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Wenn Babys schreien - Was Sie tun können

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 15. Juni 2009 um 07:51 Uhr
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Wenn Babys schreien
Dreimonatskoliken
Was Sie tun können
Was nichts bringt
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Was Sie tun können

Zuerst: Verschaffen Sie sich Gewissheit, dass nichts Schlimmes hinter den Schreiattacken steht. Schon das beruhigt, und Ihre Ruhe strahlt auf das Baby aus.
Zeichen, dass mehr hinter dem Schreien steht als »nur« Dreimonatskoliken, sind:

  • Blut in der Windel
  • Wenn das Baby nicht gedeiht oder den Rest des Tages nicht gut trinkt
  • Wenn es apathisch, lustlos oder blass ist
  • Wenn es immer wieder erbricht

Auch vernichtend-schmerzhaftes, schrilles Schreien, das länger als eine Stunde anhält und bei dem sich das Kind partout nicht entspannen kann, kann mehr sein und z. B. auf einen eingeklemmten Leistenbruch oder eine Darmeinstülpung (Invagination) hinweisen.

In allen diesen Fällen suchen Sie gleich den Kinderarzt auf.

Beruhigungsstrategien

Ansonsten: Versuchen Sie Ihr Baby zu beruhigen. Dabei werden Sie feststellen, dass viele der sonstigen »Tröster« nicht gut ziehen und die Sache sogar nur schlimmer machen. Und: Was beim einen Baby hilft, verschärft beim anderen die Lage nur noch. Experimentieren Sie also ruhig.

Trinken? Das gilt insbesondere für das Trinken. Natürlich wird das Baby für kurze Zeit ruhig, wenn es an Ihrer Brust liegt, und es saugt dort auch gierig, aber Sie merken rasch, dass das Trinken (oft ein ganz verzweifeltes Saugen) eher ein Versuch der Entspannung ist und dass die zugeführte Nahrung den Aufruhr eher wieder schürt. Besser als immer wieder die Brust zu geben ist also ein Schnuller oder das Fäustchen in seine Reichweite zu bringen. Manche Eltern haben mit kleinen Mengen lauwarmem Fencheltee gute Erfahrungen gemacht.

Ablenkung. Was vielen Kindern am meisten bringt, ist ruhige Ablenkung. Viele wollen fest im Arm gehalten werden und Rhythmen können Wunder tun, z. B. indem Sie das Baby eng an Ihren Körper gedrückt auf und ab schaukeln. Dabei bevorzugen manche Babys einen wahren »Affentanz«, andere mögen es sachte. Jeder entdeckt dabei seine eigenen Tricks und lernt allmählich, was seinem Baby hilft und was nicht.

Einwickeln. Viele Eltern haben auch gute Erfahrungen damit gemacht, das Baby fest in ein großes Handtuch »einzuschlagen« und es dann sanft in den Armen zu wiegen.

Tragetuch. Gut bewährt hat sich auch, das Baby ins Tragetuch zu nehmen – und zwar gerade auf den Rücken, wo sich das Kind ohne viel Mühe schaukeln lässt und Sie trotz­dem die Hände frei haben, etwa um das Abend­essen dann doch noch fertig zu be­kom­men. Lassen Sie sich das »Auf-den-Rücken-Binden« des Babys von einer erfahrenen Hebamme oder Mutter zeigen, diese Technik kann Ihnen auch in anderen Situationen den Alltag erleichtern.

Rhythmen. Manche Kolikkinder können durch Musikrhythmen oder auch durch mo­no­tone Töne beruhigt werden, etwa wenn Sie den Staubsauger anstellen oder das Baby auf eine Spazierfahrt mit dem Auto mit­neh­men oder mit ihm an der frischen Luft spazieren gehen. Auch Singen hat sich bewährt – und es beruhigt auch Sie selbst!

Einreiben. Manche Säuglinge mögen es, wenn der Bauch mit Fenchelöl eingerieben wird und zwar langsam im Uhrzeigersinn, immer um das Bäuchlein herum, denn dies ist die Richtung, in der der Stuhlgang vorwärtsgeschoben wird.

Sich selbst wahrnehmen. Denken Sie auch an sich selbst – wenn Sie »durchdrehen«, ist alles verloren und Ihr Baby sogar ernsthaft in Gefahr. Wenn Sie noch kein Abendessen hatten – essen Sie etwas, wenn irgend möglich. Und organisieren Sie Hilfe, damit Sie sich mit dem kleinen Schreihals abwechseln können. Auch für die nächsten Tage: Sorgen Sie dafür, dass Sie um die Geisterstunde herum nicht allein sind.



Aktualisiert ( Donnerstag, den 27. August 2009 um 08:07 Uhr )