Der Scharlach ist eine gerade unter Kindergarten- und Schulkindern häufige Infektionskrankheit, die sich vor allem durch eine Halsentzündung und Mandelentzündung und einen charakteristischen Hautausschlag zeigt. Säuglinge sind fast nie betroffen. Früher gefürchtet, verläuft der Scharlach heute in aller Regel gutartig. Er kann aber selten durch eine Reaktion des Immunsystems Spätfolgen nach sich ziehen, die sich durch die Gabe von Antibiotika aber verhindern lassen. Leitbeschwerden
Inkubationszeit 2–7 Tage Ansteckend etwa einen Tag vor Krankheitsausbruch bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikagabe (unbehandelt mehrere Wochen). Die Ansteckungsgefahr ist aber nur mäßig: Nur etwa 20 % der mit einem erkrankten Kind spielenden Kinder stecken sich an (und nur etwa 5 % der Erwachsenen – bei denen kommt Scharlach sowieso seltener vor). Wann zum ArztHeute noch, wenn
Sofort, wenn
Das Wichtigste aus der Medizin Kinder mit Scharlach bekommen ab dem zweiten Krankheitstag einen kleinfleckigen Ausschlag, der im Achsel- und Leistenbereich besonders ausgeprägt ist und sich beim Darüberstreichen mit dem Finger wie Sandpapier anfühlt. Im Gegensatz dazu bleibt die Mundregion typischerweise ausgespart, so dass die Mundpartie aussieht, als habe sie einen »Milchbart«. [AMR] Woher kommt der Scharlach?Erreger des Scharlachs sind bestimmte Typen von Streptokokken-Bakterien Streptokokken können auch andere Erkrankungen, wie beispielsweise die eitrige Angina, auslösen und werden meist durch Tröpfcheninfektion übertragen. Etwa 20 % aller Menschen beherbergen Streptokokken in ihrem Rachenraum ohne selbst Beschwerden zu haben und können deshalb andere Menschen anstecken. Selten werden die Streptokokken durch Schmierinfektion in eine Wunde verschleppt und führen dann eventuell zum Wundscharlach mit einem von der Wunde ausgehendem Ausschlag (sehr selten). Was ist der Unterschied zwischen Scharlach-Streptokokken und »normalen« Streptokokken?Das Besondere der Scharlach-Streptokokken ist, dass diese im Gegensatz zu den anderen Streptokokken-Typen ein Toxin (= Giftstoff) produzieren, das den typischen Hautausschlag hervorruft. Die Angina selbst ist bei Scharlach nicht schlimmer als wenn sie durch andere Streptokokken-Stämme ausgelöst wird. Die nach wie vor zu beobachtende Haltung vieler Menschen (auch in Kinderbetreuungseinrichtungen), eine eitrige Angina als harmlos, den Scharlach aber als sehr gefährlich anzusehen, ist historisch bedingt und heute nicht mehr gerechtfertigt! Der Scharlach kann als Sonderform der eitrigen Streptokokken-Angina betrachtet werden – und ist zumindest zurzeit auch nicht schlimmer als diese. Kann man Scharlach mehrmals bekommen?Ein Kind kann mehrere Male an Scharlach erkranken, und zwar aus zwei Gründen:
Aus denselben Gründen kann Scharlach auch eine spätere »normale« eitrige Angina leider nicht verhindern. Akut: Eitrige KomplikationenDie Streptokokken können sich über die Mandelregion hinaus ausbreiten und zu einer akuten Mittelohrentzündung oder einer Nasennebenhöhlenentzündung führen. Diese relativ häufigen Komplikationen lassen sich durch die heutigen Antibiotika meist problemlos in den Griff kriegen. Ein Abszess in der Mandelregion oder eine Lungenentzündung sind demgegenüber seltener, die früher gefürchteteten lebensbedrohlichen Scharlachverläufe sind heute in Mitteleuropa praktisch nicht mehr zu beobachten. Seltene Spätfolge: Rheumatisches Fieber und NierenentzündungDie Streptokokken führen im Körper zu Abwehrreaktionen – was ja prinzipiell sinnvoll ist. Da Streptokokken aber bestimmte Erkennungsmerkmale besitzen, die sich auch auf manchen Körperzellen