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Soor (Candidose)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Pilze im Darm – krankhaft oder normal?
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Der Soor ist eine Erkrankung der Haut und Schleimhäute durch Hefepilze. Nach dem Hauptvertreter dieser Pilzgruppe, den Candida-Pilzen, heißt die Erkrankung auch Candidose. Der Mundsoor betrifft vor allem Babys innerhalb der ersten zwei Lebensmonate, der Windelsoor (mehr zu Windeldermatitis) ist vor allem im ersten Lebenshalbjahr zu beobachten. Danach wird der Soor wesentlich seltener und betrifft dann ganz überwiegend Kinder unter oder nach einer Antibiotika- oder Kortisonbehandlung sowie Kinder mit einer Abwehrschwäche. Rechtzeitig behandelt, ist ein Soor in aller Regel harmlos.

Leitbeschwerden

  • Windelsoor: Rötliche Hautveränderungen mit Knötchen, feinen Pusteln, Schuppungen und offenen Hautstellen, die in die Umgebung streuen (sog. Satellitenpusteln)
  • Mundsoor: Weißliche, nicht abwischbare Beläge auf der Mundschleimhaut und der Zunge. Möglicherweise (schmerzbedingte) Trinkschwierigkeiten

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Ein Ausschlag im Windelbereich nicht besser wird, sondern sich mit kleinen »Pünktchen« immer weiter ausbreitet.
  • Sie vermuten, dass Ihr Baby Mundsoor hat.

Das Wichtigste aus der Medizin

Wie entsteht Soor?

Ein Soor wird durch Hefepilze hervorgerufen, ganz überwiegend durch den Pilz Candida albicans. Er besiedelt bei vielen Menschen natürlicherweise Haut und Magen-Darm-Trakt und wird dann durch direkten Kontakt auf das Baby übertragen.

In aller Regel wird der Pilz durch die auf Haut und Schleimhäuten normalerweise vorhandenen Bakterien in Schach gehalten. Gerade junge Babys aber mit ihrem noch nicht voll entwickelten Immunsystem können den Pilz noch nicht so gut eingrenzen, und auch später können z. B. eine Antibiotika- oder länger dauernde Kortisonbehandlung durch Schädigung der »normalen« Bakterien dazu führen, dass das Gleichgewicht aus den Fugen gerät und der Pilz sich ungehemmt vermehrt.

Meist harmlos, aber unangenehm

Wohl häufigste Form des Soors ist der Windelsoor: Der Pilz breitet sich vom Magen-Darm-Trakt (in dem sich immer eine gewisse Zahl von Pilzen aufhält) in die Umgebung des Darmausganges aus und findet in der feuchten Kammer des Windelpakets und der dadurch oft in ihrer Schutzfunktion gestörten Haut ideale Wachstumsbedingungen. Der Windelsoor ähnelt im Erscheinungsbild dem »normalen« Wundsein (Windeldermatitis), breitet sich aber mit kleinen roten »Pünktchen« (sog. Satellitenpusteln) in die Umgebung aus. Oft sind die Ränder des Ausschlags etwas schuppig. Zudem sind meist weitere Hautfalten betroffen, z. B. in der Leiste.

Zweithäufigste Form ist der Mundsoor. Das Kind hat weißliche Beläge auf der Mundschleimhaut oder auf der Zunge, die leicht mit Milchresten verwechselt werden können, aber im Gegensatz zu Milchresten nicht durch Nachtrinkenlassen von Tee zu beseitigen sind. Die Beläge sind anfangs noch abwischbar, haften dann aber fest. Da ein ausgeprägter Mundsoor wegen der damit einhergehenden Entzündung wehtut, mag das Baby oft nicht trinken.

Bei Mädchen können auch die normalen Bakterien in der Scheide durch den wuchernden Pilz verdrängt werden. Dieser Vaginalsoor zeigt sich durch Jucken und Brennen der Scheide und Ausfluss, ist aber bei Kindern wesentlich seltener als bei erwachsenen Frauen.

Selten gefährlich

Bei abwehrgeschwächten Kindern (beispielsweise nach einer Chemotherapie) kann der Pilz auch eine Speiseröhrenentzündung auslösen (= Soorösophagitis), zu erkennen an Schluckbeschwerden und Schmerzen hinter dem Brustbein. In Extremfällen kann es sogar sein, dass die Pilze nicht auf die Oberfläche der Schleimhäute begrenzt bleiben, sondern in die Tiefe bis in die Blutbahn vordringen – Lungen-, Leber- und Hirnhautentzündungen durch Pilze sind mögliche Folgen. Diese bedrohlichen Formen treten aber bei ansonsten gesunden Kindern nicht auf.


