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Gastroösophagealer Reflux

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 10:02 Uhr
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Gastroösophagealer Reflux
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Beim gastroösophagealen Reflux fließt Speisebrei entgegen der normalen Richtung vom Magen zurück in die Speiseröhre (lat. Magen = gaster, Speiseröhre = Ösophagus, daher gastroösophageal). Kommt es dadurch zu Beschwerden, spricht der Mediziner von der Refluxkrankheit.

Bei Säuglingen ist ein gastroösophagealer Reflux sehr häufig und oft als normal anzusehen – nicht umsonst gehört das »Spucktuch« zur normalen Babyausstattung. Er verschwindet in über 90 % bis zum ersten Geburtstag von selbst. Bei älteren Kindern ist ein gastroösophagealer Reflux seltener und oft von Beschwerden begleitet.

Leitbeschwerden

Beim Säugling

  • Nach dem Füttern »Speien«, manchmal auch richtiges »Erbrechen im Schwall«
  • Möglicherweise Unruhe, Zeichen des Unwohlseins vor allem nach dem Füttern
  • Möglicherweise Husten, vor allem nachts
  • Möglicherweise krampfartiges Überstrecken (Zurückbeugen) von Kopf oder Oberkörper beim oder nach dem Füttern
  • Möglicherweise unzureichende Gewichtszunahme, Gedeihstörung

Beim älteren Kind

  • Saures Aufstoßen, Sodbrennen
  • Schmerzen hinter dem Brustbein und im Oberbauch

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Ihr Baby nach dem Füttern stark »speit« oder »spuckt« und nicht ausreichend an Gewicht zunimmt.
  • Ihr Baby auffällig viel hustet.
  • Ihr älteres Kind häufig Sodbrennen hat.

Noch heute, wenn

  • Blutige oder bräunliche Fädchen in der herausgelaufenen Milch zu sehen sind.
  • Ihr Baby zusätzlich zu den Refluxbeschwerden (z. B. Husten) Fieber hat.

Das Wichtigste aus der Medizin

Woher kommt der Reflux?

Normalerweise wirkt der Mageneingang mit dem darum herum »geschlungenen« Zwerchfell fast wie ein Ventil: Es kann zwar Speise aus der Speiseröhre in den Magen gelangen, aber kaum zurück. Dieser Ventilmechanismus kann aus verschiedenen Gründen gestört sein, beispielsweise bei Bewegungsstörungen der Speiseröhre oder einer Hiatushernie(= Zwerchfellbruch) mit Verlagerung des Magens nach oben in den Brustraum hinein.

Da die Speiseröhrenschleimhaut im Gegensatz zur Magenschleimhaut nicht für den sauren Mageninhalt »gebaut« ist, entzündet sie sich bei ständig wiederkehrendem Reflux – Sodbrennen und Schmerzen sind bei Kindern wie bei Erwachsenen die unangenehmen Folgen. Wird die Entzündung nicht behandelt, können sich Geschwüre, dauerhafte Blutungen sowie Vernarbungen bilden, die dann wiederum möglicherweise zu einer Blutarmut oder Einengung der Speiseröhre führen.

Bei Säuglingen oft vielfältige Erscheinungen

Bei schätzungsweise 10 % aller Säuglinge übersteigt der Reflux das normale Maß und kann dann Probleme nach sich ziehen:

  • Die Babys verlieren nach dem Füttern eventuell so viel Milch, dass sie mit dem Trinken nicht mehr nachkommen und nur unzureichend an Gewicht zunehmen (mehr zu Gedeihstörung).
  • Einige entwickeln eine so starke säurebedingte Entzündung der Speiseröhre (= Ösophagitis), dass sie nach den Mahlzeiten extrem unruhig sind, sich immer wieder nach hinten »verbiegen« (d. h. den Kopf und Oberkörper nach hinten überstrecken) oder vor Schmerzen gar nicht mehr richtig trinken wollen. Selten entwickelt sich sogar eine Blutarmut.
  • Gefährlich wird der Reflux bei Säuglingen aber vor allem dadurch, dass der Speisebrei im Schlaf in die Luftwege geraten und zu ständigem Husten und wiederholten Bronchitiden oder Lungenentzündungen führen kann. Auch das Risiko von Mittelohrentzündungen sowie von teils schwerwiegenden Atempausen ist erhöht.

Das macht der Arzt

 

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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 12:56 Uhr )