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Neurodermitis

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:52 Uhr
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Neurodermitis
Das Wichtigste aus der Medizin
Neurodermitis: Was im Körper abläuft
Das macht der Arzt
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Häufigkeit: Häufigkeit 4 von 5: Häufig

Die Neurodermitis (= atopisches Ekzem, endogenes Ekzem, atopische Dermatitis) ist eine chronische (= lang dauernde), häufig schubweise auftretende Hautentzündung mit oft quälendem Juckreiz, von der vornehmlich Kinder betroffen sind. Die Neurodermitis gehört zum Formenkreis der atopischen Erkrankungen.

In den Industrieländern nimmt die Neurodermitis seit mehreren Jahrzehnten kontinuierlich an Häufigkeit zu und ist mittlerweile eine der häufigsten kindlichen chronischen Erkrankungen überhaupt zu den Gründen dieses Anstiegs siehe (Stichwort "Allergien" in Gesundheit heute). Rechnet man ganz leichte Formen mit ein, so sind 15 % aller Kinder betroffen, ausgeprägte Formen plagen rund 2–4 % aller Kinder, im Erwachsenenalter sind nur noch 1 % betroffen.

In 85 % der Fälle fängt die Erkrankung bereits im ersten Lebensjahr an, bei der Hälfte dieser Kinder lassen die Symptome ab dem vierten Lebensjahr deutlich nach oder verschwinden ganz. Dennoch haben die meisten Betroffenen auch noch im Erwachsenenalter eine »Problemhaut«.

Leitbeschwerden

Bei Babys und Kleinkindern:

Neurodermitis Bläschen auf der Haut
Gerötete Haut bei Neurodermitis
Bei älteren Babys zeigt sich die Neurodermitis häufig durch Bläschen, Schuppen und Krusten auf geröteter Haut. Der starke Juckreiz quält die Kinder oft so sehr, dass sie sich die entzündeten Hautstellen blutig kratzen.
[li: TEP; re: RKL]
  • Unscharf begrenzte, gerötete, nässende Herde mit Bläschen, Schuppen und zum Teil Krusten
  • Beginn oft um den dritten Monat im Gesichtsbereich (Wangen), am behaarten Kopf und an den Streckseiten von Armen und Beinen
  • Häufig zusätzliche bakterielle Infektion der Herde mit Nässen und gelben Krusten

Bei älteren Kindern:

  • Unscharf begrenzte, bräunlich-rote Herde mit Knötchen und Schuppen
  • Herde jetzt charakteristischerweise an den Ellenbeugen, Kniekehlen und an den Hand- und Sprunggelenken sowie am Hals
  • Zunehmende Vergröberung der Hautfalten, trockener und »dicker« werdende Haut (»Elefantenhaut«)
  • Sog. weißer Dermographismus: Während die Haut bei einem Kratzer normalerweise mit einer strichförmigen Rötung reagiert, antwortet die Haut des Neurodermitikers innerhalb von etwa zehn Sekunden mit einer weißen Spur. Dies können Sie leicht überprüfen, wenn Sie z. B. mit einem Bleistift oder Schraubenzieher auf dem Rücken Ihres Kindes einen Strich ziehen. Eine solche Reaktion kommt jedoch auch bei 5 % der Kinder ohne Neurodermitis vor

In allen Altersgruppen

  • Oft quälender Juckreiz, vor allem nachts und nach Schwitzen. Dadurch Aufkratzen der Herde
  • Symmetrische Ausprägung der Hauterscheinungen

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Ihr Kind einen Ausschlag entwickelt, der zu einer Neurodermitis passen könnte.

Am nächsten Tag, wenn


Das Wichtigste aus der Medizin

Woher kommt die Neurodermitis?

Die Veranlagung zur Neurodermitis ist eindeutig erblich bedingt – darauf deuten etwa Familienstudien: Bei einem erkrankten Elternteil steigt das Erkrankungsrisiko für die Kinder auf 40 %, sind beide Eltern erkrankt, auf etwa 70 %. Auch Kinder von an Heuschnupfen oder Asthma erkrankten Eltern entwickeln häufiger eine Neurodermitis.