Das macht der Arzt

Mundsoor bei Säugling
Mundsoor bei einem drei Monate alten Säugling. Auch wenn die Pilze im Mund oft keine Beschwerden machen: In aller Regel werden sie vom Kinderarzt behandelt, weil der Pilz über den Darm ausgeschieden wird und dann oft hartnäckige Windel-Ausschläge verursacht. Bei gestillten Kindern gelangt der Pilz oft zudem auf die Brustwarze der Mutter (oder rührt gar von dort her). Entzündete Brustwarzen werden deshalb am besten mitbehandelt.
[RKL]

Meist kann der Arzt die Diagnose eines Soors allein aufgrund der Untersuchung stellen, möglicherweise entnimmt er einen Abstrich und untersucht ihn unter dem Mikroskop oder schickt ihn zur Anzüchtung des Pilzes ins Labor.

Der Windelsoor lässt sich mit antimykotikahaltigen Salben (mehr zur Entstehung von Pilzerkrankungen), die zumeist Nystatin (z. B. Candio Hermal®) oder Clotrimazol (z. B. Canesten®) enthalten und auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, problemlos bekämpfen. Kommt der Windelsoor trotz Behandlung immer wieder, so verordnet der Arzt auch antimykotische Tropfen zum Einnehmen, z. B. eine Nystatin-Suspension. Heruntergeschluckt, bekämpft das Medikament die Pilze im Verdauungstrakt, die nach der Dezimierung nun seltener in den Windelbereich gelangen. Bei Mundsoor verschreibt Ihnen der Arzt ebenfalls antimykotische Tropfen, die Sie mehrfach am Tag gut im Mundbereich des Kindes verteilen. Angst vor ernsten Nebenwirkungen brauchen Sie dabei nicht zu haben, da Nystatin aus dem Darm nicht in die Blutbahn aufgenommen wird. Falls Sie Ihr Baby stillen, ist anzunehmen, dass auch Ihre Brustwarzen etwas von dem Mundsoor abbekommen haben. Es empfiehlt sich deshalb, selbst wenn Sie keine Beläge oder Entzündung an den Brustwarzen bemerken, dass Sie Ihre Brustwarzen vor und nach dem Stillen mit dem flüssigen Antimykotikum einreiben oder eine Nystatin-Creme auftragen. Ihr Kind könnte sich sonst nach der Behandlung an Ihren Brüsten wieder einen Soor »einfangen«. Aus demselben Grund sollten bei Flaschenernährung die Sauger gut ausgekocht werden und am besten nach dem Beginn der antimykotischen Behandlung ein neuer Sauger verwendet werden.


So helfen Sie Ihrem Kind

Bei einem Windelsoor intensivieren Sie am besten die Popflege und wechseln die Windeln schon bei geringer Füllhöhe bzw. lassen Ihr Kind wenn möglich ganz unbepackt strampeln (weitere Pflegehinweise im Abschnitt Windeldermatitis).

Der oft gegebene Rat, Kinder mit Soor sollten nichts »Zuckerhaltiges« bekommen, ist nur schwer umzusetzen – sowohl Muttermilch als auch Flaschenmilch enthalten immerhin etwa 7 % Milchzucker, der schon im Mund teilweise in Traubenzucker umgesetzt wird. Und gezuckerte Getränke gehören prinzipiell nicht in die Flasche – Pilz hin oder her.

Möglichkeiten der Naturheilkunde

Die Möglichkeiten der Naturheilkunde bei Windelsoor entsprechen im Wesentlichen denen bei Windeldermatitis.

Bei einem Mundsoor hilft das Einpinseln der Mundschleimhaut mit verdünnter Myrrhe- oder Ratanhia-Tinktur (beide enthalten etwa in Weleda-Mundwasser). Homöopathisch werden z. B. Acidum hydrochloricum, Kalium chloratum oder Mercurius solubilis (alle D6) empfohlen.


Pilze im Darm – krankhaft oder normal?

Darmpilze haben einen schlechten Ruf: Laut vielen Zeitschriften, Büchern und einschlägigen Internet-Seiten ist die Besiedelung des Darmes mit Candida-Pilzen für alle möglichen Gebrechen verantwortlich, von der chronischen Müdigkeit über Verhaltensstörungen, Allergien, Depressionen, Übergewicht und Kopfschmerzen bis hin zu chronischen Durchfällen oder entzündlichen Darmerkrankungen.

