Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 03. Juni 2009 um 14:36 Uhr
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Wärme und Kälte wirken je nach Anwendung stimulierend oder ausgleichend, treiben Schweiß oder fördern die Durchblutung. Über Reflexe fördern sie die Funktion der inneren Organe und wirken ausgleichend auf das Nervensystem. Kein Wunder, dass sie seit Jahrtausenden angewendet werden, um kranke Kinder zu stärken! Kälte und Wärme werden vor allem durch Wasser an das Kind gebracht. Insbesondere der Pastor Sebastian Kneipp war darin ein wahrer Erfinder. Über 100 Methoden der Wassertherapie (»Anwendungen«) verdanken wir dem Pastor, der nicht nur Bäder beschrieb, sondern auch Abwaschungen, Auflagen, Wickel, Umschläge und Inhalationen.
Neben Wärme und Kälte kann das Wasser auch Wirkstoffe transportieren. Viele Wickel werden deshalb mit Heilzusätzen – von Kräutern, Ölen, Quark bis hin zum Essig – angereichert. Dies wird auch bei den Inhalationen ausgenutzt: Sie versorgen die entzündeten Schleimhäute nicht nur mit Dampf, sondern auch mit den darin gelösten ätherischen Ölen.
Anwendungen machen jedoch nicht nur der Durchblutung oder dem Nervensystem Dampf – sie vermitteln auch seelische Wärme, schaffen zuerst Ruhepausen und wirken später belebend. Sie bahnen somit den Weg zur Selbstheilung.
Grundregeln
Viele Anwendungen sind für Kinder zunächst ungewohnt oder machen ihnen Angst. Gewinnen Sie den kleinen Patienten spielerisch für die Prozedur:
Machen Sie zunächst dem Stofftier einen Wickel und lassen Sie das Kind bei der Vorbereitung helfen. Erklären Sie, wie ein Wickel wirkt (»Weißt du noch, wie gut der warme Sand im Urlaub tat, wenn du dich darin eingegraben hast? Das können wir mit diesen Tüchern auch versuchen«).
Zudem gilt:
- Alle Anwendungen in Ruhe, aber rasch durchführen – alles gut vorbereiten, damit das entkleidete oder nasse Kind nicht friert!
- Das Zimmer soll frisch gelüftet, dabei aber warm sein.
- Das Kind soll entspannt und gleichzeitig bequem liegen können.
- Da manche Anwendungen Ihr Kind für einige Zeit ans Bett fesseln: Lassen Sie Ihren Patienten vorher auf die Toilette gehen.
- Nach den Anwendungen wird am besten eine Weile Ruhe eingehalten. Die Wirkung entfaltet sich oft erst während dieser Entspannungsphase. Wenn Ihr Kind jetzt einschläft, so lassen Sie es einfach ruhen.
- Die meisten Anwendungen belasten den Kreislauf. Deshalb nicht beim hoch fiebernden oder schwer kranken Kind anwenden.
Warm oder kalt?
Jede Anwendung wirkt etwas anders. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass:
- Wärme seelische Anspannungen oder Muskelverkrampfungen löst sowie Blähungen und Erkältungen bekämpft.
- Kälte dagegen der Abhärtung dient sowie Entzündungen, Prellungen und Verstauchungen entgegenwirkt.
Aktualisiert ( Dienstag, den 11. August 2009 um 15:25 Uhr )