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Hintergrundwissen Nieren, Blase und Geschlechtsorgane

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:01 Uhr
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Der kleine Unterschied und seine großen Folgen

Der »kleine Unterschied« ist lange Zeit im Windelpaket verborgen. Wenn er dann im Alter von zwei oder drei Jahren entdeckt wird, gibt es Grund zum Schwärmen: »Meine Scheide«, sagt Kerstin und deutet stolz an sich hinunter. »Judith auch Scheide.« Ja, die Judith hat auch eine Scheide, und die Judith geht immerhin schon in den Kindergarten!

Und dass viele andere Kinder keine Scheide haben, sondern ein Glied, das ist natürlich höchst interessant. Da muss man jetzt genau seine Eltern anschauen, wie das bei denen ist, und dazu auch seine Freunde unter die Lupe nehmen. Bis irgendwann klar ist: Ich bin ein Mädchen, du ein Junge.

Und diese Phase ist wichtig. Denn sie schärft nun auch den Blick dafür, was Mädchen anders machen als Jungs und umgekehrt. Auch was die Mutter anders macht als der Vater. Was die Umwelt als »männlich« und »weiblich« vorlebt. Für jedes Kind bildet sich so sein Geschlechtsverständnis – welche Rolle sehe ich für mich als Mädchen (oder Junge) und später als Frau (oder Mann)?

Und was als »kleiner Unterschied« beginnt, prägt bald das ganze Leben.


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Die Nieren liegen – von den Rippen gut geschützt – im »rückenwärtigen« Teil des Bauches. Im Grunde enthalten sie ein kompliziertes Filtersystem, das rechts in der Detailansicht gezeigt wird. Hier wird aus dem Blut schlackenhaltige Flüssigkeit abgepresst (dies passiert in den so genannten Nierenkörperchen) und dann in einem Röhrensystem weiter konzentriert und bearbeitet. Der so entstehende Urin wird dann über die Harnleiter, Harnblase und Harnröhre ausgeschieden.
[GX]

Die beiden bohnenförmigen Nieren liegen etwa auf Höhe der Taille links und rechts neben der Wirbelsäule. Sie produzieren täglich je nach Alter des Kindes ca. 0,3 bis 1,5 Liter Urin (= Harn). Aus den Nierenbecken fließt der Urin über die Harnleiter in die Harnblase oder kurz Blase, wo er gespeichert und dann über die Harnröhre entleert wird. Beim Baby und Kleinkind ist diese Speicherzeit kurz, und die Blase entleert sich unwillkürlich, wenn sie eine gewisse Füllung erreicht hat. Etwa bis zum dritten Geburtstag aber lernen fast alle Kinder, die Blasenentleerung einigermaßen zu kontrollieren – die Zeit der Windeln ist, meist zur großen Erleichterung der Eltern, dann zumindest tagsüber vorbei.

Nieren und ableitende Harnwege bilden auf Grund ihrer Nachbarschaft zu den Geschlechtsorganen (beim Jungen und beim Mädchen) mit diesen zusammen das Urogenitalsystem.

Die Urinbildung (und damit letztlich auch der Feinbau der Niere) ist zwar außerordentlich kompliziert, folgt aber doch einem einfachen Prinzip: Aus hunderttausenden von ganz feinen, zu diesem Zweck vielfach aufgebauschten Blutgefäßen wird ein Teil des im Blut mitgeführten Wassers abgepresst. Diese Gefäßknäuel heißen Glomeruli, mit einer sie umgebenden Hülle bilden sie die Nierenkörperchen. Das abgepresste Wasser – Primärharn genannt – enthält nicht nur alle Salze des Blutes, sondern auch die gelösten Abfallstoffe des Stoffwechsels, wie etwa Harnstoff. Nun werden schon beim Dreijährigen pro Tag etwa 35 Liter Primärharn abgepresst, beim Zehnjährigen bereits mehr als 80 Liter! Keine Frage: Die Ausscheidung des kompletten Primärharns könnte sich unser Körper gar nicht leisten – wir würden innerhalb kürzester Zeit austrocknen. Zudem enthält der Primärharn ja nicht nur schädliche Stoffe, von denen die Nieren den Organismus reinigen sollen, sondern auch wertvolle Substanzen wie die Salze. Die Natur hat deshalb mit einem Recyclingapparat vorgesorgt: Der abgepresste Primärharn fließt dazu durch ein System ganz feiner, aber langer Kanälchen, den Tubulusapparat. Im Tubulusapparat werden der größte Teil der »nützlichen« Substanzen und über 98 % des Wassers in die Blutbahn zurückgewonnen. Gleichzeitig hat der Organismus durch dieses Röhrensystem die Möglichkeit, etliche bisher noch gar nicht abgepresste Gifte oder andere »unerwünschte« Stoffe nachträglich in die Kanälchen auszuscheiden. Erst der dergestalt aufkonzentrierte und veränderte Sekundärharn ist der »eigentliche« Urin.

Die Nieren sind jedoch mehr als ein Reinigungs- und Entgiftungsorgan:

  • Die Rückgewinnung von Körperwasser im Tubulusapparat kann nämlich über Hormone mengenmäßig fein gesteuert werden; dadurch spielt die Niere eine ganz wesentliche Rolle in der Regulation des Wasser- und Salzhaushaltes und damit des Blutdrucks.
  • Die Nieren erfüllen auch wichtige Aufgaben im Hormonhaushalt: Sie bilden das Hormon Renin, welches den Blutdruck steigert, das Hormon Erythropoetin, das die Bildung roter Blutkörperchen ankurbelt, und wandeln eine Vorstufe des für den Knochenstoffwechsel wichtigen Vitamin D in seine Wirkform um.
Aktualisiert ( Freitag, den 03. April 2009 um 12:48 Uhr )