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Wickel und Auflagen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 03. Juni 2009 um 15:12 Uhr
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Wickel und Auflagen
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Durch Wickel kann dem Körper, z. B. bei Fieber, Wärme entzogen werden. Sie wirken aber auch schmerzlindernd, etwa bei Halsweh, und wirken reflektorisch auf die darunter liegende Körperpartie, die dadurch z. B. besser durchblutet wird. Entzündungen werden dadurch abgemildert.

Auflagen (= Kompressen) werden im Gegensatz zum Wickel nicht rundum gewickelt, sondern nur aufgelegt und mit einer Binde fixiert. Sie wirken genauso wie Wickel.

Für Wickel benötigen Sie

Ein Innentuch aus Baumwolle oder Leinen (gut geeignet ist ein Geschirrtuch oder ein Taschentuch, synthetische Materialien hingegen begünstigen den Wärmestau). Auf Größe des zu umwickelnden Körperteils zusammenlegen, die Heilsub­stanz auftragen bzw. das Tuch in Wasser tunken und auswringen.

Für heiße Wickel muss das Innentuch ganz stark ausgewrungen werden, sie werden dann heißer ertragen und halten die Wärme entsprechend länger. Legen Sie das Innentuch so straff und faltenfrei wie möglich auf – »Luftlöcher« werden nämlich als unangenehm kalt empfunden.Ein Zwischentuch aus Baumwolle. Nur bei sehr feuchten Wickeln (etwa bei Quarkwickeln) notwendig.
Ein Außentuch (z. B. Bade- oder Wolltuch): Dieses soll die Temperatur halten und das Bett vor Nässe schützen. Es sollte etwa so groß sein, dass es 1 ½ mal um den zu umwickelnden Körperteil reicht. Wird ein Bade­tuch verwendet, so lassen Sie es oben und unten den »Innenwickel« etwas überragen, um das Eindringen von Kälte zu verhindern. Wolltücher dagegen sollten etwas kleiner ge­faltet werden als die darunter liegende Schicht, da sie leicht kratzen (eine Alternative ist die Verwendung eines hautfreund­lichen Zwischentuches). Das Au­ÃŸen­tuch fest um das Innen- bzw. Zwischentuch wickeln und mit Pflaster-Klebeband, Verbandsklammern oder Sicherheitsnadeln fixieren.
Eine Unterlage, z. B. dickes Handtuch oder Plastikunterlage.

Wickel: Grundregeln und Tipps

Wickel können mit einfachen Mitteln schnell und effektiv zu Hause angewendet werden. Dennoch sind Wickel keine Anwendung, die »schnell mal« oder »so nebenbei« durchgeführt wird. Die wichtigste Zutat ist Ruhe und Zeit. Denn ein Teil der Wirkung von Wickeln rührt daher, dass sie den Organismus entspannen und ihn leichter zur Ruhe kommen lassen. Ein Wickel macht Kinder wohlig müde und entspannt ihre Muskulatur, und sie sollten dann auch die Zeit und die Stimmung finden, um sich so richtig ausruhen zu können. Die wichtigste Regel deshalb: Vermeiden Sie Hektik. Machen Sie den Wickel zu einer Tageszeit, in der nicht mit Störungen zu rechnen ist. Sagen Sie Ihrem Kind, wie der Wickel aufgelegt wird, und richten Sie alles in Ruhe hin.

  • Warme Wickel sollten so heiß wie möglich sein, aber natürlich noch ertragen werden. Kleinere Kinder sind gegenüber hei­ÃŸem Wasser sehr empfindlich. Legen Sie deshalb das Innentuch vor dem Aufbringen so lange auf die Innenseite Ihres Unterarms, bis die Wärme richtig zu spüren ist. Wenn es Ihnen dort nicht zu heiß ist, wird es auch von Ihrem Kind in aller Regel vertragen.
  • Damit der Wickel die Wärme länger hält, können die Zwischen- und Außentücher z. B. zwischen zwei Wärmflaschen vorgewärmt werden.
  • Bei unangenehmen Reaktionen (Kälte und Frösteln, Hautjucken oder -reizung) den Wickel abnehmen, den gewickelten Bereich rasch mit einem lauwarmen Waschlappen abwaschen, gut abrubbeln und das Kind einmummeln.
  • Wird ein Wickel mit Kartoffeln, Quark oder Ähnlichem gemacht, kann eine unter das Innentuch gelegte Lage Küchenpapier die Entsorgung erleichtern.
  • Die Nachruhe ist die wichtigste Wirkzeit! Sie sorgt für den Wärmeausgleich, das Kind sollte deshalb immer noch mindestens eine halbe Stunde ohne gro­ÃŸe Ablenkung ruhen, und zwar gut zugedeckt und geschützt vor Zugluft.
  • Kühle Wickel (z. B. Wadenwickel oder Halswickel) werden gewechselt, wenn sie körperwarm geworden sind, bei Kindern oft schon nach 10–15 Minuten. Ein trocken gewordener kalter Wickel muss immer entfernt werden, weil er dann das Gegenteil dessen bewirkt, wofür er gedacht ist (trockene Wickel wärmen). Der gewickelte Bereich wird jetzt mit warmen Tüchern umhüllt und das Kind gut zugedeckt, dann besteht auch keinerlei Erkältungsgefahr.
  • Warme Wickel dagegen bleiben länger liegen, von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden – oder eben so lange, bis sie dem kleinen Patienten zu kühl oder unangenehm werden.


Aktualisiert ( Dienstag, den 11. August 2009 um 15:02 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München