Windpocken
Unter Kindergarten- und Grundschulkinder kommt es vor allem im Winter und Frühjahr immer wieder zu kleineren Epidemien. Kleinere Kinder leiden oft weniger an der Erkrankung als ältere. Leitbeschwerden
Inkubationszeit 11–21 Tage Ansteckend von 1–2 Tage vor Ausbruch des Ausschlags bis zum Eintrocknen der letzten Blase Wann zum ArztHeute noch, wenn
Sofort, wenn
Das Wichtigste aus der Medizin Der Ausschlag bei Windpocken ist so charakteristisch, dass ein Blick für die Diagnose reicht: Zunächst ist nur ein kleiner Fleck sichtbar, bevor ein kleines Bläschen erkennbar wird (der oberste Fleck in dem Detailbild), das sich in der Folge vergrößert (darunter). Ein geröteter Hof umgibt jedes einzelne Bläschen. Typisch für die Windpocken ist das Nebeneinander von Flecken, Knötchen, frischen und älteren Bläschen und Krusten, vom Mediziner auch als »Sternenhimmel« bezeichnet. Dies zeigt das Foto des dreijährigen Buben. [li oben: SSC; li unten: RKL; re: AMR] Woher kommen die Windpocken?Die Windpocken werden hervorgerufen vom Varizella-Zoster-Virus das zur Gruppe der Herpes-Viren gehört. Es kann sowohl durch Kontakt mit Bläscheninhalt als auch durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Sind Windpocken gefährlich?Kratzt das Kind die Bläschen auf, kann sich die so entstandene Wunde durch Bakterien entzünden und hinterlässt dann oft helle Flecken als Narben. Für ansonsten gesunde Kinder sind die Windpocken in aller Regel nicht gefährlich, wobei Kinder mit einer Neurodermitis durchschnittlich schwerer erkranken. Ernste Komplikationen wie etwa eine Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung, eine Lungenentzündung, eine Nieren- oder Herzbeteiligung sind Raritäten. Lebensbedrohliche Verläufe können allerdings bei Kindern mit einer Abwehrschwäche vorkommen (etwa Kinder mit Leukämie), weshalb diese Kinder besonders vor Windpocken geschützt werden. Gefährlich können Windpocken auch dann werden, wenn die Mutter vier Tage vor bis zwei Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt. In diesem Falle kann das Neugeborene eine oft sehr schwer verlaufende, weil noch im Mutterleib über das Blut der Mutter erworbene Windpockenerkrankung durchmachen. Diese Neugeborenen müssen noch vor Ausbruch der Bläschen mit Immunglobulinen und Virostatika behandelt werden. Im Mutterleib ist eine kindliche Schädigung zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Eine an Windpocken erkrankte Schwangere sollte aber sicherheitshalber ihren Gynäkologen darauf ansprechen. Können Windpocken Folgen haben?Wie alle Herpes-Viren, so kann auch das Varizella-Zoster-Virus nach der akuten Erkrankung – hier den Windpocken – im Körper verbleiben. In Zeiten der Abwehrschwäche taucht es dann möglicherweise wieder aus seinem Versteck auf und führt zu einer erneuten Erkrankung, der Gürtelrose. Da beide Erkrankungen durch das gleiche Virus bedingt sind, kann also die Großmutter durch ihre Gürtelrose ihren Enkel mit Windpocken anstecken. Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Auch eine nicht zu hohe Raumtemperatur wirkt sich günstig auf die Haut aus. Die Kleidung sollte möglichst locker sitzen und nicht scheuern, wobei Baumwolle die Haut weniger reizt als andere Materialien. Wärme hingegen (auch Schwitzen) verstärkt den Juckreiz. Damit das Kind die Bläschen nicht aufkratzt, sollten Sie die Fingernägel kurz schneiden und insbesondere Säuglingen (möglicherweise auch älteren Kindern zur Nacht) Baumwollhandschuhe anziehen. Zur Vorbeugung von Entzündungen empfiehlt sich häufiges Händewaschen. Säuglinge sollten häufiger als sonst gewickelt werden, da das feuchtwarme Milieu in der Windel den Juckreiz verstärkt und Entzündungen fördert. Bläschen im Mund platzen schnell, so dass kleine Geschwüre entstehen, die beim Essen weh tun. Säurehaltiges brennt besonders und sollte daher eine Weile vermieden werden. Ansonsten sind die Kinder meist nur wenig beeinträchtigt, so dass es den Eltern oft nicht leicht fällt, ihr Kind von anderen fernzuhalten – so deren Eltern dies überhaupt wünschen. Vielfältig einsetzbar bei den Windpocken ist die Kamille – sie tut dem Kind sowohl als Badezusatz als auch als Kamillelösung zum Gurgeln gut. Auch Fichtennadelöl oder Kleie-Extrakt helfen als Badezusatz gegen den Juckreiz (die Badezeit sollte allerdings nur kurz sein, siehe oben). Möglichkeiten der NaturheilkundeAus der Homöopathie kommen Belladonna D6 (bei begleitendem Fieber – eher selten) und Rhus toxicodendron in Betracht. VorsorgeDie aktive Impfung gegen Windpocken gehört heute zu den öffentlich empfohlenen Regelimpfungen. Ihr Wert für das ansonsten gesunde Kind ist allerdings umstritten (siehe S. 132). Hat ein abwehrgeschwächtes, nicht geimpftes Kind Kontakt zu einem Windpockenkranken gehabt, kann das Kind durch die Gabe von Immunglobulinen (also »fertigen« Abwehrstoffen) geschützt werden. |





