzschlag«, also das Zusammenziehen des Herzens, auslösen, entstehen im Herzen selbst, und zwar in besonders spezialisierten »stromgebenden« Herzmuskelzellen. Die Stromimpulse werden dann über spezielle Bahnen über das ganze Herz verteilt. Der Mediziner spricht vom Erregungsbildungssystem und Erregungsleitungssystem des Herzens.

Bei Herzrhythmusstörungen ist dieses Netzwerk aus stromgebenden und -leitenden Zellen auf irgendeine Art und Weise geschädigt. Dadurch schlägt das Herz zu schnell (= Tachykardie), zu langsam (= Bradykardie) oder mit Extraschlägen (= Extrasystolen) oder Pausen.

Woher kommen Herzrhythmusstörungen?

Die Häufigkeit des Herzschlages ist abhängig vom Alter (siehe Normalwerte für Puls und Blutdruck) und von dem, was wir gerade tun (je anstrengender eine Arbeit, desto schneller schlägt das Herz).

Ein etwas schnellerer oder langsamerer Herzschlag als normal ist nicht immer krankhaft: Normal ist ein schneller Herzschlag etwa bei körperlicher Anstrengung, Aufregung oder Fieber, und ein langsamerer Herzschlag als gewöhnlich ist bei Ausdauersportlern Ausdruck ihres guten Trainingszustandes.

Auch zu viel schwarzer Tee, Kaffee, andere aufputschende Getränke sowie Alkohol oder Nikotin (bei Jugendlichen) und Medikamente können den Herzschlag verändern. Viele Kinder zeigen außerdem ein deutliches Schnellerwerden des Herzschlages beim Einatmen und ein Langsamerwerden beim Ausatmen.

Manchmal haben auch völlig gesunde Kinder einen so ungewöhnlichen Herzrhythmus, dass selbst der Herzspezialist seine Apparate zu Rate ziehen muss, um diese Formen von echten Störungen zu unterscheiden. »Echte« Herzrhythmusstörungen können durch zahlreiche Ursachen bedingt sein. Praktisch alle Herzerkrankungen, wie etwa Herzfehler oder Herzentzündungen, können zu Herzrhythmusstörungen führen. Außerdem kann das Erregungsbildungs- und -leitungssystem selbst erkrankt sein. Dabei sind bei Kindern zusätzliche, extra schnelle Leitungsbahnen recht häufig: Durch diese von Geburt aus angelegten »Kurzschlussverbindungen« überholt sich der Rhythmus sozusagen selbst und stiftet so beständige Unruhe. Die Ursache von Herzrhythmusstörungen kann aber auch außerhalb des Herzens liegen, etwa in Infektionen, Hormonstörungen (z. B. einer Schilddrüsenüberfunktion) oder Veränderungen der Blutsalze (Elektrolyte).


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:42 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München