Dass die Neurodermitis seit etwa drei Jahrzehnten immer häufiger wird, ist jedoch nicht auf Erbfaktoren zurückzuführen. Vielmehr wird vermutet, dass das Immunsystem unserer Kinder durch die westliche Lebenskultur ungenügend »trainiert« wird. Warum ein Kind Neurodermitis bekommt, liegt also sowohl an erblichen Einflüssen als auch an bestimmten – meist unvermeidbaren – Lebensbedingungen in seiner frühen Kindheit.

Hat ein Kind die Veranlagung zur Neurodermitis, so bricht die Erkrankung dann aus, wenn das Kind bestimmten Auslösern begegnet. Diese bringen dann sozusagen die Lawine ins Rollen. Die Auslöser sind für jedes Kind individuell verschieden.

Häufige Auslöser bei Neurodermitis

  • Allergene, am häufigsten Ei, Milch, Nüsse, Fisch und Schokolade, seltener Weizen. Bei größeren Kindern auch Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen, Haut- und Haarschuppen von Haustieren und Pollen. Allergene spielen bei 50 % der schweren und 25 % der leichteren Formen eine Rolle
  • Infektionen, z. B. Erkältungen oder Grippe
  • Stress, etwa körperliche Erschöpfung (auch der wegen des Juckreizes vor dem Einschlafen entstehende Schlafmangel), Zahndurchbruch und seelische Belastungen
  • Reizstoffe, z. B. Schweiß, »kratzige« Kleidung (Wolle oder andere raue Fasern), Kosmetika, Waschmittel, Weichspüler, Tabakrauch, Lösungsmittel (etwa in Wandfarbe)
  • Reizstoffe in sauren und scharfen Lebensmitteln wie Tomaten, Erdbeeren, Zitrusfrüchten
  • Klimafaktoren

Auslöser: doppeltes Gesicht

Ob durch das konsequente Vermeiden von Auslösern die Entstehung einer Neurodermitis bei einem bisher nicht erkrankten Kind verhindert werden kann, wird heiß debattiert. Wahrscheinlich ist dies jedoch nicht möglich. So zeigen Vergleichsstudien, dass durch ein späteres Einführen der Beikost eine Neurodermitis nicht weniger wahrscheinlich wird. Auch die Vermeidung von Hausstaubmilben durch spezielle Matratzenbezüge hatte keinen Schutzeffekt.

Das Vermeiden bekannter Auslöser kann jedoch bei bereits an Neurodermitis erkrankten Kindern sehr wohl die Häufigkeit von Schüben vermindern und den Verlauf der Neurodermitis abschwächen!

Typisches vielfältiges Bild

Säugling mit Neurodermitis in der Ellenbeuge
Neurodermitis in der Ellenbeuge. Bei dem sechs Monate alten Baby ist die Neurodermitis in beiden Ellenbeugen an roten Herden deutlich zu erkennen, auch die seitlichen Halspartien sind zum Nacken hin betroffen. Das Gesicht des Kindes ist hingegen frei. Dieses Verteilungsmuster ist zwar eher typisch für das Kleinkindalter, doch das Bild zeigt, wie unterschiedlich die Neurodermitis im Einzelfall verlaufen kann.
[RKL]

Schon Neugeborene können durch eine trockene Haut auffallen und zeigen dann oft auch gerötete, nässende Stellen in den Hautfalten (Ellenbeuge und Kniebeuge). Klassischerweise beginnt die Neurodermitis aber etwa im 2.–4. Lebensmonat, und zwar am Kopf: Die Wangenhaut ist gerötet, schuppig, rau, einzelne Stellen können nässen. Auch die Stirn ist oft betroffen. Der behaarte Kopf kann jucken und von trockenen Schuppen überzogen sein. In schweren Fällen breitet sich der Ausschlag auf den übrigen Körper aus, wobei vor allem die Streckseiten der Arme und Beine (also die Seite, an der sich Ellenbogen bzw. Knie befinden) sowie die Waden betroffen sind. Der Windelbereich bleibt bei der Neurodermitis aber meist ausgespart.

