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Scharlach, Wundscharlach
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Der Scharlach ist eine gerade unter Kindergarten- und Schulkindern häufige Infektionskrankheit, die sich vor allem durch eine Halsentzündung und Mandelentzündung und einen charakteristischen Hautausschlag zeigt. Säuglinge sind fast nie betroffen. Früher gefürchtet, verläuft der Scharlach heute in aller Regel gutartig. Er kann aber selten durch eine Reaktion des Immunsystems Spätfolgen nach sich ziehen, die sich durch die Gabe von Antibiotika aber verhindern lassen.

Leitbeschwerden

  • Plötzlicher Beginn mit schnell steigendem Fieber (um 40 °C), Kopf- und Halsschmerzen, allgemeinem Krankheitsgefühl
  • Vor allem bei kleinen Kindern Bauchschmerzen, möglicherweise auch Erbrechen (Husten ist dagegen eher untypisch)
  • Hochroter Rachen und Zäpfchen, eitrige Beläge auf den Mandeln, geschwollene Halslymphknoten
  • Zunge zuerst dick gelb-weißlich belegt, ab dem 3.–4. Tag dann rot mit verdickten Zungenknospen (Papillen) – daher auch der Name »Himbeer-« oder »Erdbeerzunge«
  • Süßlich-übler Mundgeruch
  • Ab dem 2.–3. Tag dicht stehender, kleinfleckiger und leicht erhabener (»sandpapierartiger«) Hautausschlag, der in der Achsel- oder Leistenregion beginnt und von dort aus auf den übrigen Körper übergreift
  • Gesicht gerötet, wobei die Gegend um den Mund typischerweise blass bleibt (»Milchbart«)
  • Unbehandelt nach 1–3 Wochen grobe Schuppung der Haut, die sich an den Händen und Füßen oftmals in größeren Fetzen löst

Inkubationszeit 2–7 Tage

Ansteckend etwa einen Tag vor Krankheitsausbruch bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikagabe (unbehandelt mehrere Wochen). Die Ansteckungsgefahr ist aber nur mäßig: Nur etwa 20 % der mit einem erkrankten Kind spielenden Kinder stecken sich an (und nur etwa 5 % der Erwachsenen – bei denen kommt Scharlach sowieso seltener vor).

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind innerhalb weniger Stunden Fieber und Halsschmerzen bekommt.
  • Es Ihrem Kind mit Scharlach auch am dritten Tag der Antibiotikagabe nicht besser geht.

Sofort, wenn

  • Das Kind zunehmend teilnahmslos wird.

Das Wichtigste aus der Medizin

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Kinder mit Scharlach bekommen ab dem zweiten Krankheitstag einen kleinfleckigen Ausschlag, der im Achsel- und Leistenbereich besonders ausgeprägt ist und sich beim Darüberstreichen mit dem Finger wie Sandpapier anfühlt. Im Gegensatz dazu bleibt die Mundregion typischerweise ausgespart, so dass die Mundpartie aussieht, als habe sie einen »Milchbart«.
[AMR]

Woher kommt der Scharlach?

Erreger des Scharlachs sind bestimmte Typen von Streptokokken-Bakterien

Streptokokken können auch andere Erkrankungen, wie beispielsweise die eitrige Angina, auslösen und werden meist durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Etwa 20 % aller Menschen beherbergen Streptokokken in ihrem Rachenraum ohne selbst Beschwerden zu haben und können deshalb andere Menschen anstecken.

Selten werden die Streptokokken durch Schmierinfektion in eine Wunde verschleppt und führen dann eventuell zum Wundscharlach mit einem von der Wunde ausgehendem Ausschlag (sehr selten).

Was ist der Unterschied zwischen Scharlach-Streptokokken und »normalen« Streptokokken?

Das Besondere der Scharlach-Streptokokken ist, dass diese im Gegensatz zu den anderen Streptokokken-Typen ein Toxin (= Giftstoff) produzieren, das den typischen Hautausschlag hervorruft. Die Angina selbst ist bei Scharlach nicht schlimmer als wenn sie durch andere Streptokokken-Stämme ausgelöst wird.

Die nach wie vor zu beobachtende Haltung vieler Menschen (auch in Kinderbetreuungseinrichtungen), eine eitrige Angina als harmlos, den Scharlach aber als sehr gefährlich anzusehen, ist historisch bedingt und heute nicht mehr gerechtfertigt!

Der Scharlach kann als Sonderform der eitrigen Streptokokken-Angina betrachtet werden – und ist zumindest zurzeit auch nicht schlimmer als diese.

Kann man Scharlach mehrmals bekommen?

Ein Kind kann mehrere Male an Scharlach erkranken, und zwar aus zwei Gründen:

  • Zum einen verhindert die heute übliche frühzeitige Antibiotikabehandlung, dass das Immunsystem schützende Antikörper gegen den Erreger bildet.
  • Zum Zweiten gibt es mehrere verschiedene Arten von Scharlach-Streptokokken, so dass auch deshalb Kinder mehrmals an Scharlach erkranken können.

Aus denselben Gründen kann Scharlach auch eine spätere »normale« eitrige Angina leider nicht verhindern.

Akut: Eitrige Komplikationen

Die Streptokokken können sich über die Mandelregion hinaus ausbreiten und zu einer akuten Mittelohrentzündung oder einer Nasennebenhöhlenentzündung führen. Diese relativ häufigen Komplikationen lassen sich durch die heutigen Antibiotika meist problemlos in den Griff kriegen.

Ein Abszess in der Mandelregion oder eine Lungenentzündung sind demgegenüber seltener, die früher gefürchteteten lebensbedrohlichen Scharlachverläufe sind heute in Mitteleuropa praktisch nicht mehr zu beobachten.

Seltene Spätfolge: Rheumatisches Fieber und Nierenentzündung

Die Streptokokken führen im Körper zu Abwehrreaktionen – was ja prinzipiell sinnvoll ist. Da Streptokokken aber bestimmte Erkennungsmerkmale besitzen, die sich auch auf manchen Körperzellen finden, können sich die Abwehrreaktionen gelegentlich auch gegen den eigenen Körper richten und nach 2–4 Wochen zum heute seltenen Rheumatischen Fieber führen.

Das Kind fühlt sich nicht wohl, ist blass, bekommt wieder Fieber und meist Gelenkschmerzen, die typischerweise von einem Gelenk zum anderen springen.

Langfristig am gefährlichsten am Rheumatischen Fieber ist aber die Herzbeteiligung, die oftmals zunächst keine Beschwerden bereitet, aber über Monate bis Jahre zu teils schweren Herzklappenschäden führt (Entzündungen des Herzens). Weitere mögliche Folgekrankheit ist eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) nach ungefähr zwei Wochen, die aber im Kindesalter meist ausheilt.


Das macht der Arzt

 

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