Nach wie vor weniger bekannt als die Frühsommermeningoenzephalitis , ist die Borreliose (= Lyme-Krankheit ) in Wirklichkeit die häufigere der beiden in Mitteleuropa bedeutsamen zeckenübertragenen Erkrankungen: Weltweit auftretend, sind in Mitteleuropa regional unterschiedlich bis zu 50 % der Zecken mit dem Erreger infiziert! Am häufigsten tritt die Borreliose im Sommer und Frühherbst auf. Leitbeschwerden
Inkubationszeit 1–4 Wochen (bis zum Auftreten der Wanderröte, die allerdings fehlen kann) Nicht ansteckend von Mensch zu Mensch, Übertragung nur durch Zecken Wann zum ArztHeute noch, wenn
Sofort, wenn
Das Wichtigste aus der Medizin Es sieht martialisch aus, wie sich eine Zecke in die Haut bohrt. In der Praxis oft entscheidend ist die rechtzeitige Entfernung der Zecken aus der Haut. Dazu sind Zeckenzangen aus Plastik ein einfaches, aber effektives Hilfsmittel (Näheres zur Zeckenentfernung ). [li: ASL ; re: OTW ] Woher kommt die Borreliose?Verursacht wird die Borreliose durch das spiralförmige Bakterium Borrelia burgdorferi , das vor allem in größeren Wildtieren (wie etwa Rehen) lebt, aber z. B. auch in Hunden, Katzen und Mäusen. Die Zecken nehmen die Bakterien beim Saugen mit dem Blut eines solchen Tieres auf und übertragen sie dann durch nachfolgende Bisse auf den Menschen. Stadienhafter Verlauf
Hohe DunkelzifferBei weitem nicht alle, die durch einen Zeckenbiss mit Borrelien in Kontakt gekommen sind, erkranken auch. Untersuchungen haben gezeigt, dass gerade Kinder nicht selten Antikörper (= fertige Abwehrstoffe) gegen Borrelien im Blut haben, ohne jemals verdächtige Beschwerden gehabt zu haben. Außerdem verläuft die Borreliose bei Kindern durchschnittlich leichter als bei Erwachsenen. Das macht der ArztDie Hauterscheinungen sind so typisch, dass in diesem Stadium meist keine weiteren Untersuchungen notwendig sind. Ansonsten sind Blutuntersuchungen, möglicherweise auch eine Lumbalpunktion mit Liquoruntersuchung erforderlich, um die Diagnose zu sichern.
Die Behandlung besteht in einer mindestens zweiwöchigen Antibiotikagabe. Im Stadium der Hauterscheinungen reichen Tabletten oder Säfte, später bevorzugen die meisten Mediziner jedoch Spritzen oder Infusionen, da die Antibiotika dadurch besser in die betroffenen Gewebe gelangen. Unter dieser Behandlung heilt die Erkrankung gerade bei Kindern in den weitaus meisten Fällen vollständig aus. Möglichkeiten der NaturheilkundeNaturheilkundliche Verfahren können bei der Borreliose lediglich zur Linderung der Symptome (wie etwa Abgeschlagenheit) empfohlen werden, nicht jedoch zur ursächlichen Behandlung. VorsorgeEine Impfung gegen die Borreliose gibt es bislang nicht, sie ist aber in der Entwicklung. Eine vorbeugende Antibiotikagabe nach Zeckenbiss wird von den meisten Medizinern zu Recht abgelehnt: Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung ist so gering, dass die bei jeder Antibiotikagabe möglichen Nebenwirkungen nicht zu rechtfertigen sind. Damit die Zecke erst gar nicht beißtDie Zecken lauern im Unterholz der Wälder, aber auch in Gartenbüschen auf ihr Opfer. Am sichersten (wenn auch bei Kindern nicht sonderlich beliebt) ist es daher, Hut oder Mütze, lange Hosen und langärmlige Kleidung anzuziehen und die Hosenbeine zusätzlich in die Strümpfe zu stecken. Zusätzlich können Sie bei älteren Kindern ab drei Jahren spezielle, auch gegen Zecken wirksame Repellents auf Kleidung und Haut verwenden (mehr zu Reisen mit Kindern ). Außerdem sollten Sie durch einen täglichen »Zeckencheck« nachschauen, ob Ihr Kind nicht doch eine Zecke erwischt hat – die Plagegeister halten sich am liebsten in warmen Körperregionen auf, etwa Achseln, Kniekehlen, Leisten, Gesäßfalte, Nacken oder behaartem Kopf. Haustiere sollten ein Zeckenhalsband tragen und bei der Fellpflege auf Zecken untersucht werden. Und wenn sie doch einmal gebissen hatWenn doch einmal eine Zecke Ihr Kind erwischt hat, entfernen Sie sie möglichst schnell, am besten mit einer speziellen Zeckenzange (Möglichkeiten und Details zum Zeckenentfernen ). Das Übertragungsrisiko (vor allem von FSME-Viren, siehe unten) steigt mit der Bisszeit an. In der Folgezeit achten Sie (z. B. beim Waschen und Anziehen) darauf, ob sich um den Zeckenbiss eine Rötung entwickelt. Wenn ja, bringen Sie Ihr Kind noch am gleichen Tag zum Kinderarzt – in diesem Stadium ist die Borreliose problemlos durch das Einnehmen von Antibiotika behandelbar. Die Zecke kann zwar auf Borrelien-Befall untersucht werden, da jedoch nur die wenigsten infizierten Zecken ihren »Gast« bei einem Biss auch übertragen, ist der Test wenig hilfreich und wird von den Kassen zu Recht nicht bezahlt. Treten Wochen bis Monate nach dem Biss schwer einzuordnende Beschwerden (wie etwa Gelenkschwellungen) auf, so sollte der Arzt auf den vergangenen Zeckenbiss hingewiesen werden. |