Bei der Neurodermitis werden häufig schuppige, juckende Veränderungen der Kopfhautbeobachtet, die dabei oft auch entzündet aussieht und nässt (die Schuppen selbst sind zunächst trocken). Eine ähnliche Schuppung am Kopf tritt bei der seborrhoischen Säuglingsdermatitis auf, außerdem können bei dieser Hauterkrankung die Halsfalten, der Windelbereich und alle Gelenkbeugen mitsamt der Achseln befallen sein. Die Hautschuppen sind hier im Gegensatz zur Neurodermitis aber gelblich-fettig, der Juckreiz fehlt, und die Säuglinge sind nicht beeinträchtigt. Kompliziert wird die Lage dadurch, dass eine seborrhoische Säuglingsdermatitis manchmal einer Neurodermitis vorausgeht, so dass die Abgrenzung im Einzelfall schwierig ist.

Altersabhängiges Bild

Neurodermitis an verschiedenen Hautstellen
Die Neurodermitis bevorzugt in jedem Alter andere Hautstellen: Während beim Säugling vor allem das Gesicht und die Außenseiten von Armen und Beinen betroffen sind, hat das ältere Kleinkind den Ausschlag eher in den Gelenkbeugen. Bei Jugendlichen sind oft auch Hals und Brust betroffen.
[AMR]

Im späten Kleinkindalter – bei manchen früher, bei manchen später – verändert sich das Bild. Der Ausschlag nässt nicht mehr so sehr, und die Bläschen werden von Knötchen abgelöst. Bei vielen verschwindet der Hautausschlag, oder das Kind leidet nicht mehr sichtlich darunter. Die Haut wird trockener und erscheint verdickt, die Hautfalten sind vergröbert. Außerdem wandern die Erscheinungen von den Streck- zu den Beugeseiten, vor allem Kniekehlen, Ellenbeugen und Handgelenksinnenseiten sind nun betroffen.

Einen erneuten »Szenenwechsel« bringt die Pubertät: Auch hier bilden sich die Krankheitserscheinungen oft zurück, oder aber sie wechseln erneut die Stellen, es wird etwa der Hals oder eine andere Gesichtspartie befallen. Viele Erwachsene, die als Kinder eine Neurodermitis hatten, haben zwar nach wie vor eine trockene und erhöht pflegebedürftige Haut, die sie aber im Alltag bei etwas Vorsicht nur wenig einschränkt.

Besonders quälend: der Juckreiz

Am schlimmsten in allen Altergruppen ist der Juckreiz. Er ist oft so stark, dass sich die Kinder blutig kratzen: Der Schmerz ist leichter zu ertragen als der Juckreiz – wenn die Kratzstelle blutet, empfinden viele Kinder das sogar als Erleichterung. Die Kinder können sich tags nicht konzentrieren und nachts nicht schlafen. Die Müdigkeit verstärkt die juckreizbedingte Reizbarkeit noch.

Die aufgekratzten Stellen sind eine willkommene Eintrittspforte für Bakterien, die dann zu einer zusätzlichen bakteriellen Hautentzündung führen.

Zudem unterhält das Jucken die Neurodermitis. Denn die mechanische Reizung sorgt dafür, dass die Immunzellen der Haut ihre entzündlichen Botenstoffe freisetzen und dadurch den Immunprozess »anfeuern«. Neurodermitis ist also kein »Ausschlag, der juckt«, sondern ein »Juckreiz, der ausschlägt«!

Minimalformen

Ausgeprägte Formen der Neurodermitis sind ohne Mühe als solche erkennbar. Die Neurodermitis verläuft aber auch sehr häufig ohne gravierende Zeichen. Bei leichten Formen haben die Kinder nur eine trockene Haut, und erst wenn zusätzliche Hautbelastungen hinzukommen, wie etwa winterliche Kälte oder sehr häufiges Händewaschen, treten Beschwerden auf. Die Grenzen zum Normalen sind dabei fließend. So haben viele Säuglinge im Winter raue Backen, ohne dass sie gleich unter einer Neurodermitis leiden.