Aufgrund dieser Vermutungen unterziehen immer mehr verängstigte Eltern ihre Kinder einer Stuhluntersuchung, die dann oft den Nachweis einer angeblichen »Verpilzung« erbringt und mit teilweise drastischen Mitteln, etwa einer oft jahrelangen Diät, behandelt wird. Wir lehnen ein solches Vorgehen ab, denn:

Darmpilze sind keine »grundsätzlichen Feinde«

Candida albicans (der am häufigsten »angeschuldigte« Darmpilz) ist kein grundsätzlicher Feind. Er gehört vielmehr zusammen mit mindestens zehn weiteren Vertretern der Candida-Gruppe zu unserer natürlichen Darmflora, die aus unzähligen verschiedenen Keimen besteht. Das heißt nicht, dass Candida-Pilze grundsätzlich harmlos sind: Vermehren sie sich über ein bestimmtes Maß hinaus (etwa bei Säuglingen oder nach einer Antibiotika-Therapie), so kann ein Soor entstehen. Bei schweren Störungen des Immunsystems, etwa bei AIDS oder bei Leukämien, können die Darmpilze, wie andere Bestandteile der natürlichen Flora auch, ihre Wohnstätte verlassen und schwer wiegende Krankheiten auslösen, z. B. eine Lungenentzündung (= Pilzpneumonie) oder eine Blutvergiftung (= Pilzsepsis). So gut diese Erkrankungen wissenschaftlich erklärbar sind, so wenig können wissenschaftliche Studien einen angeblichen Zusammenhang von Darmpilzen und Allergien, Depressionen, Übergewicht, Verhaltensstörungen und chronischen Verdauungsproblemen belegen.

Diagnose ist unzuverlässig

Dennoch lassen nicht wenige Eltern wegen vielerlei Beschwerden den Stuhl ihres Kindes untersuchen – und erwartungsgemäß ergibt die Untersuchung oft einen Pilznachweis. Allerdings: Eine verlässliche Bestimmung der Keimzahlen ist durch eine Stuhluntersuchung nicht möglich, da die im Stuhl gemessene Pilzmenge nur schlecht mit der im Darm vorhandenen Pilzmenge korreliert.

Auch durch Blutuntersuchungen wird heute die Diagnose gestellt – da sich das Immunsystem eines jeden Menschen unterschiedlich stark mit Candida-Keimen auseinander setzt, wird auch hier in der Regel ein unzuverlässiger »Befund« erhoben.

Behandlung macht keinen Sinn

Zur »Behandlung« wird oft eine zucker- und weißmehlfreie »Pilzdiät« verordnet, oft werden sogar Antimykotika (antimykotikahaltige Salben, Antimykotikum) gegeben. Ziel der oft jahrelangen »Pilzdiät« ist es, den Darmpilz durch Entzug von Traubenzucker auszuhungern. Nun ist aus vielen Studien bekannt, dass die durch die Nahrung aufgenommenen einfachen Zucker sowie die Bestandteile der Stärke schon in den oberen Darmabschnitten ins Blut übertreten. Die vor allem im Dickdarm lebenden Darmpilze ernähren sich deshalb über den Zucker des Blutes – und dieser wiederum wird beim Menschen durch das Hormon Insulin in sehr engen Grenzen konstant gehalten. Selbst wenn wir uns zuckerfrei ernähren, sinkt der Blutzucker nicht unter den normalen Bereich ab. Ein »Aushungern« des Pilzes ist also nicht möglich.

Unsere Meinung

Leiden ältere Kinder immer wieder an Infektionen mit Hefepilzen (Soor), so kann dies durchaus durch eine ungesunde Darmflora bedingt sein, die an sich harmlose Pilze nicht mehr auf niedrigem Niveau begrenzen kann. Eine Stärkung der Darmflora ist allerdings nicht durch Antimykotika oder kompletten Zuckerverzicht zu erzielen, sondern durch die Umstellung auf eine gesunde, an Probiotika reiche Ernährung. Es gibt gute Gründe, den Zuckerkonsum kritisch unter die Lupe zu nehmen, die Behandlung einer angeblich durch Verpilzung bedingten Aufmerksamkeitsstörung (oder einer anderen Krankheit auf der langen Liste der angeblichen »Pilz-Connection«) gehört nicht dazu.