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Erkrankungen des Hodens

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:11 Uhr
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Erkrankungen des Hodens
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Erkrankungen des Hodens sind nicht allzu häufig, jedoch für Eltern oftmals schwierig von anderen Erkrankungen abzugrenzen.

Leitbeschwerden

  • Hodenschwellung
  • Häufig Schmerzen
  • Möglicherweise Verfärbung des Hodens

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie oder Ihr Sohn eine schmerzlose Schwellung des Hodens bemerken.

Sofort, wenn

  • Ihr Sohn über anhaltende Schmerzen im Hoden klagt. Ausnahme sind leichte Schmerzen nach einem Stoß in die Hodenregion, die innerhalb weniger Minuten oder einer Viertelstunde wieder abklingen – hier können Sie unter Beobachtung zuwarten.
  • Sich der Hodensack (bläulich) verfärbt.

Das Wichtigste aus der Medizin

Anatomie männliche Geschlechtsorgane
Schnitt durch das Becken beim erwachsenen Mann. Medizinisch bedeutsam im Kindesalter ist neben den Hoden auch der Samenstrang mit Hodengefäßen und Samenwegen. Er tritt im Leistenbereich durch die Bauchwand hindurch. Da der Bauchraum – etwa beim Stuhlgang – auch beim Säugling schon ganz erheblichen Druck aushalten muss, können an dieser »Schwachstelle« der Bauchwand bei entsprechend veranlagten Kindern Darmschlingen hinausgedrückt werden (siehe Leistenbruch).
[GRA]

Die wichtigsten Hodenerkrankungen sind die folgenden:

Die Hydrozele (= Hodenwasserbruch) tritt vor allem bei Babys und Kleinkindern auf. Sie entsteht auf ähnliche Art und Weise wie ein kindlicher Leistenbruch, weshalb beide nicht selten gleichzeitig vorliegen: Verschließt sich der Leistenkanal nicht ganz oder öffnet sich der gerade verklebte Leistenkanal durch kräftiges Schreien wieder, kann Flüssigkeit aus dem Bauchraum zwischen die Hodenhüllen wandern und den Hodensack anschwellen lassen. Die Schwellung ist prall-elastisch und leuchtet rot auf, wenn man eine Taschenlampe im abgedunkelten Raum von hinten auf den Hoden setzt.

Meist bildet sich eine Hydrozele langsam, das Kind hat keine Schmerzen, und der Hodensack ist auch nicht gerötet. Selten sammelt sich die Flüssigkeit binnen weniger Tage an, die Hydrozele kann dann durch die rasche Dehnung durchaus etwas schmerzen.

Hodenentzündungen sind meist eine Folge von Virusinfektionen, etwa bei Mumps, beim Pfeiffer-Drüsenfieber oder bei Windpocken. Das Kind fühlt sich schlecht, oft hat es Fieber. Der Hoden ist geschwollen und gerötet und tut weh.

Im Bild der Hodenentzündung ähnlich ist die Hodendrehung (= Hodentorsion), die vor allem im Babyalter und bei Jugendlichen vorkommt: Ein anlagebedingt zu beweglicher Hoden hat sich hier mit dem Samenstrang um seine Längsachse gedreht, wodurch die Blutzufuhr eingeschränkt oder abgeschnitten ist. Das Kind hat starke Schmerzen in Hoden und Leiste, oft ist ihm schlecht. Der Hoden ist druckempfindlich, manchmal ist der Hodensack rot oder bläulich verfärbt. Der betroffene Hoden steht meist etwas höher als der andere.

Ganz ähnlich, aber ohne die schwerwiegenden Folgen, verläuft die Drehung des Hodenfortsatzes, eines kleinen auf dem Hoden sitzenden Gewebeanhangs, der sich manchmal um seine eigene Achse »verschlingt«.

Warnhinweis:

Die Hodendrehung ist ein Notfall: Da die Blutzufuhr zum gedrehten Hoden unterbrochen ist, stirbt das Hodengewebe schon nach wenigen Stunden bis Tagen ab, wenn nicht zuvor operiert wird.

Selten sind gut- oder bösartige Hodentumoren die Ursache einer Hodenschwellung. Da die Hodenschwellung in aller Regel nicht wehtut, langsam entsteht und keine Allgemeinbeschwerden bereitet, wird die (im Gegensatz zur Hydrozele oft derbe) Schwellung häufig nur zufällig entdeckt.

Eine gutartige und ebenfalls schmerzlose Schwellung meist etwas oberhalb des Hodens entsteht manchmal im Jugendalter durch eine krampfaderähnliche Erweiterung der Hodenvenen (= Varikozele).

Auf den bei Babys nicht seltenen Hodenhochstand sind wir bei den Hodenfehllagen eingegangen.


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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 13:27 Uhr )