Dasselbe gilt für das Lippenleckekzem, das völlig normal oder aber eine Minimalform der Neurodermitis sein kann. Im Winter trocknen die Lippen des Kindes jahreszeitlich bedingt aus. Das Belecken der Lippen bringt zwar kurzzeitig Besserung, trocknet jedoch gleichzeitig Lippen und umgebende Haut noch mehr aus und verstärkt das Spannen und Jucken. Um sich selbst zu helfen, leckt das Kind immer wieder, bis schließlich die Haut um den Mund rot und entzündet und noch leichter reizbar ist.

Auch die häufigen »Faulecken« (= Perlèche), d. h. rote, nässende, krustenbildende Herde an den Mundwinkeln, Ohrläppchen sowie in den Finger- oder Zehenspalten könnten minimale Zeichen einer Neurodermitis sein.

Ähnliches gilt für das atopische Handekzem, bei dem länger dauernde leichte Hautreizungen, z. B. durch häufigen Wasserkontakt oder Klimafaktoren, kleine Bläschen oder eine Schuppung an den Handflächen und den Seitenflächen der Finger auslösen. Auch ständig trockene, schuppende Haut an den Fingerkuppen kann eine Minimalform der Neurodermitis sein.

Was den Händen recht ist, ist den Füßen billig: Nicht wenige kindliche Fußekzeme sind als Ausdruck einer Neurodermitis zu betrachten. Begünstigt werden die Erscheinungen durch luftundurchlässiges Schuhwerk wie die derzeit modischen Turnschuhe oder auch Winterstiefel – daher auch der Name atopische Winterfüße.

Nicht selten: zusätzlich andere atopische Erkrankungen

Wie bereits erwähnt, gehört die Neurodermitis zu den atopischen Erkrankungen. Das Kind hat also nicht nur die Veranlagung zur Neurodermitis geerbt, sondern die für die gesamte Krankheitsgruppe.

So erklärt es sich, dass 30 % der Kinder mit einer Neurodermitis später einen allergischen Schnupfen oder ein allergisches Asthma entwickeln.

Komplikationen

Die vorgeschädigte Haut eines Kindes mit Neurodermitis ist außerdem anfälliger für Hautinfektionen, sowohl durch Bakterien als auch durch Viren oder Pilze:

  • Bei den bakteriellen Infektionen sind diejenigen durch Staphylokokken besonders häufig, insbesondere an aufgekratzten Hautstellen. Sie verschlimmern dann in einem Teufelskreis die Neurodermitis (Genaueres siehe unten).
  • Während die erste Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus bei fast allen Kindern unbemerkt verläuft, kann sich bei Kindern mit Neurodermitis die Haut mit dem Virus infizieren – es entsteht ein schweres Krankheitsbild mit hohem Fieber und Hautbläschen, das im Krankenhaus behandelt werden muss (herpetisiertes Ekzem oder Eczema herpeticatum). Leider können auch wiederholte Hautinfektionen mit diesem Virus vorkommen.

Häufiges Problem: Hautinfektionen

Die Haut eines Neurodermitiskindes kann sich schlecht gegen eindringende Bakterien wehren – der Säureschutzmantel fehlt, und offene Stellen bzw. Kratzspuren sind ideale Einstiegsstellen für Hautkeime. Die meisten Kinder mit Neurodermitis leiden deshalb von Zeit zu Zeit an Hautinfektionen, auch wenn die Haut optimal gepflegt wird.

Für eine Hautinfektion spricht:

  • Die Haut ist röter und wunder, sie fühlt sich warm an.
  • Es entwickeln sich Bläschen, die eine klare, gelbliche Flüssigkeit absondern und später verkrusten. Manchmal entsteht auch ein unangenehmer Geruch.

Neurodermitis: Was im Körper abläuft

Welche Vorgänge bei der Neurodermitis genau im Körper ablaufen, ist bis heute nicht in allen Einzelheiten geklärt. Einige Puzzleteile konnten die Wissenschaftler aber zusammentragen:

