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Wenn Babys schreien - Was nichts bringt

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 15. Juni 2009 um 07:51 Uhr
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Was nichts bringt

Die wenigsten Mütter können es ertragen, ihr Kind einfach schreien zu lassen, aber manche fühlen sich durch Freunde, Eltern etc. dazu gedrängt. Babys mit Koliken schreien, weil sie Ihre Hilfe brauchen, und wer meint, dies wäre ein guter Zeitpunkt, um ihnen beizubringen, dass sie mit »so einem Verhalten nicht durchkommen«, erreicht das Gegenteil.
Andererseits: Wenn Sie mit den Nerven so weit am Ende sind, dass Sie im Zorn dem Baby wehtun könnten, ist es besser, das schreiende Baby an einen sicheren Platz zu legen und erst einmal wieder klare Gedanken zu fassen!

Das Schuld-Spiel

Wenn Babys untröstlich schreien, kann dies die schlimmste Erfahrung im Leben von Eltern sein. Und in dieser Situation, wo Ihre Haut sowieso schon dünn ist, brauchen Sie eines nicht: das Gefühl, selbst schuld zu sein.

Leider sind Schuldzuweisungen – sich selbst gegenüber oder an den Partner gerichtet – in solchen Extremsituationen nicht selten. Die Erfahrung zeigt: Anstatt positive Kräfte mobilisieren zu können und Zuspruch zu bekommen, sehen sich Eltern in Problem­situationen oft negativen Gefühlen ausgesetzt.
Das hat mit dem Stress zu tun, unter dem Sie und die ganze Familie jetzt stehen.  »Stress bringt aus Menschen das Schlechte hervor und bringt sie gegeneinander auf«, sagen Psychologen, und viele Eltern können das bestätigen. Stress ist Gift für den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung der Familienmitglieder.

Deshalb: Reden Sie über Ihr Problem und finden Sie gemeinsam die beste Strategie. Räumen Sie Vorwürfe frühzeitig aus dem Weg. Versuchen Sie sich »Inseln« zu bewahren, auf denen Sie als Eltern etwas voneinander haben und Ihre Batterien wieder aufladen können. Und akzeptieren Sie auch einmal »zweitbeste Lösungen« – etwa, dass Sie Ihr Kind einmal ein paar Stunden zur Nachbarin bringen.

Und vor allem: Spielen Sie das »Schuld-Spiel« nicht mit. Niemand ist schuld daran, dass Ihr Baby so viel schreit. Weder ist das Baby schuld, das angeblich zu schnell, zu gierig, zu lange trinkt oder zu viel Luft schluckt, oder, als besonders gemeine Variante, angeblich »seiner Mutter keine klaren Signale gibt«. Noch sind Sie als Eltern schuld, weil Sie das Falsche essen, mit der falschen Technik stillen, Ihre Unsicherheit auf das Kind übertragen oder Ihren Beruf wieder aufgenommen haben (oder Ihren Beruf nicht wieder aufgenommen haben).

Denn dieses Spiel kann keiner gewinnen. Aber es nicht mitzumachen ist schwierig, denn wenn ein geliebtes, hilfloses Geschöpf von Woche zu Woche schlimmer schreit und alles, was Sie dagegen unternehmen, nur wenig bringt – dann ist man schnell davon überzeugt, etwas falsch zu machen. Das ist normal.
Aber so ist das Leben mit Kindern: Man tut sein Bestes, und trotzdem läuft nicht alles glatt.

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Aktualisiert ( Donnerstag, den 27. August 2009 um 08:07 Uhr )