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Hintergrundwissen Knochen und Muskeln - Was alles normal ist

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:23 Uhr
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Was alles normal ist

Mit dem Wachstum ist das Skelett ständig in Bewegung. Dabei entstehen vor allem an Beinen und Füßen immer wieder Knochenstellungen, bei denen sich Eltern zu Recht fragen, ob das denn »noch normal« sei.

Wir wollen deshalb im Folgenden kurz die normalen Erscheinungen zusammenfassen:

O-Beine

X-Beine bei kleinem Mädchen
Mäßig ausgeprägte X-Beine und Auswärtsgang bei einem zweijährigen Mädchen.
[ASL]

O-Beine sind bis zum zweiten Geburtstag völlig normal und werden oft durch den Babyspeck an den äußeren Waden noch betont.

Ob die O-Beine vielleicht doch einmal vom Kinderarzt begutachtet gehören, können Sie selbst einfach feststellen: Legen Sie Ihr Kind auf den Rücken und strecken Sie die Beine gerade aus, und zwar so, dass sich die Fußknöchel innen berühren. Nur wenn der Spalt zwischen den Knien (von Innenseite zu Innenseite gemessen) mehr als 5 cm beträgt, könnte etwas Krankhaftes (etwa eine Rachitis oder bestimmte Skelettfehlbildungen) dahinterstehen. Auch wenn nur ein Bein gebogen ist oder O-Beine nach dem zweiten Lebensjahr noch vorhanden sind, sollten Sie den Kinderarzt befragen.

X-Beine

So normal O-Beine für den Säugling sind, so normal sind X-Beine für das Kleinkind. Sie verschwinden von selbst spätestens bis zum zehnten Lebensjahr.

Legen Sie Ihr Kind auf den Rücken und strecken Sie seine Beine gerade aus, und zwar, so, dass sich die Innenknöchel der Knie in der Mitte berühren. Wenn der Spalt zwischen den Innenknöcheln des Fußes über 5 cm breit ist, sollte der Kinderarzt etwa alle vier Monate den Befund kontrollieren. Ist er größer als 10 cm, wird der Arzt die Beine möglicherweise röntgen lassen. Dasselbe gilt, wenn X-Beine außerhalb des »typischen« Alters auftreten.

Plattfüße

Auch Plattfüße sind bei Säuglingen und Kleinkindern normal, da in diesem Alter ein Fettpolster im inneren Fußgewölbe sitzt und es »platt« erscheinen lässt. Mit dem Laufenlernen verschwindet das Fettpolster allmählich, der Fuß wird zudem von den stärker werdenden Muskeln »aufgerichtet«.

Mit dem Stehen werden die Füße des Kleinkindes auseinander gedrückt und der Druck dann an der Seite »aufgefangen«. Die Sohlen der ersten Schuhe sind deshalb typischerweise an den Fersen außen abgelaufen. Ist der Schuh innen abgelaufen oder klagt das Kind über Schmerzen beim Gehen, so sollte der Fuß vom Kinderarzt untersucht werden. Beobachtet er im Zehenstand kein ausreichend entwickeltes Fußgewölbe, so verordnet er möglicherweise Einlagen oder überweist Sie zu einem Kinderorthopäden. Auch wenn er eine Bewegungseinschränkung, eine Muskelschwäche oder eine Überstreckbarkeit im Fußgelenk beobachtet, wird er Sie zum Orthopäden überweisen.

Einwärtsgang

Beim Einwärtsgang, auch als Zeheninnengang oder in der Fachsprache als Innenrotationsgang bezeichnet, sind die Füße »einwärts gedreht«, die Zehen zeigen also etwas nach innen. Ein solches Gangbild ist beim Kleinkind recht häufig und meist nicht krankhaft. Der Grund dafür ist überwiegend oberhalb der Knie zu finden: Der Oberschenkel ist bei Kleinkindern nämlich oft nach innen gedreht, so dass die Knie nicht genau nach vorne, sondern ein bisschen aufeinander zu weisen. Praktisch immer verliert sich dies mit 7–8 Jahren. Solange die Fußknöchel voll beweglich sind und keine Fehlbildung der Hüfte vorliegt, ist keine Behandlung erforderlich.

Sichelfüße

Die Zehen können auch bei Sichelfüßen nach innen weisen. Die Knie stehen hier in normaler Position, zeigen vielleicht sogar etwas nach außen, aber der Vorfuß ist in sich nach innen gedreht. Nur bei zugrunde liegenden Muskelproblemen (z. B. bei einer Spastik) oder angeborenen Sichelfüßen ist eine Therapie erforderlich.

Auswärtsgang

Der Auswärtsgang (= Zehenaußengang, Außenrotationsgang) ist eher selten, aber meist ebenfalls nicht krankhaft. Die Füße sind hier etwas »auswärts gedreht«, die Zehen zeigen entsprechend nach außen. Ursache des Auswärtsganges sind meist insgesamt nach außen gedrehte Beine. In jedem Fall wird der Kinderarzt die Hüfte untersuchen, um angeborene Fehlstellungen auszuschließen. Ansonsten erfolgen weitere Untersuchungen nur bei einseitigem Auftreten oder wenn die Füße noch nach dem achten Lebensjahr nach außen gedreht sind.

Zehenspitzengang

Beim Zehenspitzengang handelt es sich um eine Gewohnheit kleiner Kinder, die kurz zuvor laufen gelernt haben. Solange das Kind auch normal auf der Ferse stehen kann, das Fußgelenk normal beweglich ist und keine Zeichen einer Muskelerkrankung (Spastik) vorliegen, ist er kein Anlass zur Sorge.



Aktualisiert ( Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 17:23 Uhr )