  • Es gibt bei der Neurodermitis Auffälligkeiten im Immunsystem. Zu erwähnen sind insbesondere ein geändertes Verhalten bestimmter Abwehrzellen (der T-Lymphozyten) und ein erhöhter Spiegel an IgE im Blut.
  • Diese Auffälligkeiten fallen jedoch nicht in das normale Raster einer »Allergie« und sind auch anders als bei den anderen »allergischen« (= atopischen) Erkrankungen wie etwa Heuschnupfen oder allergischem Asthma. Forscher der Immunologie stellen immer wieder fest, dass die Neurodermitis in mancher Hinsicht eher Ähnlichkeit mit der Psoriasis oder sogar mit Autoimmunerkrankungen hat. Insofern ist die Neurodermitis sicherlich mehr als nur eine »bloße Allergie«. Verwirrend dabei: Bei vielen Kindern wird die Neurodermitis von typischen allergischen Erkrankungen begleitet, wie Heuschnupfen, Lebensmittelallergien oder Asthma, und gerade die Lebensmittelallergien können die Krankheit verschlimmern – ein selbst für Forscher kompliziertes Gemenge!
  • Diesen Erkenntnissen der Forscher entspricht auch die Beobachtung vieler Eltern, dass das Immunsystem von Neurodermitikern anders »tickt«: So reagiert das Kind öfters mit Ausschlägen, wenn nach dem Abstillen neue Nahrungsmittel eingeführt werden, auch wenn später gar keine Allergie nachgewiesen werden kann, oder es treten gehäuft Hautausschläge nach Impfungen auf. Am ehesten könnte man vielleicht sagen, dass bei einem Kind mit Neurodermitis das Immunsystem insgesamt eine geringere »Entzündungsschwelle« hat.
  • Bei der Neurodermitis ist aber nicht nur das Immunsystem verändert. Auch eine andere Zusammensetzung der Fettsäuren wird beobachtet, und zwar im Blut, dem Fettgewebe und der Haut.
  • Zudem ist die Haut insgesamt in ihrer Barrierefunktion gestört, d. h. sie kann ihre Schutzfunktion schlechter ausüben. So ist z. B. der normale Säureschutzmantel der Haut beeinträchtigt, und die Haut ist durch eine Unterfunktion der Talgdrüsen (Sebostase) und der Schweißdrüsen (Hypohidrose) trockener, empfindlicher und reizbarer als beim Gesunden und juckt leicht.
  • Auch das vegetative (d. h. das nicht bewusst kontrollierte) Nervensystem reagiert anders. Beispielsweise reagieren die Blutgefäße auf Kälte mit einer stärkeren Verengung als normal (erkennbar an kalten Händen). Neurodermitiskinder schwitzen auch oft auffällig wenig oder auffällig stark.
  • Dass die Neurodermitis mehr ist als nur eine Hautkrankheit, zeigen auch die häufig zu beobachtenden Ernährungsprobleme, die möglicherweise durch Störungen im Magen-Darm-Bereich bedingt sind – nach Ansicht einiger Selbsthilfegruppen ist der Darm sogar das zentral betroffene Organ und der Hautbefall lediglich Ausdruck einer komplexen Störung im Magen-Darm-System. Bekannt ist auch, dass Neurodermitiker häufiger einen grauen Star entwickeln als andere Menschen.
  • Und ganz falsch ist auch nicht, wenn viele – nicht nur Ärzte – Neurodermitiker als »dünnhäutige« Seelen beschreiben. Zu viel Nähe oder etwa falsch platzierte Zärtlichkeiten der Großmutter auf Familienbesuch können Wutausfälle auslösen. Ob ein Charakterzug der Erkrankung selbst oder ob »nur« eine ihrer Folgeerscheinungen: Neurodermitiskinder scheinen leichter als andere aus dem Gleichgewicht zu geraten, und sie stecken vieles schwerer weg.
  • Widerlegt ist jedoch (auch wenn viele Therapeuten es immer noch verbreiten), dass Kinder mit Neurodermitis ursächlich psychische Probleme hätten, etwa mit den Eltern oder in der Familie, die sich »über die Haut« äußern. Allerdings: Psychische Belastungen können als Folge der Hauterkrankung auftreten, und größere psychische Belastungen verstärken das Krankheitsbild zumeist.

Die Neurodermitis ist damit weder eine »Nervenerkrankung« (wie ihr Name suggeriert) noch eine psychosomatische Erkrankung. Aber was genau sie ist, das ist noch immer Stoff für die Forschung.


Das macht der Arzt

 

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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 13:35 Uhr )