finden, können sich die Abwehrreaktionen gelegentlich auch gegen den eigenen Körper richten und nach 2–4 Wochen zum heute seltenen Rheumatischen Fieber führen. Das Kind fühlt sich nicht wohl, ist blass, bekommt wieder Fieber und meist Gelenkschmerzen, die typischerweise von einem Gelenk zum anderen springen. Langfristig am gefährlichsten am Rheumatischen Fieber ist aber die Herzbeteiligung, die oftmals zunächst keine Beschwerden bereitet, aber über Monate bis Jahre zu teils schweren Herzklappenschäden führt (Entzündungen des Herzens). Weitere mögliche Folgekrankheit ist eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) nach ungefähr zwei Wochen, die aber im Kindesalter meist ausheilt. Das macht der Arzt Für Scharlach charakteristisch sind weiß-gelbe Beläge auf den Mandeln zusammen mit einer sog. »Himbeerzunge« – sie ist auffällig rot und zeigt viele kleine Erhebungen – eben wie eine Himbeere. [TEP] Bei voll ausgeprägtem Krankheitsbild kann der Arzt die Krankheit auf den ersten Blick erkennen (»Blickdiagnose«). In den frühen Stadien helfen ein Streptokokken-Schnelltest bzw. die Anzucht (Kultur) des Bakteriums aus einem Rachenabstrich weiter. Die Behandlung beim Scharlach besteht in einer meist zehntägigen Antibiotikagabe, vorzugsweise Penicillin. Meist fühlt sich das Kind nach zwei Tagen schon wieder wohler, zur Vorbeugung der Streptokokken-Spätfolgen muss das Kind die Antibiotika aber wirklich über den ganzen Zeitraum einnehmen. Gegen das Fieber und die Halsschmerzen kann der Arzt Paracetamol verschreiben. Eine Urinuntersuchung zwei Wochen später dient dem Ausschluss einer Nierenentzündung, bei unkomplizierten Verläufen ist diese jedoch nicht erforderlich. So helfen Sie Ihrem KindSolange das Kind Fieber hat, sollte es Bettruhe einhalten, wobei die meisten Kinder sich wegen des schlechten Allgemeinbefindens ohnehin ins Bett (oder aufs Sofa) zurückziehen. Nach Abklingen des Fiebers sollte sich das Kind noch ein paar Tage schonen. Bei Schluckbeschwerden sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Suppen, Fleischbrühe oder auch Getränke aller Art sind jetzt die richtige Wahl. Bis die Antibiotika wirken (etwa 1–2 Tage), hat das Kind oft hohes Fieber. Möglichkeiten der Naturheilkunde Wird ein Scharlach zu spät erkannt und daher nicht behandelt, »pellt« sich ungefähr zwei Wochen später die Haut. An Händen (hier am Daumen) und Füßen lassen sich oft größere Hautfetzen abziehen, ohne dass dies dem Kind wehtut. [TEP] Neben dem Fieber sind die Halsschmerzen meist am belastendsten für das Kind. Hier können Sie alle bei der Mandelentzündung aufgeführten naturheilkundlichen Maßnahmen zur Schmerzlinderung anwenden. Klassisches Mittel der Homöopathie bei Scharlach ist – abhängig vom Zustand des Kindes – Belladonna (etwa Belladonna D4, 5-mal täglich fünf Tropfen), das jedoch niemals die Antibiotikabehandlung ersetzen sollte. VorsorgeEine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Kinder in der Umgebung Erkrankter können durch eine fünftägige Penicillingabe vor der Erkrankung geschützt werden. Da der Scharlach selbst durch Antibiotika gut behandelbar ist und längst nicht jedes Kind in der Umgebung angesteckt wird, ist jedoch Zuwarten oft sinnvoller. Erkrankt ein Kind mehr als 2- bis 3-mal in einer »Saison« oder kurz hintereinander an Scharlach, so könnte es sich immer wieder an einer Person in seiner Umgebung anstecken, die selbst zwar nicht erkrankt ist, den Erreger aber im Rachenraum beherbergt. In einem solchen Fall kann der Arzt bei den in Frage kommenden Kontaktpersonen einen Rachenabstrich machen und dem oder der Betroffenen für fünf Tage Penicillin verordnen. |





