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Mumps (Parotitis epidemica)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Vorsorge
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Häufigkeit: Häufigkeit 1 von 5: Rarität

Ziegenpeter, Wochentölpel und Bauernwetzel – der Mumps (= Parotitis epidemica) ist nach wie vor unter vielen Namen bekannt. Die Erkrankung selbst kennen die meisten Eltern aber nicht mehr, denn seit Einführung der Mumpsimpfung ist die Erkrankungshäufigkeit in Deutschland drastisch zurückgegangen.

Leitbeschwerden

  • Zuerst einseitige, schmerzhafte Schwellung meist einer Ohrspeicheldrüse
  • Schmerzen »in der Backe«, die in die Umgebung (Ohr, Hals) ausstrahlen und beim Öffnen des Mundes, Kauen oder Schlucken stärker werden
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Meist nur leichtes Fieber
  • Nach wenigen Tagen Übergreifen der Schwellung auch auf die andere Seite

Inkubationszeit 14–24 Tage

Ansteckend von sieben

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie bei Ihrem Kind die für Mumps typische Schwellung der Ohrspeicheldrüse sehen.

Heute noch, wenn

  • Die Ohrenschmerzen ganz im Vordergrund stehen oder ein Ohr »läuft«.

Sofort, wenn

  • Das Kind Bauchschmerzen, möglicherweise mit Übelkeit und Erbrechen, bekommt (Hinweis auf eine begleitende Bauchspeicheldrüsenentzündung).
  • Ihr Kind starke Kopfschmerzen oder einen steifen Nacken bekommt, sehr licht- und geräuschempfindlich ist oder zunehmend teilnahmslos wird.
  • Ihr Sohn nach der Pubertät Hodenschmerzen bekommt.

Das Wichtigste aus der Medizin

Abbildung der Speicheldrüsen.
Die Abbildung zeigt, wo im Mund die Speicheldrüsen liegen. Der Mumps kann prinzipiell alle Speicheldrüsen betreffen, besonders häufig aber ist die vor dem Ohr gelegene Ohrspeicheldrüse entzündet und entsprechend angeschwollen. Eine »dicke Backe« ist die Folge.
[AMR]

Wie wird Mumps übertragen?

Erreger des Mumps ist das dem Masern-Virus verwandte Mumps-Virus Es wird durch direkten Kontakt und Tröpfcheninfektion übertragen, dringt durch die Mundschleimhaut ein und gelangt mit dem Blutstrom in alle Organe. Rund ein Drittel aller Kinder setzt sich mit dem Erreger auseinander, ohne sichtbar zu erkranken. Zweiterkrankungen sind extrem selten – wer einmal Mumps gehabt hat, ist in aller Regel sein Leben lang davor geschützt.

Nicht nur die Ohrspeicheldrüse ist beteiligt

Die meisten Kinder machen den Mumps folgenlos durch. Prinzipiell ist der Mumps allerdings keine auf die Speicheldrüsen beschränkte Erkrankung – es sind sogar Verläufe ohne die typische Schwellung möglich.

Bei 1–2 % der Erkrankten kann eine, meist nur leichte, Hirnhautentzündung auftreten. Selten ist eine Gehirnentzündung. Sie verläuft deutlich ernster. Häufigste Dauerfolge der Hirnhaut- oder Gehirnbeteiligung ist eine Schwerhörigkeit.

Auch andere Drüsen sind durch das Mumps-Virus gefährdet: Bei ungefähr 30 % der Jungen nach der Pubertät entwickelt sich eine schmerzhafte Hodenentzündung, die oft beidseits verläuft und vor Einführung der Impfung die häufigste erworbene Ursache der Unfruchtbarkeit bei Männern darstellte. Verhältnismäßig häufig ist auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, die aber meist milde verläuft und sich durch Bauchschmerzen und Übelkeit bemerkbar macht. Ob Mumps eine Zuckerkrankheit begünstigen oder gar hervorrufen kann, ist strittig; die Mehrzahl der Mediziner verneint einen Zusammenhang.

Der Befall weiterer Organe (etwa eine Eierstockentzündung) ist sehr selten.


Das macht der Arzt

Mumps: Zu erkennen an dicker Backe und entzündeter Ohrspeicheldrüse.
Mumps ist nicht nur von außen an einer »dicken Backe« zu erkennen, auch von innen ist zu sehen, wo die entzündete Ohrspeicheldrüse sitzt: Der rote Punkt an der Wangeninnenseite entspricht dem deutlich geröteten Ausführungsgang, seine Umgebung ist durch die Entzündung angeschwollen.
[DGK]

Wie bei vielen anderen Viruserkrankungen, so lassen sich auch bei Mumps medikamentös nur die Beschwerden lindern, nicht aber das Virus abtöten. Hat das Kind starke Schmerzen, kann der Arzt ein Schmerzmittel wie z. B. Paracetamol verordnen.


So helfen Sie Ihrem Kind

Hauptproblem bei Mumps sind für die meisten Kinder die Schmerzen im Backenbereich, die sich beim Kauen verstärken.

Wärmeanwendungen auf die geschwollene Backe werden von den meisten Kindern als schmerzlindernd empfunden. Bewährt haben sich Wickel mit warmer Archangelikasalbe, Calendulaöl oder -salbe oder Eukalyptuspaste, die das Ohr mit bedecken. Aber auch eine Wärmflasche leistet gute Dienste. Manche Kinder empfinden Wärme allerdings als unangenehm. Bei diesen Kindern hilft oft ein kalter Umschlag, »pur« oder auch mit Quark oder essigsaurer Tonerde.

Da das Kauen wehtut, bieten Sie dem Kind am besten flüssig-breiige Kost an. Saure Speisen regen die Speichelproduktion an und können die Schmerzen dadurch verstärken, Fett erfordert Mehrarbeit von Seiten der Verdauungsdrüsen und sollte aus diesem Grunde nur sparsam verwendet werden. Die meisten Kinder nehmen aber gerne Kartoffel- oder Gemüsepürees, Brühe oder andere Suppen, Joghurt, Pudding oder pürierte, gekochte Obstkompotte. Auch fertige Trinknahrungen in den verschiedensten Geschmacksrichtungen – vielleicht zusätzlich mit einem Strohhalm – können hilfreich sein. Ob das Kind Bettruhe einhalten soll, hängt von seinem Allgemeinbefinden ab. Hat es kein Fieber, kann es durchaus aufstehen, sollte sich aber schonen und nicht toben. Nötig ist Bettruhe allerdings bei einer Erkrankung des Hodens.


Vorsorge

Gegen Mumps steht heute eine insgesamt gut verträgliche Impfung zur Verfügung. Sie wird allgemein empfohlen, um der Gehirnbeteiligung bei Kindern und der Hodenbeteiligung bei Männern (vor Einführung der Impfung waren 15 % aller Erwachsenen noch ohne Schutz) vorzubeugen.